Walthari
 
 

Sektion Kultur- und Kunstökonomie

 

 
Alle Buchtitel können zum Direktpreis bezogen werden über:
Walthari-Verlag, Fritz-Claus-Str. 23, 66981 Münchweiler oder 
 Fax: 063959109306  oder
E-Mail-Adresse in E-Mail-Programm manuell eingeben
Achtung! E-Mail-Adresse müssen Sie manuell in Ihr E-Mail-Programm eingeben!er


 
Beruf – Wirtschaft – Humankapital

Heft 15 der Schriftenreihe

 
 
 

KULTUR- UND 
KUNSTÖKONOMIE I

- Grundlegung des Forschungsprogrammes - 
 
 

Herausgegeben von
Universitätsprofessor Dr. Erich Dauenhauer
 
 
 
 

Landau 1992

 
 

Beruf – Wirtschaft – Humankapital



Heft 17  der Schriftenreihe

 
 
 

KULTUR- UND 
KUNSTÖKONOMIE II
 

Kosten-Nutzen-Analyse / Opportunitätskosten /
Wirtschaftlicher Universalismus und literarische Toleranzutopien / Empirische Daten 
 

Herausgegeben von
Universitätsprofessor Dr. Erich Dauenhauer
 
 

Landau 1993

Vergriffen
     

71 Seiten (Bd. I), 63 Seiten (Bd. II)  flexibler Einband


 

 
Leseprobe

Der kultur- und kunstökonomische Forschungsansatz

»Von der Wortverbindung ›Kultur- und Kunstökonomie‹ (KKÖ) geht bereits begrifflich ein vielfältiger Fragereiz aus: Worin unterscheiden sich Kultur und Kunst? Signalisiert die Wortkette KKÖ nicht schon rein terminologisch, daß in einem der letzten Reservate menschlicher Entfaltungsfreiheit – und hier besonders in der Kunst - die Geldzähler und Kostenrechner ihre Herrschaft antreten und damit allen kreativen Geist vertreiben? 
Wer es unternimmt, die ökonomischen Grundlagen der Kultur und Kunst (KK) zu untersuchen, muß sich schon bei der Ankündigung seines Vorhabens auf solche Fragen, ja auf Widerspruch und sogar auf geharnischten Protest von KK-Esoterikern gefaßt machen. Schon im Vorhof zum Großlabyrinth, das im Namen der KK erbaut wurde, tummeln sich ideologische Spezialisten, die an ihren bunten Ariadnefäden zupfen: 
- Nur in sog. Hochkulturen sei die ökonomische Basis für Welt-KK gegeben (Renaissance-Theorem).
- Arme Künstler seien die produktiveren Künstler (Armer-Poet-Theorem).
- Mit Subventionen treibe man die Kunst ins Mittelmaß oder gar in den Ruin (Abventions-Theorem).
- KK dürften nicht dem Markt ausgeliefert werden (Anti-Markt-Theorem).
- Einzig die Freischaffenden stellten die wahre Welt der KK dar (Risiko-Theorem).
- Ohne Mäzenatentum verkümmerten KK (Maecenas-Theorem).
- KK-Entfaltungen dürften finanziell nicht ›ausgebremst‹ werden (Frei-Kasse-Theorem).
- Der Staat habe die ›existentielle Grundversorgung‹ von KK zu übernehmen (Meritorik-Theorem), u.v.a.

An diesen und den unzähligen anderen Ariadnefäden, deren Anfänge im Vorhof zum KK-Labyrinth feilgeboten werden, wird zumindest eines deutlich: Das Verhältnis von KK zur Ökonomie ist höchst problematisch, d.h. voller Widersprüche; die Einstellungsskala reicht von totaler Ablehnung (ökonomischer Maßstäbe im KK-Betrieb) bis zur rigorosen Beutenahme-Mentalität. Hingegen kann das Verhältnis der Ökonomen - einschließlich ihrer Theoretiker - zur KK als weit weniger problembeladen angesehen werden. Im schlechtesten Fall trifft man auf Interesselosigkeit. Offene Feindschaft oder latente Ablehnungen sind selten, ideologische Verkrampfungen gar nicht anzutreffen. So selbstverständlich es ist, daß ›die Wirtschaft‹ den KK-Betrieb fördert (als Mäzen, Sammler usw.), so selbstverständlich gehört es zum guten Ton vieler KK-Schaffenden und KK-Theoretiker, sich abschätzig über die Ökonomie zu äußern. So haben wir es mit einem geistesgeschichtlichen Fall von unglücklicher Liebe zu tun.
Die Schieflage trübt allerdings nicht den eingeschworenen Sinn der Ökonomie für nüchterne Analysen. Mag auch ihre Liebe zum KK-Betrieb nicht erwidert werden; mag das Getümmel schon im Vorhof zum KK-Labyrinth noch so groß sein: die wissenschaftliche Neugier auf den verwinkelten Bau wird schon allein durch die Magie der großen Zahlen geweckt: 2003  erhielten beispielsweise die Stadt- und Staatstheater in Deutschland über zwei Milliarden Euro Subventionen. Gleichzeitig wurden diese reichsten Subventionstheater der Welt von ihren Betriebsleitern (Intendanten) einmütig zu ineffektiven Betriebseinheiten erklärt. Deutschland verfügt unter allen Ländern über die dichteste Museumslandschaft und über die von Staats wegen bestdotierte dazu; dennoch will die Debatte über die Museumskrise nicht verstummen. Der Ökonom wittert hinter solchen Brandfällen - genannt seien hier nur zwei unter Dutzenden - auch Sündenfälle wider das Gebot effizienter Ressourcenverwendung. Wenn die Rauchzeichen über dem labyrinthischen Großbau  - mit schätzungsweise 400.000 Betriebsangehörigen im Kernbereich - sich verdichten, darf auf größere Brandherde geschlossen werden, die neben künstlerischen, kulturpolitischen und tarifrechtlichen Verwerfungen auch wirtschaftliche Fehlallokationen zur Ursache haben. 

Eine ökonomische Betrachtung der KK-Bereiche darf jedoch nicht als reine oder auch nur dominante ›Fehleranalyse‹ mißdeutet werden. Es geht, allgemein gesprochen, um Effizienzmessungen und kriteriengeleitete Ist-Soll-Vergleiche bei der Verwendung der stets knappen Ressourcen. Trotz aller kreativen Freiheiten muß sich der KK-Betrieb der Frage stellen, ob er mit seinen wirtschaftlichen Mitteln, darunter auch Gelder aus öffentlichen Kassen, zieleffizient hauszuhalten versteht.«
Aus: Dauenhauer, E.: Kultur- und Kunstökonomie, Heft I, S. 7 f.
© WALTHARI® – Aus: www.walthari.com