Walthari


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8. Juli 2017
 
Bisher erschienene Teile dieser Artikelserie in diesem Walthari-Portal  am:
18. Nov. 2000  /  24. Apr. 2001  /  23. Jan. 2002  /  03. Juli 2003  / 19. Dez. 2003  /
30. Juni  2004  /  02. Febr. 2005  /  17. Febr. 2006  / 07. Juli 2006. /  27. Mai 2007  /
30. März 2008 /  13. Aug. 2008  / 14. Juni 2009 /  29. Nov. 2009  / 15. Nov. 2010 /
13. Mai 2012 /  14. Febr. 2013 / 28. April 2013 / 9. Sept. 2013 / 15. Nov. 2013 /
12. März 2014 / 16. Juli 2014 / 27. April 2015 / 24. Okt. 2015 /  15. Juni 2016 /
28. Aug. 2016 / 01. Mai 2017 / 08, Juli 2017
 
Sportkapitalistische Schau- und Täuschungsgeschäfte
28. Teil
Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer  

Buschmann, R. u. Wulzinger, M.: Football Leaks.
Das schmutzige Geschäft im Profifußball,
Deutsche Verlags-Anstalt , München 2017,
287 Seite, 16,99 Euro, ISBN 978-3-421-04781-6

 
Jedes der 25 Kapitel in dieser Abrechnung sportkapitalistischer Praktiken wäre es wert, als Fortsetzungsartikel im Sportteil der Medien (Zeitungen, Sender), abgedruckt bzw. vorgetragen  zu werden. Die beiden Autoren erweitern das Belegmaterial, das ich in den bisher 27 Teilen dieser Artikelserie (seit dem 18. November 2000) ausgebreitet habe, um den skandalösen Hintergrund des Profisports offenzulegen. Der Fußball nimmt darin weltweit die Spitzenstellung ein. Dem Skandal haften viele häßliche Gesichter an, darunter:
  •   die Geldgier: Sie ist der oberste Antrieb und nicht die vorgetäuschten hehren Motive oder gar die Moral (›Kampf gegen Rassismus‹ usw.).
  • Die Medien: Sie sind dem skandalösen Schaugeschäft verfallen (ihre Sportabteilungen leben davon) und tun so, als erfüllten sie damit einen gesellschaftlichen Auftrag.
  • Die Profisportszene: Sie hat dunkle, teils mafiose Seiten (Steuerhinterziehung u.a.).
  •  Der Parteienstaat hofiert die Szene, um auf der Aufmerksamkeitsbühne präsent zu sein und sich beim Wahlvolk beliebt zu machen.
  • Die Sportwirtschaft: Sie überschlägt sich vor Begeisterung und heimst über Werbemaßnahmen Milliarden ›Kohle‹ ein.
  • Die Agenturen: Ihre hellen und dunklen Geschäfte bilden ein Netzwerk, das einem orientalischen Basar gleicht, wo bekanntlich hinter den Kulissen die großen Geschäfte gemacht werden.
  • Die großen Vereine: Sie gleichen Wirtschaftsunternehmen, die den ›heiligen Sportgeist‹ knallhart vermarkten.
  • Die Großaushalter: Mogule aus den Ölstaaten, Rußland usw. kaufen ganze Vereine und kommandieren im Hintergrund das Schaugeschäft.
  • Die Spitzenverbände (Fifa & Co.): Sie geben sich als moralische Anstalten (gegen Rassismus usw.) und als politische Beiträger aus, sind aber in Wahrheit Wirtschaftskonzerne mit Milliarden Umsätzen.

Von alledem kann man in dem Buch reichlich Ergänzungsmaterial erfahren. Schon die Kapitelüberschriften sprechen für sich:

-    Die Steuertouristen
-           Leibeigene auf Zeit
-           Der Geldregen
-           Schweizer Sickergruben
-           Verhökerte Lieblinge
-           Der goldene Schuß
-           Das ganz große Geld
-           Im Steuerparadies
-           Dokumente der Gier usw.

Wenn Sportidole in den Medien hell angestrahlt werden, lohnt es sich zu fragen, an welchen Vertrags- und Werbeklauseln sie gefesselt sind und ob Doping im Spiel ist. Ganze Hundertschaften von Spähern sind wöchentlich unterwegs, um Talente fürs große Geld aufzuspüren. Beim Menschenhandel kann auch schon mal die 100-Millionen-Euromarke je Sklave überschritten werden. Man handelt  Werberechte in Millionenhöhe und Fernsehrechte in Höhe von Hunderten von Millionen aus. Die Spitzen-Fußballer (Weltfußballer u.a.) lassen sich mit Gold aufwiegen. Um den medial gebastelten Eindruck des Gutmenschen nicht zu verschmutzen, haben viele Stars Stiftungen mit sozialen Zielen gegründet. »Fast alle Erstligisten haben einen Autohersteller in ihrem Sponsorenvertrag« (S. 92). Interviews werden vor Werbewänden mit Dutzenden Sponsoren gegeben. Die Szene ist medial hell und zugleich tief dunkel und unentwirrbar vernetzt: ein idealer Spielplatz für das Heer von Dunkelmännern und Schellengestalten.

Der Schreiber dieser Zeilen ist kein Sportsfeind. Schon als Schüler spielte er im Ortsverein seines Heimtortes Fußball und setzte die Tradition seines Vaters fort, der seit der Vereinsgründung (1914) über zwei Jahrzehnte den Mannschaftssport betrieb – aus Spaß. Die sportkapitalistische Seuche begann in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts und wird sich weiter intensivieren. Sie ist beileibe nicht nur im Spitzenfußball verbreitet.
©Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer, ausgenommen die Originalzitate. Aus: www.walthari.com
 
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»Ehe für alle«?

Das Schlag-Wort steht im Kontext der Hybridisierung des Rechts, die ein Ausfluß des Konstruktivismus ist: Feste Realitäten gibt es danach nicht, alles könne man zurechtbiegen. So auch im Recht, dem man Universalien auszutreiben versucht hat, wobei oberste Gerichte in vielen Fällen gute Vorarbeit geleistet haben, voran das Bundesverfassungsgericht, um den zeitgeistbewegten Parlamenten und Medien freie Hand zu gewähren. Heute im Bundestag: 30. Juni 2017, ein denkwürdiger Tag: eine Mehrheit stimmte der Parole »Ehe für alle« zu. Manche  Rechtsuniversalien, so die Ehe (zwischen Mann und Frau) oder die Menschenwürde, erscheinen im Zeitgeistfieber als bloße Konstrukte, an denen man drehen und die man letztlich verflüssigen könne.
Genau davon handelt der Roman ›Gerichtsasche‹ (Walthari-Verlag, Münchweiler/Rod.;
E-Mail: www.dauenhauer@walthari.de).

Waltharius
© walthari. Aus: https://www.walthari.com
 
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14. Juni 2017

 
Angelsächsische Götterdämmerung
Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer
 
Rund dreihundert Jahre standen Europa und die Welt. mal mehr, mal weniger, unter der Vorherrschaft Großbritanniens. Als Kolonialreich hielt es Portugal, Spanien, Frankreich und an deren Mächte in Schach, als europäische Macht besiegte es Napoleon (zusammen mit Preußen u.a.), half das  Bismarckreich zu demontieren (mit dem Ersten Weltkrieg) und war an der Niederwerfung des Faschismus (in Italien, Deutschland und Österreich) maßgeblich beteiligt. Früh hatten die Briten begriffen, daß man die Mächtigen im eigenen Land (König und Adel) stutzen, die politische Herrschaft demokratisieren und bei Außenaktionen für mächtige Koalitionen sorgen muß. Dem ehemaligen geografischen Kolonialismus folgte ein sprachlicher Kolonialismus (die englische Sprache) und im Verbund mit den USA ein Netzkolonialismus. Deutschland blieb niedergehalten, und neue Konkurrenten (Rußland, China und Indien) gefährdeten bisher nicht die angelsächsische Weltdominanz, die ab dem frühen 20. Jahrhundert von den USA angeführt wurde.
 
Dieser politische und kulturelle Überbau gerät gegenwärtig aus Gründen ins Wanken, die von der ansonsten so weltgewandten angelsächsischen Vernunft falsch eingeschätzt werden. England war lange Zeit stolz auf seine multikulturell durchsetzte Gesellschaft im Nachgang der Kolonialzeit. Nun zeigt sich, daß diese Sozioformation ein idealer Nährboden für religionsideologischen Terror ist, der in seinen Ausmaßen (über dreitausend Gefährder im muslimischen Milieu als Speerspitze) polizeitechnisch und rechtspraktisch nicht mehr beherrschbar ist. Die Elite des Landes war und ist mit narzißtischen Selbstbespiegelungen und ›korrekten‹ Postmodernismen so sehr beschäftigt, daß sie zentrale Versorgungsbereiche (Infrastruktur, Gesundheitswesen, Berufsbildung u.a.) vernachlässigt(e). Sie wurde bei  der  letzten Wahl (am 8. Juni 2017) so sehr abgestraft, daß das politische System erschüttert wurde. Große Gruppen fühlen sich politisch (Brexit) oder sozial abgehängt und spalten das Land. In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele allgegenwärtige Überwachungskameras (gerechnet pro Kopf). es droht eine Abspaltung (Schottland), so daß das einst ruhmreiche Großbritannien bald auf ein Kleinbritannien schrumpfen könnte. Die Schwächung der englischen Ordnungsmacht wäre besonders für die westliche Welt ein Drama, wie es die britische Historikerin Edith Hall im Falle Altgriechenlands nostalgisch beschrieben hat (vgl. die Rezension in diesem Walthari-Portal).
 
Auch der angelsächsische Stabilisator USA erweist sich weit weniger fest verankert, als bisher angenommen. Nicht erst seit der Trump-Regierung ist das Land tief gespalten, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Die Netzdominanz vermittelt den falschen Eindruck, als wären die USA in den meisten anderen Bereichen ebenfalls führend. Das ist nur beim Militär, in Teilen der Wissenschaft, im Finanzwesen, in der Weltraumforschung  und in wenigen anderen Bereichen der Fall. Bei der Infrastruktur, bei den Sozialstandards (Gesundheitsversicherung u.a.) und bei der Integration von ›Globalisierungsverlierern‹ liegen die USA weit unter mitteleuropäischem Niveau. Die Wahl Trumps zum US-Präsidenten deckte vernachlässigte Seiten schockartig auf und hat das multikulturelle Land tiefer erschüttert, als es nach außen erkennbar ist. Wenn sich der Präsident und ein Geheimdienstchef (die USA unterhalten über ein Dutzend Geheimdienste; kein Rechner weltweit ist vor ihnen sicher) gegenseitig der Lüge bezichtigen und Trump glaubt, über Kurznachrichten und Provokationen das Land regieren zu können, dann brechen Standards samt politischer Vernunft weg. Es wird aber nicht bei einer bloßen Episode bleiben, auch nachdem die übermächtigen Medien Trump zur Strecke gebracht und wohl auch die Gerichte den US-Präsidenten entmachtet haben werden. Die Zerfleischung  kommt nicht aus heiterem Himmel wie ein zerstörerischer Meteor aus dem All. Der zerrüttete Zustand erinnert an die Endphase des römischen Reiches, als Roms Herrschaft nur noch eine Karikatur im Vergleich zur imperialen Einheitsidee in den Jahrhunderten zuvor waren.
 
Es wird eine lange angelsächsische Götterdämmerung. Rußland und Indien können aus vielen Gründen die Lücke nicht ausfüllen, China überschätzt seine robuste Mentalität und auch seinen spezifischen  kulturellen Hintergrund. Und Europa? Ach Gott, Europa! Seine Junckereien und Merkeleien, die vielen Rundum-Tricksereien um die besten Saugplätze an deutschen Eutern, sein Subventions- und Sozialwahn einschließlich seiner Korruptionsanfälligkeit, vor allem aber sein illusorischer moralischer und rechtlicher Universalismusdrang und die desaströse EU-Architektur (die Eurowährung, der EZB-Karnevals mit verdeckter Staatsfinanzierung und Sparerausbeutung) machen den Alten Kontinent untauglich, eine globale Befriedungs- und Koordinationsrolle zu übernehmen. Europazentristen pflegen dennoch Weltmachtträume und verspielen schon mental die wunderbaren, häufig singulären Schätze Alt-Europas, wo Aufklärung, Demokratie, die Menschenrechte, Wissenschaften und die Zähmung der Religion das Licht der Welt erblickten, also nicht in Indien, China, Rußland oder Afrika – es geschah in Alt-Europa, das in der Geschichte mehrfach muslimische Überwältigungen abzuwehren verstand – ohne die Angelsachsen. Sie wähnten sich jeweils weit vom Schuß und Terror und ließen selbstvergessen sog. bunte Gesellschaften herauswachsen als Vorbilder für alle Welt. Nun scheppert es in den Binnenräumen, wo böse und geschmeidige Geister ihre Karriere machen.
© Walthari®  Aus: https://www.walthari.com
 
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21. April 2017
Krachend ins Multikulti-Desaster
 
Welch ein beschämendes Schauspiel, das die Prediger einer multikulturellen, ach so aufgeklärten und friedlichen Gesellschaft in diesen Tagen abgeben: Nahezu zwei Drittel der  hierzulande zur Wahl gegangenen Deutsch-Türken stimmten der antidemokratischen Verfassungsreform in der Türkei zu! Obschon sie in der Demokratie Deutschland seit Jahr und Tag leben und alle Vorteile des Rechts- und Wohlfahrtsstaates genießen, identifizieren sie sich nicht mit der deutschen Gesellschaft. Sie leben weitgehend in örtlichen, mentalen und medialen Parallelgesellschaften. Neuntausend Deutsch-Türken jubelten auch schon mal in Oberhausen  der Einführung der Todesstrafe zu, neuerdings wieder in der Türkei, als Erdogan  im gleichen Sinne ein Wahlversprechen abgab. Wie ertappte Kulturdiebe müssen sich jetzt die Multikulti-Enthusiasten fragen lassen, warum es mit der Integration auch nach Jahrzehnten nicht klappt. Schmählich ihre Ausreden, noch schmählicher die geradezu dreiste Forderung von deutschen Wirtschaftsführern, das Land brauche dringend mehr Einwanderer. Wo doch nur wenige Flüchtlinge nach 2015 in den Arbeitsmarkt fanden, meist in ungelernte Jobs! Auch die Integration von muslimischen Einwanderern in den Niederlanden und in Frankreich ist krachend gescheitert. Die Multikulturalität sei verlogen, hört man nun plötzlich von reumütigen Nach-Denkern, sie spalte die Gesellschaften und gefährde die Demokratien. So ist es seit zwei Jahrzehnten im Walthari-Portal zu lesen. So mancher Oberbürgermeister hierzulande will seine Stadt nicht mehr kennen. Glatt verlogen, weil lange schöngeredet, statt in die Problemviertel zu gehen. Billige Maskerade. Merkel nach wie vor für amtswürdig zu halten, obschon sie einen langen Flüchtlingsschweif nach sich zieht und Dutzende massive Politikfehler begangen hat, darunter die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft als Massengut, ist geradezu abenteuerlich. Ein junger Erdogan-Anhänger in Amsterdam: Man bereite gerade „die nächste Machtergreifung vor“ (NZZ v. 3. April 2017, S. 19). Dazu die politische Geschichte der Fünften Kolonnen: Sie waren oft siegentscheidend.
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com

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3. Januar 2017

Unausrottbare Großillusionen trotz unlösbarer Weltprobleme
Teil 18:
Rückblick auf 2016 und Ausblick auf 2017

 
Großillusionen ziehen Menschen ohne kritischen Verstand magisch an. Die Erfinder der Hochspinnereien verpacken ihre Ideen professionell sehr geschickt. Um von der Faktenschwäche abzulenken, verpacken sie ihre Machwerke emotional im Stil des Merkel-Spruchs ›Ihr müßt mir helfen‹, dann stehe uns (?) eine große Zukunft bevor. Die seit der Antike erprobte Masche ist weit entfernt von der Charaktersignatur, die man bei Heraklit nachlesen kann: »Trockene Seele – die klügste und vollkommenste.« Weltweit wimmelt es nur so von Großillusionen baulicher, religiöser, politisch-ideologischer und auch wissenschaftlicher Art. Sie werden trotz aller von Anfang an erkennbaren Fehlkonstruktionen hartnäckig ins Werk gesetzt und auch dann noch trotzig verteidigt, wenn die Mängel unwiderlegbar erkennbar sind. Die fehlkonstruierte EU und das noch unsäglicher fehlkonstruierte Eurosystem sind nur die augenfälligsten Beispiele. Daß den deutschen Sparern, Versicherungen usw. jährlich rd. einhundert Milliarden Zinsen entgehen (durch die Nullzinspolitik der EZB;  das eingelagerte Barvermögen beträgt 2,1 Billionen Euro, dazu 2,05 Billionen bei Lebensversicherungen und betrieblichen Altersversorgungen; bei nur 2,5 Prozent Verzinsung ergibt sich ein Jahresbetrag von über 100 Mrd. Euro),  wird von der Politik gar nicht und von den sog. Leitmedien nur versteckt thematisiert. Zum endlosen Staunen ein paar weitere Beispiele:

Bauliche Großprojekte sind regelmäßig ein Kostenhorror. Die Kostenplanung der Elbtunnelsanierung wurde um 364 Prozent überschritten, der Stuttgarter Bahnhof bisher um 227 Prozent, die Hamburger Elbphilharmonie um 146 Prozent, der Berliner Flughafen um bisher 132 Prozent und die Berliner BND-Zentrale um 78 Prozent. Golfstaaten protzen mit Wolkenkratzern von 300 bis 500 (!) Meter Höhe und halten diesen Wahn für eine Menschheitsbeglückung.

Ein finanzpolitischer Größenwahn angelsächsischer Prägung sucht seit zwei Jahrzehnten die westliche Welt heim und ist gerade dabei, die EU zu sprengen. In Japan war er schon erfolgreich: Die Staatsverschuldung dort stieg innerhalb von 60 Prozent (1980) der Wirtschaftsleistung auf derzeit 250 Prozent. Ich vereinfache hier, wofür ich in Vorlesungen zwei Termine benötige. Der kynesianische Steuerungswahn, der sich mit Nobelpreisen für Ökonomie schmückt, glaubt mit billiger Geldpolitik die Wirtschaft auf Wachstumspfaden halten zu können. Die einflußreiche Ohr(en)bläserei hat die Politik (sie ist weitgehend ökonomisch ungebildet) und die EZB (ein Ausbund von Überheblichkeit) dazu ermächtigt, den Zins (ein unverzichtbares Steuerungsmittel) außer Kraft zu setzen und die unvermeidlichen Folgen den Bürgern aufzuhalsen. Eine der Folgen: Zombi-Banken und marode Volkswirtschaften werden mit Schleudermilliarden gerettet, anstatt sie Realitätstests auszusetzen, die sie zur Wettbewerbsfähigkeit zwingen. Die Bürgerverachtung geht soweit, daß man das Bargeld abschaffen möchte, um die Geldflut und die Bürger kontrollieren zu können. Wie dreist man agiert, wird erst so richtig deutlich, wenn den Bürgern erklärt würde, daß kontinentaleuropäische Steuerungsinstrumente gut erprobt vorliegen, die man zugunsten des angelsächsischen Finanzkapitalismus negiert.

Politische Großillusionen kommen in Segensparolen zuhauf daher. Merkels abenteuerliche Energiewende und die noch abenteuerlichere Flüchtlingspolitik öffnen erst allmählich den Normalbürgern die Augen. Die Bundeskanzlerin hat den Terror ins Land geholt und verteidigte unbelehrbar ihre Großillusion erneut in ihrer Weihnachtsansprache 2016. Vermutlich haben Millionen Zuschauer verärgert weggeschaut vor so viel Zumutung. Und dennoch will Merkel  Deutschland auch weiterhin »dienen«. Großillusionär ist auch die Absicht der Altparteien, quasi ein ›Wahrheitsministerium‹ einzurichten, um die aufmüpfigen sozialen Medien unter Kontrolle zu bringen. In islamischen Diktaturen existieren solche Wahrheitsprüfstellen. Um den Coup zu rechtfertigen, schiebt man den Kampf gegen Falschmeldungen und Hetze vor – als ob es in Politik und Medien beides nicht gäbe!
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com
 





 7. Dezember 2016

Populismus von ganz oben
Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer  
 
Ein wahrer medialer und politischer Verbalhagel geht seit Wochen auf das Volk nieder, um ihm das Nachdenken auszutreiben. Der Verfassungssouverän, das Volk, muckt nämlich mehr und mehr auf und mißtraut erkennbar den Medien, den Altparteien (darunter auch Grüne und Linke) und Regierungen, was die allseits und allerorten herrschende und bevormundende Klasse nicht weiter hinnehmen will. Also fand man sich trotz eingefleischter Gegnerschaft zusammen, warf die Propagandamaschinen an, und schon hagelt es Tag und Nacht aus allen Rohren unter dem Motto (Rechts-)Populismus und postfaktische Gesinnung auf das Volk nieder. Der Verbalterror beschallt den gesamten öffentlichen Raum und schüchtert das duckgewohnte Bürgertum ein, denn niemand will sich im Nachhof der Nazis verortet sehen. Der Verbalterror geht mittlerweile so weit, daß im Nachrichtenteil der Sendemedien und der Presse (also nicht nur im Kommentarteil) von „rechtspopulistischen Strömungen“ in den USA und in weiten Teilen der Welt die Rede ist. Auch Parteiensprecher ergehen sich in Wählerbeschimpfungen. Populismus ist so zum Brandzeichen für auszustoßende Bürger geworden. Um den politischen Ausschluß perfekt zu machen, bezichtigt man die Populisten der postfaktischen Gesinnung, d.h. der Phantasterei jenseits der Fakten. Ob Staatsspitzen, Regierungen, Parlamente oder sog. Qualitätsmedien, sie alle beteiligen sich an der Kanonade und Teilung des Wahlvolkes in Demokraten und verwilderte Phantasten.
 
Politikpragmatisch betreibt man ein perfides Spiel, denn…
Was aber noch wichtiger ist: Die wahren Populisten im Sinne von Volksverführer agieren ganz oben! Ihr Geschäft verstehen sie geschickt hinter den Masken von Biedermännern und Biederfrauen zu verstecken. Belege?
(1) Was sonst als übler Populismus ist die Rentenpolitik der Bundesregierung? Damit hofft man, zwanzig Millionen Wählerstimmen einkaufen zu können.

(9) Was sonst als übelster Populismus ist die Bildungspolitik, die nach OECD-Rezept das Abitur entwertet und damit die wohlstandstragende Betriebslehre zur Restnummer gemacht hat?
Das alte Spiel: Die raffiniertesten Spieler und Spielerinnen agieren ganz oben, sind Meister und Meisterinnen im
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer, ausgenommen die Originalzitate. Aus: www.walthari.com
 



  
In diesem Walthari-Portal wird seit über einem Jahrzehnt vor der Vernachlässigung der militärischen Abschreckung zugunsten der Auf­blähung des Sozialstaates gewarnt. Mit der Ukrainekrise folgt derzeit das böse Erwachen. Wiederum eine hohe Zeit für Wendehälse. Schnell ein paar Reparaturen im lärmenden Ablenkungsmanöver. Ansonsten will man es nicht gewesen sein.
   
18. März 2003  
Krieg: Vater vieler Dinge und Mutter aller Verrohungen
Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer
 
Der Schrecken ist groß, die Folgen bleiben unkalkulierbar. Zwei Drittel der USA-Amerikaner befürworten den Einmarsch der Rumpf-Alliierten in den Irak und nehmen damit die weltweite Kakophonie und Schlimmeres inkauf. Es hat den Anschein, daß Recht und Unrecht, Gut und Böse eindeutig auszumachen seien und daß über den Krieg als historische Wiederkehrerscheinung und fatumhaftes Evolutionsphänomen nicht (mehr) rational diskutiert werden kann: Krieg wird als das absolut Böse eingestuft, das zu verhindern alle Mittel recht seien – also auch Verhinderungskriege? Friede wird als das höchste zivilisatorische Gut ausgegeben und zum radikal zu ›verteidigenden‹ (!) Gegenzustand des Krieges erklärt.
Angesichts der gesteigerten Aufgeregtheiten und verhärteten Selbstgewißheiten ist es schwer, die Fakten- und Maßstabsverwirrungen zu entknäueln, ohne in falschen Verdacht zu geraten.  Zunächst ist festzuhalten, daß nicht der Friede, sondern die Freiheit das höchst Gut humaner Kulturen ist. Aus bedrohter Freiheit hat das hochzivilisierte antike Athen mehrere Kriege geführt, an denen sich auch der weise Sokrates beteiligt hat. Der Maßstab für kriegerische Handlungen im freiheitswahrenden Sinne ist relativ gefestigt: Sind die Folgen eines Nichtkrieges freiheitsvernichtender als die Folgen eines Krieges und haben alle anderen Abwehrmittel versagt, ist Gewaltanwendung legitimiert, und zwar jenseits aller (friedens-)moralischen Abwägungen.
Radikale Pazifisten leben von der Hoffnung, daß Friede ansteckend wirke und letztlich auch den blutrünstigsten Diktator befrieden könne. Die Geschichte liefert dafür kaum Beweise. Bellum-Iustum-Pazifisten  (darunter der heutige Papst, unter dessen Vorgängern durchaus Kriegsherren zu finden sind) setzen alles auf das überzeugende Gespräch und auf rationale Kontinuität. Auch dafür sind in der mehrtausendjährigen Menschheitsgeschichte nicht allzu viele Beispiele zu verzeichnen. Welcher Despot von diabolischem Format hätte je auf das friedensstiftende Wort gehört? Aber nicht allein Despoten, auch monomythische Ideologien, Herrschaftsansprüche und aufgepeitschter Volksfanatismus haben sich selten eines Guten belehren lassen. Im Jahre 1476 metzelten verarmte eidgenössische Bauern in der Schlacht bei Murten ihre burgundischen Besatzer nieder und sicherten sich dadurch Freiheit und künftigen Wohlstand. Hätten sie, um des Friedens willen, in Armut und Unfreiheit weiterleben sollen? Der kolonial-imperialistischen Arroganz Frankreichs fielen bei Dien Bien Phu tausende Franzosen und Fremdenlegionäre (darunter auch Deutsche) zum Opfer. Weder das politische Paris noch die kämpfenden Offiziere haben sich von guten Argumenten umstimmen lassen, im Gegenteil, die mitfanatisierten Soldaten hißten selbst dann keine weißen Fahnen, als ihre Lage aussichtslos geworden war. Die Kraft des Wortes und der friedensverlockenden Argumente ist also in bestimmten Verhärtungslagen schwach, wenn nicht sogar wirkungslos.
 
Das berühmte 53. Fragment bei Heraklit lautet: »Der Krieg ist der Vater aller Dinge.« Gewiß nicht »aller Dinge«, aber doch der Zeugwart vieler Dinge, aber zugleich die Rachemutter aller Verrohungen, die dem menschlichen Gehirn entspringen. Ein Blick auf die Evolutionsgeschichte des Menschen und seiner Kultur lehrt, daß Kriege – wenigstens bis auf den heutigen Tag: an mehreren Dutzend Orten der Welt wird Krieg geführt - leider zum Webmuster konfrontativen Verhaltens gehören. Die meisten der großen Umbrüche der Geschichte gehen auf Kriege zurück, man denke beispielsweise an die Jahre 1260, 1453, 1789 und 1945. Daß der welthistorische Bruch von 1989 (friedliche Wiedervereinigung Deutschlands) ohne Krieg vonstatten ging, ist eine der handvoll Ausnahmen unter aberhundert Gegenbeweisen. Die Conditio humana und ihr Produkt, die gesellschaftlich-staatlichen Formationen, entfalten sich  nicht aggressionsfrei. Verbale Befriedungsstrategien sind meist erfolglos, wie Geschichte und Gegenwart eindrucksvoll belegen.
 
Was folgt daraus? Resignation? Nein. Aufbau eines Drohpotenzials, um gegnerische Kriegslust zu zügeln? Die strategische Ansicht, daß ein wirkungsvolles Mittel, Kriege zu verhindern, die Vorbereitung einer Kriegsabwehr sei, ist nicht die schlechteste Lehre aus der Geschichte. Ist sie doch friedenserhaltender und freiheitssichernder als alle Spielarten des Pazifismus’. Napoleon hat die zersplitterten deutschen Länder überfallen, weil er sie als schwach einschätzte.
Aber was tragen diese Einsichten zum Verstehen oder gar Abwehr der gegenwärtigen Kriegslage bei? Vieles, denn hinter Bushs Aggressionslust und Missionseifer steht eine militärische Weltmacht ohne Widerpart. Es ist dabei fast nebensächlich, ob die USA sich bedroht fühlen  oder ob das Ansehen der UNO auf dem Spiel steht oder das Völkerrecht ›eigenmächtig‹ interpretiert wird. Frankreich und seine Meinungssatelliten setzten auf die Kraft des Wortes (Diplomatie und Recht) und erlebten dessen Ohnmacht, wie so oft in der Geschichte. Die angelsächsische Kriegsleidenschaft, den Deutschen als Bombenterror bis kurz vor Kriegsende 1945 wohlvertraut (vgl. den WALTHRARI-Artikel ›Winston Churchill war ein Kriegsverbrecher‹), wäre nur durch die Furcht vor einer gleichstarken Militärmacht zu zügeln.
 
Angesichts der heutigen Faktenlage bleiben auch die Motive Bushs und Blairs sekundär. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob ›das Öl‹, der 11. September 2001 oder eine verspätete Rache für 1990/91 oder die Erprobung neuer Waffentechniken ihre Antriebskräfte sind. Bei erdrückender Überlegenheit findet der Aggressionstrieb leichterhand auslösende Momente. Kaum jemand nimmt es den USA ab, daß sie sich durch den irakischen Despoten bedroht fühlen. Wie steht es aber um die Bedrohung der westlichen Demokratien durch den unvorstellbar großen Haß und durch den gewaltbereiten Fanatismus in der islamischen Welt? Daß ein Irakkrieg eine solche Bedrohung erst geschaffen habe, kann niemand ernsthaft behaupten. Daß der Krieg Gewaltausbrüche und Terror begünstige, ist wahrscheinlich, aber kein nachhaltiges Argument: Denn wie der Aggressionstrieb der angelsächsischen Vormächte (übrigens nicht allein auf militärischer Ebene; man denke an deren Sprach- und Finanzimperialismus) sich seine Motive und Gelegenheiten sucht, so auch früher oder später das Haßpotenzial in der islamischen Welt. Wenn nicht beim Irakkrieg, dann würde sich irgendwann die ›islamische Frustration‹ gewaltsam entladen. So gesehen, kann sich auch die aktuelle Konfrontation der List der Geschichte nicht entziehen: Bush & Co. benehmen sich zweifellos wie verwilderte ›Globalisierer‹, doch könnten die Ereignisse den Pazifisten und wortgläubigen Wehrlosen eine züchtigende Lehre sein, ganz zu schweigen von den Langzeitwirkungen auf Despoten und Fanatiker in aller Welt, die durch den Krieg daran erinnert werden, daß sie vor den Launen des Stärkeren nie sicher sein können.  Für den ohnmächtigen Zuschauer des blutigen Spektakels bleibt der Trostsatz Fr. Schillers  im ›Wallenstein‹ (›Die Piccolomini‹, 1. Akt, 4. Aufzug):  »Im Krieg selber ist das Letzte nicht der Krieg.«
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30. Januar 2012

Es herrscht Krieg in Europa

Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer 

»Es herrscht Krieg in Europa, freilich kein militärischer, wohl aber ein Währungs- und Mentalitätskrieg.« So stand es jüngst in diesem WALTHARI-Portal. Und weiter: »Die Eurozone versinkt immer mehr ins Chaos, ihre Länder sind nicht einfach zerstritten, vielmehr kämpfen sie teilweise ums Überleben! Da erscheint fast jedes Mittel erlaubt, vom fortlaufenden Rechtsbruch bis  zur ungenierten Ausbeutung und fiskalischer Niederwerfung ganzer Staaten. Die sog. politische Elite zieht einen ganzen Kontinent mit jedem Rettungsgipfel tiefer in den Sumpf, lächelnd, weil systemgeschützt. Wann in der Geschichte konnten sich Herrscher so etwas folgenlos erlauben?«

Mit dem Euro-Abenteuer hat sich Deutschland in Europa viele Länder zu Feinden gemacht. Wer daran zweifelt, lese die z. T. haßerfüllten Presseberichte im Ausland und schaue ins Internet. Aus dem Sumpf, in den die sog. politische Elite Deutschlands geführt hat, steigen übel riechende Vorurteilsblasen buchstäblich aus den letzten Jahrhunderten auf. Das Geschrei der Einsinkenden: Die Deutschen allein seien an dem Schlamassel schuld.

Dabei ist es gerade umgekehrt: Die Euro-Krise hat schonungslos die unverantwortlichen Staatsverschuldungen aufgedeckt und lenkt die Wut der Bürger geschickt auf die bösen Deutschen. Werden wir künftig nicht mehr ohne Risiko nach Griechenland, Frankreich, Italien, Spanien und Portugal reisen können? Wird man unsere Autos beschädigen und uns überall anmachen?

Als ich 1952 mit zwei Mitschülern von Speyer nach Paris radelte, erwartete uns eine ähnlich ungute Atmosphäre. Der (deutsche) Wirt an der Seine riet uns, daß wir uns als Schweizer ausgeben. Die Concierge konnte aber leicht von unseren Lederhosen (an andere Fahrradkleider war  in diesen Notjahren der Nachkriegszeit nicht zu denken) auf unsere wahre Herkunft schließen und beschimpfte uns täglich ohne Anlaß als boches. Wir huschten jedesmal beklemmt an ihrer Kabine vorbei und erhielten so eine lebenswichtige Lektion: Deutsche, auch wenn ihnen nichts angelastet werden kann, müssen mit schrägen Nachbarblicken und Schlimmerem (wie derzeit in Euro-Raum) leben. Das ist unser Schicksal in der Mitte Europas. Schon bei geringen Anlässen wird die Nazi-Keule geschwungen, in manchen Zeiten genügt schon das bloße Deutschsein. 

Untaten, die von Deutschland ausgingen, haben die Mentalitätsräume ringsum tief geprägt und offenbar dauerhaft vergiftet. Selbst die uns so nahen Österreicher haben es geschafft, Hitler als urdeutschen Teufel erscheinen zu lassen, obschon sie ihrem Landsmann beim ›Anschluß‹ begeistert zujubelten. Die Untaten im deutschen Namen scheinen die Dauerfunktion für Erpressungen einzunehmen, um von eigenem Versagen abzulenken. 

Nach Griechenland führt sich nun auch Italien lauthals so auf. Deutsch-französische Freundschaft? Alfred Großer, ein intimer Kenner der beiden Nachbarn, urteilte dieser Tage: Auch nach sechzig Jahren Freundschaftspflege mögen sich beide Völker immer noch nicht. Wobei hinzuzufügen ist, daß die Vorbehalte in Frankreich weit größer sind als in Deutschland. Zwischen Völkern kann es zwar keine Freundschaft geben, sie bleibt der zwischenmenschlichen Nähe vorbehalten. Wohl aber ist im nationalen Miteinander Toleranz und nachsichtige Wertschätzungen einzufordern, die beide in Europa gegenwärtig abhanden gekommen sind. Stattdessen sind veritable Mentalitäts- und Finanzkriege an mehreren Fronten ausgebrochen, die nicht mehr schönzureden sind. In einer großen italienischen Zeitung war am letzten Wochenende zu lesen: »Die Deutschen sind heute noch (!) immer arrogant und gefährlich (!)… Die Kanonen donnern nicht mehr, aber die Waffe (!) der Währung ist nicht weniger gefährlich.« Das ist purer Mentalitätskrieg, ausgerufen von Ländern, die auf deutsche Kosten ihren Schlendrian fortsetzen wollen. Sollte Bundeskanzlerin Merkel bei der heutigen Konferenz in Brüssel einknicken, könnte es bald auch hierzulande…
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Es besteht dringender Anlaß, darauf hinzuweisen, daß ungenehmigte Übernahmen von WALTHARI-Texten in Presseorganen, Internetportalen u. ä. juristisch verfolgt werden. Privater Textgebrauch ist erlaubt.  


15. September 2010 

Europa als Lebensform
Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer

So lautet die Überschrift eines ganzseitigen Beitrags von Kollegen Hans Ulrich Gumbrecht in der NZZ Nr. 124/2010, Seite 28. Ein brisanter Text. Der Literaturprofessor an der Stanford Universität geht der Frage nach, wie »das Selbstverständnis Europas« in der »krisengeschüttelten Gegenwart« geprägt wurde. Voran stellt er die These, »daß die Europäische Union jener politische, soziale und kulturelle Raum geworden ist, in dem die Sozialdemokratie, so wie sie nach 1950 als Konzept Gestalt angenommen hatte, Wirklichkeit geworden ist.« Sozialdemokratie i.w.S. hat also »langfristig ungeahnte Konsens-Potentiale« entwickelt: mit dem klassisch sozialistischen Ziel der Gerechtigkeit (aus dem revolutionären Gleichheitspostulat), mit der Forderung der Volkssouveränität und Gewaltenteilung sowie einer kontrollierten kapitalistischen Praxis. Diese Sozialdemokratie sei für die EU über alle Länder und Parteien hinweg normativ geworden. Sie bestimmt in der Tat die unseligen Transferströme wie auch die Wertvorstellungen der maßgeblichen Intellektuellen in Politik, Justiz und in den Medien. Daraus ergebe sich, so Gumbrecht, ein »Mehrheitskonsensus zugunsten des paternalistischen Staates«.

Der Literaturprofessor verweist auf die schwerwiegenden Folgen. 

  1. Die EU-Ideologie führe »zu einer Verwechselung ihrer eigenen Normen und Institutionen mit dem anthropologisch ›einzig Richtigen‹«, d.h. alternative Konzepte werden als unwertig ausgeschieden. 
  2. Ein weiterer  Effekt liege im De-facto-Pazifismus als »Mehrheitsposition ihrer Gesellschaften«. 
  3. Der Schutz von Minderheiten habe »einen veritablen Status« erreicht, im Klartext: Minderheiten werden gehätschelt (Beispiel: alleinerziehende Mütter).
  4. Universitäten verlören ihren Elitestatus. 
  5. Individuelle Freiheit und Selbstentfaltung seien zum »höchsten Gut geworden«, woraus sich die Kinderdistanz vieler junger Frauen erklärt. Nur dreiunddreißig Prozent der Westdeutschen bejahen die Frage, ob man »Kinder braucht, um ein erfülltes Leben zu haben. 
  6. Am gravierendsten ist wohl die »Erosion jener Differenzierung auf engstem Raum, welche Europa einmal zum Zentrum der Welt gemacht hat«. Die nationalen Kulturen gleichen sich tatsächlich unter dem Dach des Sozialismus einander an und verlieren ihren produktiven Reiz. Ein Musterfall dafür ist der Bologna-Prozeß, welcher Universitäten auf niedrigem Niveau zu standardisieren sucht. 
Die Schweiz, gibt Gumbrecht zu verstehen, solle sich aus alledem heraushalten. Die EU erscheint ihm offenbar als sozialdemokratische Superinstitution mit kulturen-nivelierendem Ehrgeiz. Was Sarrazin für Deutschland zugespitzt formulierte, wird in der NZZ in weicherem Stil vorgetragen. Im Unterschied zu Sarrazin hat Gumbrecht keine öffentliche Steinigung zu befürchten. Das liegt an der Kulturdifferenz, die…
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 9. April 2007

Verlorene Kohorten: Neonazis, Alt-SEDler u.a.
Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer 

Noch immer hält die Schockwelle an. Sie nimmt im gegenwärtigen französischen Wahlkampf sogar zu. Eine Studie des ›Institut national de la statistique et des études économique‹ hat im Jahre 2001 skandalöse Befunde vorgelegt. Das Institut hat amtlich verkündet, daß in Frankreich 86.500 Clochards (inzwischen auf etwa 100.000 gestiegen) ihr ärmliches Dasein am Rande der Gesellschaft fristen. Allein in Paris leben (geschätzte) 20.000 Stadtstreiche, deren Biographien fast alle die gleichen Merkmale aufweisen: suchtgeschädigt, fehlende Hygiene, Fehl- und Unterernährung mit der Folge einer stark geschädigten Gesundheit, geringe medizinische Versorgung, soziale ausgestoßen, aus gestörten Familien kommend, aggressive und kriminelle Neigungen. Diese Typenbeschreibung konnte man schon in Patrick Henrys Dissertation aus dem Jahre 1984 nachlesen. Bestätigt wird sie durch die neue Publikation von Patrick Declerck ›Les naufrages‹ (die Gestrandeten), ein 400-seitiger Erfahrungsbericht, in welchem der Autor die Ergebnisse seiner Begegnungen aus 15 Betreuungsjahren festhält. Mit seiner schonungslosen Kampfschrift verstärkte der Autor die Schockwelle: Jede ›Clochardisation‹ sei unumkehrbar. Declerck hält es für eine sozialromantische Utopie und für reine Mittelverschwendung, die Gestrandeten in ein normales Leben zurückführen zu wollen. »Unter den Tausenden von Menschen, die ich sowohl als Psychotherapeut als auch als Arzt empfangen habe, kenne ich kein einziges Beispiel von Wiedereingliederung, wenn man darunter die Entwicklung eines Subjekts versteht, das von einer schweren und chronischen Desozialisierung zu einem dauerhaft autonomen sozioökonomischen Funktionieren fände. Kurz: Subjekte, die vom Clochard zum Menschen wie du und ich werden, gibt es nicht.« 

Das ist ein tödlicher Schlag gegen die geläufige, sich allmächtig wähnende Machbarkeitsideologie des politischen und gesellschaftlichen Zeitgeistes, der alles für heilbar hält. Der sozialutopische Impetus macht blind in Fällen, wo jede Aufklärung, Hilfe und Erziehung ins Leere läuft.

Das trifft auch für einen großen Teil der Neonazis zu. Wer trotz der eindeutigen Verbrechenslage, die auf das Konto des Nationalsozialismus geht, dieser menschenverachtenden Ideologie auch nur die geringste Sympathie entgegenbringt, darf als unbelehrbar und demokratieverloren gelten. Die Nazi-Verheerungen sind nicht allein historisch leicht zu erkunden, sie wirken bis in unsere Zeit nach (man denke nur an die anhaltenden Entschädigungs- und Restitutionsklagen oder an die unüberwundene Scheu des Grundgesetzes vor direkter Demokratie). Sie sind also leichterhand auch aktuell erkennbar. Das braune Milieu, wie es nicht nur in Deutschland anzutreffen ist, zeigt sich dennoch aufklärungsresistent und gewaltbereit. Das geht aus Verfassungsschutzberichten seit Jahren hervor. Allein in Sachsen sind 3.230 Rechtsextreme registriert, die in Netzwerken gut organisiert sind und sich mit Musik, Lagerromantik usw. bei ideologischer Laune halten. Die demokratische ›Sanierungsquote‹ ist erkennbar gering, wenn nicht gar null, sonst würde die Anhängerschaft schrumpfen. So differenziert auch die rechtsextreme Szene zu betrachten ist (vgl. A. Klärner u. M. Kohlstruck [Hrsg.]: ›Moderner Rechtsextremismus in Deutschland‹, 2006), ihre mentalitätstypisch gleichen Merkmale sind: ideologische Verhärtung und Aufklärungswiderständigkeit, gepaart mit emotionalen Brutalitäten. Kein Gegenargument zählt, mag es auch noch so belegbar sein.

Zu den verlorenen Kohorten zählen auch Alt-SEDler. Auffälligerweise bleibt diese gesellschaftliche Gruppe wissenschaftlich und auch in den Medien unterbelichtet. Das erstaunt wenig, wenn man in Rechnung stellt, daß das linksextreme Milieu generell mit mehr Nachsicht, ja zuweilen mit Verständnis rechnen kann als die rechtsextreme Szene. Einem Stalinpreisträger Bertold Brecht z.B., immerhin der Verfasser hymnischer Stalinverehrungen (»... allen, die für den Weltfrieden kämpfen, muß der Herzschlag gestockt haben, als sie hörten, Stalin ist tot. Er war die Verkörperung ihrer Hoffnungen.«), läßt man die Beweihräucherung eines der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte durchgehen, während man Ernst Jünger stark angebräunt zu sehen beliebt. Die DDR-Altkommunisten trauern ihren ehemaligen Machtpositionen (vom Grenzwächter bis zum Kulturfunktionär) nach und sind für freiheitlich-demokratische Gesinnungen nicht zu gewinnen. Das drückt sich u.a. in den Wahlergebnissen der neuen Länder aus.

Eine besonders auffällige Gruppe der ›Verlorenen‹ stellen islamische Fundamentalisten dar. Dazu rechnen nicht nur Selbstmordattentäter und ihre Hintermänner. Koranische Haßprediger, die ›den Westen‹ verteufeln, haben immer auch dessen freiheitliche Demokratien im Visier, deren Versuchungen sie fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Denn demokratischen Ordnungen sind mit religiösen Gewaltmonopolen unvereinbar. Nach Angaben deutscher Innenminister leben im islamischen Milieu rd. 30.000 Gewaltbereite, die immun sind gegenüber Aufklärung, Erziehung und demokratischen Spielregeln. 

Verlorene Kohorten werden gesellschaftlich und politisch unentwegt thematisiert, freilich nicht immer im faktengerechten nüchternen Verständnis, sondern häufig in einem paradoxen Doppelsinne: als Störenfriede und Feinde einerseits sowie als Projektion durchaus für resozialisierbar und umerziehbar gehaltene Gesellschaftsgruppen andererseits. Im politischen Spiel ist diese Doppelsicht ein willkommenes Movens (in der Wahlwerbung, Mittelbewilligung usw.). Ein sachgerechter Umgang wird erst möglich sein, wenn...
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Erich Dauenhauer


Zeitmanagement 
für Entscheider

Wege zur persönlichen
Zeitsouveränität
 
 

3. Auflage
1999
 
 
 

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Aus dem Inhalt
  • Erster Zugang zur persönlichen Zeitsouveränität: den eigenen mentalen Schutt wegräumen
  • Zweiter Zugang zur persönlichen Zeitsouveränität: Zeitfallen erkennen
  • Lebensphilosophischer Zugang zum Zeitwohlstand
  • Das Netzwerk des Zeitmanagements
  • Sortier- und Plazierungsregeln
  • Fokustechniken
  • Planungstechniken
  • Gesprächs-, Besprechungs- und Konferenztechniken
  • Abschirmtechniken
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69 Seiten, flexibler Einband
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