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Glossen
15. Oktober 2017

Politische Merkwürdigkeiten
Aserbeidschan hatte schon mal den Vorsitz im Europarat, obschon das Land Wahlen massenhaft fälscht, die Presse- und Versammlungsfreiheit mißachtet und alle 47 ER-Mitglieder den Menschenrechte verpflichtet sind. Auch die Türkei ist ER-Mitglied.
 
Listenreiche Demokratiedebatte
Seit Wahlen vermehrt nicht mehr den Erwartungen der Polit- und Medienoberen entsprechen, häufen sich listenreiche Basteleien am Demokratiebegriff. Der eherne Grundsatz der Herrschaft der größeren Zahl (Mehrheitsprinzip) wird mit normnativen Argumenten infrage gestellt. Ist schon der Verfassungssouverän in der repräsentativen Demokratie arg beschnitten, so würde ein normativer Vorbehalt gegenüber der Volksmehrheit die Spuren zur Diktatur legen.
 
Innergesellschaftlicher Austausch
Die politische Legitimität benötigt eine soziale Variante. Je mehr sich gesellschaftliche Schichten abschotten, um so fragiler ist die Demokratie. Nicht nur in südamerikanischen Megastädten herrschen scharfe Grenzen, auch in den USA, in England, Frankreich, in Asien und Afrika existieren Schichtgrenzen aus Tradition. In Indien gibt ein Kastenerster den ›Untermenschen‹ nicht einmal die Hand. Die gewaltigen Verwerfungen zweier verlorener Weltkriege  hat Deutschland austauschfähiger gemacht. Keine Militärkaste und Junkerbarone mehr.
 
Churchills Leimruten      
Der englische Kriegspremier ist für Kriegsverbrechen verantwortlich (Bombenkrieg gegen Zivilisten, deutsche Städte als Exerzierfeld). Dennoch erhielt er den Aachener Karlspreis und wird wegen seiner Züricher Rede als Geburtshelfer eines vereinten Europas (ohne GB) bewundert. Er beschwor dabei die »European Family« und den »christlichen Glauben«, obschon er schon zuvor in allerhand Weltgegenden als Imperialist militärisch wüten ließ.
 
Deutscher Sonderweg  
Schon diese Vokabel verbannen Polit- und Medienoberen in den Giftschrank und überspielen dabei deutsche Interessen, indem die neurotische Angst ihre Position mit ausländischen Partnern schwächt. Robuste Sonderwege gehen viele Staaten: die Schweiz, Großbritannien, Frankreich, die USA, Rußland usw. Neben der Nazi-  und Rassismuskeule ist die Sonderwegkeule eine weltweit eingeübte Schwingübung gegenüber Deutschland. Das bekommt derzeit die deutsche Exportwirtschaft wegen des Exportüberschusses zu spüren. Dreißig Prozent aller Europapatente kommen aus Deutschland. Erfindergeist und Tüchtigkeit können unbeliebt machen.
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com
 


Tagebuchnotizen

15. Oktober 2017

Populismuskeule. Im etablierten und sich gegenseitig stützenden Medien- und Politikbetrieb gelten, nach schweren Enttäuschungen, Wahlen und andere Volksabstimmungen als Drohung und Bedrohung des Systems. Permanent schwingen daher die Enttäuschten die Populismuskeule und brandmarken Abweichler als Dummköpfe oder Extremisten. Die selbsternannten Volkserzieher wissen allein, was gute Politik ist, dem Volk (populus) muß man es erst beibringen. Die Obrigkeitsarroganz erweist sich bei näherem Hinsehen als »Komparserie des Mainstreams« (Bodo Hombach). Der eherne demokratische Grundsatz, daß hinter allem, was im Namen des Volkes geschieht, auch das Volk stehen muß, wurde bei der Euroeinführung, der Energiewende u.v.a. in den Populismuswind geschlagen.
 
Moralismus statt nüchterne Interessen. Die Medien- und Politherrschaften sprechen von populistischen Entrüstungspotenzialen, wenn sich der Druck von unten Luft verschafft. »Masse, Meute, Mob« titelte sogar die NZZ (vom 10. Jan. 2017), worin schon ohne Kommentar viel Verachtung steckt. Doch die Vorzeigemoralisten sitzen ganz oben.
© Walthari®. Aus: www.walthari.com




3. November 2015
   
Nach einhundertjähriger Vorplanung eroberte im 17. Jahrhundert Frankreich das Elsaß, das seit dem Jahre 870 (Vertrag von Meerssen) ununterbrochen dem Deutschen Reich angehört hatte, überfallartig. Die Freie Reichsstadt Straßburg, die acht Jahrhunderte Mittelpunkt der Region links und rechts des Oberrheins war, wurde mit Gewalt von französischen Truppen eingenommen und unverzüglich französisiert. Die große Tradition des Luthertums und des deutschen Humanismus um Martin Butzer (1491-1551) wurde ausgelöscht. Die Lutheraner hatten schon 1529 im Straßburger Münster den protestantischen Ritus eingeführt, allerdings nicht ohne Bilderstürmerei. 1534 erstellte Straßburg zusammen mit Konstanz, Lindau und Memmingen ein eigenes Glaubensbekenntnis, ein Zeichen, daß das Elsaß mit Baden und bald auch mit der Kurpfalz eng verbunden war, also nicht mit Frankreich. Der erste Weihnachtsbaum überhaupt stand 1539 im Straßburger Münster und wurde alsbald zum deutschen und weltweiten Festsymbol, später auch unter Katholiken. Am 23. Oktober 1681 feierte Ludwig XIV. mit einer Messe im Münster die Rekatholisierung und die Französisierung des Elsaß unter den Klängen des ›Te Deum laudamus‹. Während der Terrorherrschaft der Revolution 1789 ff.  wurde das Straßburger Münster zum Tempel der Vernunft umgestaltet. 1940 erhob Adolf Hitler bei seinem Besuch das Münster zum ›Nationalheiligtum des deutschen Volkes‹ und verstärkte den antideutschen Effekt.
 
Das Elsaß entwickelte sich konfessionell zweigeteilt. Im Bewußtsein der Elsässer bleibt die große humanistische Tradition ausgelöscht, weil schon in den Schulen die achthundertjährige deutsche Vergangenheit ausgespart wird. Wer zwischen Colmar und Weißenburg kennt schon Butzer! Oder Sebastian Brant?
© Erich Dauenhauer. Aus: www.walthari.com

 

Skandalchronik