Walthari
 
 

Fachbeiträge



 
1. Oktober  2012
 
Heis Demos – Heis Theos
Über einen Grundcode gelebter Humanität
 
Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer
 
Der Konvertit Erik Peterson hat in seinem grundlegenden und dennoch viel zu wenig beachteten Werk ›Heis Theos‹ (ausführlich besprochen in diesem Walthari-Portal)  die antike  Akklamationsformel Heis Theos auch in einem politischen und rechtlichen Kontext gesehen. Gelebte Humanität ist auf Nähe, Transparenz und Zustimmung angewiesen, wofür die griechischen Polis-Strukturen und die Stadtkulturen in der Renaissance geradezu Idealfälle waren. Je anonymer und damit undurchschaubarer gesellschaftlich-politische Formationen organisiert sind, um so größer die Gefahr, daß Humanität nicht gelebt werden kann. Nähe und Transparenz rechnete Claude Lévy-Strauß zu den anthropologischen Konstanten. In den Kapiteln 17 bis 23 meiner Buchveröffentlichung ›Aktive Bürgergesellschaft in einem gebändigten Staat‹ (2007) habe ich grundweisende Umsetzungskonzepte dazu vorgestellt, ohne daß ich damals die Peterson-Veröffentlichung kannte.
 
Mit Ausnahme Luxemburgs, der Schweiz und anderer Kleinstaaten entsprechen die gegebenen politischen Strukturen nicht den anthropologischen Konstanten, im Gegenteil: Vor allem in der Europäischen Union herrscht die Tendenz zur großstaatlichen Überwölbung und damit der Bürgerentmündigung. Kaum einer der 500 Millionen EU-Bürger hat persönlichen Kontakt zu einem Brüssel-Beamten oder EU-Parlamentarier. Das Großsystem bleibt anonym, unübersichtlich, oktroianfällig, weil entfernt vom Bürgersouverän.
 
Die dramatische Lage zeigt sich erst, wenn die dritte anthropologische Konstante ins Spiel kommt: Heis Demos – Heis Theos…
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