Walthari
 
 
 

Sektion Berufs- und Berufsbildungspolitik


 

Alle Buchtitel können zum Direktpreis bezogen werden über:
Walthari-Verlag, Fritz-Claus-Str. 23, 66981 Münchweiler oder
Fax: 063959109306 oder
E-Mail-Adresse in E-Mail-Programm manuell eingeben
Achtung! E-Mail-Adresse müssen Sie manuell in Ihr E-Mail-Programm eingeben!er


 

Erich Dauenhauer

Berufsbildungspolitik
 
   

4. Auflage

 
 
 
 
 

WALTHARI

 
Aus dem Inhalt
  • Berufsbildungspolitik als Teil der Bildungs- und Allgemeinpolitik
  • Das Qualifikationsproblem
  • Das Abstimmungsproblem
  • Die bildungsökonomischen Rahmendaten
  • Der Rechtsrahmen
  • Das Rahmenwerk als System der Politik beruflicher Bildung
  • Schulsysteme zur beruflichen Bildung
  • Betriebsysteme zur beruflichen Bildung
  • Überbetriebliche Ausbildungsstätten
  • Der »heimliche« vierte Lernort in der Berufsbildung
     

384 Seiten  / Direktpreis: 25,- Euro zzgl. Versandkosten

Link zur Leseprobe:aus Kapitel  Brenn-Punkte 


Nachlese 1  

                                     

Zum Lesen bitte anklicken.



30. Oktober 2013

 Nachlese 2

GEORG K. SCHMELZLE

Dipl. Sozialwirt, OStR.i.R., D 26506 NORDEN / Ostfriesland

 

Vortrag bei dem Johann-Heermann-Kreis der ev. Schlesischen Lehrer aus Ost und West,

45.Pädagogen-Tagung in Springe/Deister, Martin-Luther Haus am 8.Oktober 2013

Thema: Ist der Soziologe Prof. Helmut Schelsky (1912-1984) noch aktuell?

Der führende deutsche Nachkriegsoziologe beschäftigt sich m.E. mit dem zweitwichtigsten Problem unserer Gesellschaft mit der Verschulung der Jugend durch Bildungsneid. Das drängenste Problem ist die demographische Katastrophe, die schon Hochkulturen wie Rom und Griechenland zerstörte: Kinderarmut der tüchtigen Familien und vor allem die Ablehnung genetischer Unterschiede der Begabung  wegen des Glaubens an die Allmacht der Pädagogik Thilo Sarrazin hat das in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ vorsichtig angedeutet.

Aber auch die Pädagogik wird von dem Gesetz des abnehmenden Nutzenertrages beherrscht ‒ d.h. jedes Schuljahr bringt bei einer für die Bildungsinhalte nicht passenden Begabung kleinere Bildungserfolge – zuletzt schlägt die Verschulung ins Gegenteil um.

Junge, praktisch begabte Jugendliche, die mit 16 Jahren schulmüde sind, werden total arbeitsunfähig, wenn sie die Ausbildung ihrer praktischen Fähigkeiten durch Verschulung altersmäßig vor der Volljährigkeit verpassen. Dabei gibt es viele Beispiele, daß nach einer frühen praktischen, dualen Lehre das Interesse an theoretischem Wissen wieder zunimmt. Die vielen Karrieren nach 1945 auf dem sog. „Zweiten Bildungsweg“ sind Zeugnis dafür.

Heute aber wird vielen dieser Aufstieg verstellt durch das Überangebot von Studierten ohne Praxiserfahrung, die sich die Posten sicher wollen. Deshalb streben noch mehr nach dem Abitur und dem Studium, auch wenn es nur durch Nachhilfe zu erwerben ist.

Nun zu Helmut Schelsky, der das Problem schon 1975 provokativ beim Namen nannte und sich dadurch den Haß der Soziologen der „Frankfurter Schule“ zuzog. Sein Buch „Die Arbeit tun die anderen – wider die Priesterherrschaft der Intellektuellen und Funktionäre“ war eine Hilferuf gegen die Verschulung, die mit der „Bildungskatastrophe“ von Prof. Georg Picht 1967 einsetzte, der meinte, wir müssten wie in den USA 8o% Abiturienten ausbilden. Dabei vergaß er, daß das „High-School-Certificate“ nicht einmal der Mittleren Reife entsprach.

Schelsky verlor den Streit mit der „Frankfurter Schule“ und zog sich als Rektor der Reformuniversität Bielefeld wieder nach Münster zurück und starb verbittert bereits 1984 mit 72 Jahren. Die Verschulung in der Bundesrepublik konnte nicht mehr gestoppt werden, die von der „Frankfurter Schule“ und Prof. René König(Köln) vertreten wurde.

Schelsky, der mit seinen Nachkriegswerken, besonders mit der „Skeptischen Generation“, große Anerkennung gewonnen hatte, fand keinen Nachfolger, der seine Warnungen weiter verbreiterte. Er wäre zu seinem 100. Geburtstag 2012 fast vergessen worden, wenn nicht der Soziologe Dr. Volker Kempf ein Buch mit dem Titel „Helmut Schelsky – Leben, Werk, Aktualität“ mit einem Nachwort von Prof. Jost Bauch herausgebracht hätte. (Volker Kempf war bis 2012 Geschäftsführer der „Herbert Gruhl-Gesellschaft“ – der erste GRÜNE, der sich in seiner Partei, der CDU, leider mit seinem Naturschutz (Buch: „Ein Planet wird geplündert“) nicht durchsetzen konnte).

Nur noch die Tageszeitung DIE WELT wagte es noch, gegen die nicht begabungsgerechte Verschulung Stellung zu nehmen. Ich erwähne da Prof. Helmut Schoeck „Der Neid . eine Theorie der Gesellschaft“ und Prof. Peter Petersen, der eine Seite in der Berufswelt mit der Überschrift versah: „Wenn schon die Tankwarte den Doktorhut tragen“ (15.12.1984).

Seitdem ist es hoffnungslos geworden, dem Streben nach dem „Abitur für alle“ zu widersprechen. Wenn ich mit meinen Gedanken für eine „begabungsgerechte Ausbildung“ bei vielen Kollegen, Rektoren und Funktionären von Organisationen und Parteien im Gespräch immer Zustimmung finde, werden meine Bedenken öffentlich nicht wiederholt. Niemand will sich mit der „Bildungsmaffia“ anlegen, die „Abitur für alle“ verspricht. Selbst bei der Eingliederung von Migranten läßt man erst das Abitur nicht den Lehrabschluß gelten.

Dabei wird verdrängt, daß der rohstoffarme Wirtschaftsstandort Deutschland nur durch den Facharbeiter, Werkmeister und Fachingenieur erfolgreich werden konnte. Von aller Welt darum beneidet, ruinieren wir unser dreigliedriges Schulsystem und die duale Berufsausbildung, die uns eine Jugendarbeitslosigkeit – wie in anderen Industriestaaten -erspart hat. Die Einführung des neuen Studienabschlusses „Bachelor“ erleichtert das Studium für die oft nicht studienreifen, schwachen Abiturienten. Viele streben dann nach dem studienverlängernden „Master“ ,um als Akademiker anerkannt zu werden.

Copyight: G. K. Schmelzle


Nachlese 3
30. November 2010

Zur deutschen Berufsbildungsrealität 
unter der Perspektive der europäischen Berufsbildungspolitik

Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer 
1. Thesen
2. Berufsbildungsrelevante Texte der Europäischen Union
3. Zur Problematik der Hinführung und des Übergangs von Jugendlichen in das Duale System
4. Rückbesinnung auf realistische Konzepte

1. Thesen
These 1: Die berufsbildungsrelevanten Texte der Europäischen Union sind in Teilen unrealistisch und widersprüchlich. Sie dienen deshalb nur in Grenzen der Synthese zwischen dem gewachsenen deutschen Berufsbildungssystem und einer EU-Integration.

These 2: Unter der Einwirkung der europäischen Berufsbildungspolitik verliert das deutsche Duale System gegenüber dem Studiensystem (Universität, Fachhochschule u.a.) immer mehr an Bedeutung.

These 3:
Dadurch entgehen dem Dualen System mehr und mehr Begabungs- und Qualifikationspotenziale.


These 4:
Die Unterfütterung des Dualen Systems mit Jugendlichen aus dem Migrantenmilieu ist unbefriedigend, in großen Teilen sogar als weitgehend gescheitert zu bezeichnen.


These 5:
Unter den Hauptakteuren zur Steuerung und Beratung des Berufsbildungssystems weiß sich die einschlägige Wissenschaft (Berufs- und Wirtschaftspädagogik) kein öffentliches und einflußreiches Gehör zu verschaffen (im Vergleich zu den Wirtschaftswissenschaften im Aktionsfeld der Wirtschaftspolitik).  ...

© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com


25. April 2014
 
Nachlese 4
 
Man reibt sich wieder einmal die Augen: Der Wissenschaftsrat (WR), seit Jahrzehnten der ›Vatikan‹ im Empfehlungsgestrüpp universitärer Dauerreformen, trat aus seiner traditionellen Rolle und rief die Abiturienten Deutschlands dazu auf, statt eines Hochschulstudiums öfter eine Betriebslehre zu wählen, die gleichwertig sei. Um nicht sein Gesicht zu verlieren, setzt der WR eine Maske auf: Mit der Lehre könne man mehr Interesse für ein Studium wecken! Das gelte sogar für Studienabbrecher! Die Katze im Sack deutet der Hinweis des WR den Fachkräftemangel an. Was der WR sonst noch berufsbildungspolitisch in seiner Empfehlung von sich gibt, zeugt von herausgehobener Unkenntnis.

© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com






Erich Dauenhauer

Berufspolitik
 
 
 

7. Auflage
2002
 
 
 
 
 

WALTHARI

 
 
Aus dem Inhalt
  • Merkmale nachmoderner Beruflichkeit
  • Kapitel: Faktoren der Berufswahl in der Nachmoderne
  • Wandlungen des Berufsbegriffs
  • Berufsbilder und Berufsgruppenbilder
  • Berufsklassifikationen
  • Zur Berufswelt in der Vorgeschichte und Antike
  • Zur Berufswelt im Mittelalter
  • Zur Berufswelt in der frühen und mittleren Neuzeit
  • Zur Berufswelt in der Nachmoderne
  • Recht und Verrechtlichung des Berufs
  • Aspekte beruflicher Sozialität
  • Zur Berufspolitik der Verbände und Parteien
  • Zur Berufspolitik des Staates

  •  

247 Seiten  / Direktpreis: 23,- Euro zzgl. Versandkosten

Link zur Leseprobe: aus Kapitel 1:  Nachmoderne Beruflichkeit
 




Erich Dauenhauer

Arbeitslehre

Vom Ende einer 
Bildungs- und 
Wissenschaftsidee
 
 

3. Auflage
1997
 
 
 

WALTHARI

     
    Aus dem Inhalt
  • Ansprüche der Bildungspolitik
  • Ansprüche der Praxis
  • Ansprüche der Wissenschaft
  • Länderbeispiel Rheinland-Pfalz
  • Arbeitslehre-Gutachten
  • Transformationen
  • Empirische Verfehlung
  • Sachstrukturen
  • Bildungsstrukturen
  • Schulische Lehrplanstrukturen
  • Wissenschafts- und Studiengangsstrukturen
     

182 Seiten, felxibler Einband  / Direktpreis: 15,- Euro zzgl. Versandkosten

Link zur Leseprobe :aus Kapitel 3:  Ansprüche der Wissenschaft
 

Leseproben

BWH 14  Berufspolitik

Merkmal 18: Orientierungsdiffusität
Mit Ausnahme des Marktkriteriums (Gewinn für das Unternehmen, Einkommen für die Betriebsangehörigen) gibt es kaum zuverlässige Orientierungsmaßstäbe für nachmodernes Berufshandeln. Lohnen sich Überstunden oder Fortbildung in der Freizeit? Bringt der neue technische Fortschritt auch einen sozialen oder ökologischen Nutzen? Wie lautet die Kosten-Ertrags-Bilanz neuer Arbeitsorganisationen? Soll man die technisch mögliche Individualisierung begrüßen oder ihr entgegensteuern? Lohnt sich die Übernahme von mehr Verantwortung oder zahlt sich die Strategie der Risikominderung langfristig besser aus? Im Kampf der Meinungen und Strategien zwischen den Sozialpartnern, Politikern und Experten fühlt sich der Einzelne zunehmend orientierungslos. Eine lange berufliche Ausbildung oder eine aufwendige Fortbildung muß sich im postmodernen Lebensentwurf durchaus nicht immer auszahlen; beide Investitionen können als Verlust von Lebensqualität bzw. -zeit gewertet werden. Höheres Einkommen aufgrund gestiegenen Lern- und Arbeitseinsatzes geraten in Konkurrenz zum entgangenen Freizeitnutzen. Für die nachmoderne Beruflichkeit gibt es kaum allgemein akzeptierte normative Maßstäbe.

Copyright by WALTHARI®
 

BWH 19 Berufsbildungspolitik

Verschulungsthese. Ein historisch durchgängiger Trend in der beruflichen Bildung ist diezunehmende Umsattelung betrieblich-praktischen Lernens auf »schulischen« Qualifikationserwerb. Das zeigt sich nicht nur an dem gewachsenen Gewicht der beruflichen Schulen (einschließlich des zweiten Berufsschultages), sondern auch an der Institutionalisierung überbetrieblicher Lernorte und an den gestiegenen innerbetrieblichen Schulungsanteilen. Ohne Zweifel verlangen die erhöhten Theorieanforderungen in den Ausbildungsordnungen und die Verwissenschaftlichung der Berufswelt ein vermehrtes stoffsystematisches Lernen, weil Theoriegehalte leichter in »schulischen«, produktionsabgekoppelten Zonen als an Arbeitsplätzen erworben werden können. Doch Erfahrungs- und Strukturqualifikationen (vgl. Strukturkonzept) sind »schulischen« Lernzonen nur unzureichend oder gar nicht zugänglich, auch wenn sie multi-medial und simulativ angelegt sind. Das jeweils neu auszutarierende Gleichgewicht zwischen »schulischem« und arbeitsplatzverbundenem Lernen wird ideologisch und lehrpragmatisch immer wieder erschwert: Was die marxistische Gesellschaftslehre nicht hat durchhalten können, nämlich die Wegverlagerung der beruflichen Bildung von den »ausbeutungs-kapitalistischen Unternehmen« (da diese nicht nur berufssachlich ausbilden, sondern auch eine emanzipationsfeindliche Gesinnungserziehung ausüben würden), wird vielfach durch Bequemlichkeitspraktiken am Leben erhalten. Qualifizieren an Arbeitsplätzen ist zeit- und kostenaufwendiger als »schulisches« Lernen, daher weicht man auch innerbetrieblich häufig auf Lehrgangslernen aus, mißachtet dabei das für berufliches Lernen so zentrale Prinzip der Arbeitsplatzintegration und verfehlt damit in großen Teilen die berufliche Verwertbarkeit. Seit den 80er Jahren findet die V. auch an Hochschulen ihr bildungspolitisches Exerzierfeld. »Der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen, daß die zuständigen Landesregierungen mit einer Flut von Regelungen die Verschulung von Studium und Lehre in den Universitäten, die Behinderung freier und kreativer Forschung und die Bürokratisierung der akademischen Selbstverwaltung betreiben - vorgeblich mit der Behauptung, ihnen mehr Autonomie einzuräumen. In Wahrheit werden die Universitäten fortschreitend von einer kollegial verfaßten, insbesondere wissenschaftlicher Erkenntnis dienenden Körperschaft in eine hierarchisch-bürokratisch organisierte Ausbildungseinrichtung verwandelt. Eine solche Entwicklung ist nicht zu rechtferigen, auch nicht mit überfüllten Hochschulen oder überlangen Studienzeiten. Wir erkennen in diesen Gesetzen und Verordnungen die Tendenz, aus dem Rahmenrecht und damit aus der Wissenschaftsgemeinschaft auszubrechen. Dies wird dem Wissenschaftsstandort Deutschland im allgemeinen und den Universitäten im besonderen großen Schaden zufügen. Mit guten Gründen war deshalb ein Teil der neuen Gesetze und Verordnungen Anlaß zu einer Verfassungsklage... Wir widersprechen daher der Meinung, daß die Verschulung der Lehrinhalte, die Begrenzung von Studienvolumina, Leistungsnachweisen und Teilprüfungen auf ein hinsichtlich des gesetzlich vorgegebenen Studienziels nicht mehr vertretbares Minimum, die geforderte Kongruenz von Lehrinhalten und Prüfungsanordnungen oder gar die Einführung von Sanktionen dazu führen werden, die Verweildauer der Studierenden an den Universitäten zu verkürzen« (Fakultätentage: Fehlregulierung durch staatliche Eingriffe, in: Forschung & Lehre, Heft 12/1995, S. 690).                Copyright by WALTHARI®


Rezensions-Stimmen

 
»…zum erstenmal hat hier ein Wissenschaftler ein Werk vorgelegt, das mit Akribie und Engagement die vorhandenen Daten aufbereitet und so für eine verläßliche Grundlage bei weiteren Diskussionen sorgt…«
Die Welt
   
»Das vorliegende Werk ermöglicht eine gezielte Übersicht über den Stand der … Berufsbildungspolitik und eröffnet aufgrund des umfangreichen Schrifttums die Möglichkeit der Vertiefung. Dieses um klare Darstellung bemühte Werk besticht durch die Leistung der übersichtlichen Strukturierung komplexer berufsbildungspolitischer Zusammenhänge…, so daß es durchaus verspricht, ein Standardwerk… zu werden…«
Internationale Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Unesco-Institut für Pädagogik, Hamburg.


BWH 2  Arbeitslehre

Sekundäre und diffuse Wissenschaftsinstallation
Es kennzeichnet die Lage der Arbeitslehre, daß ihr erst nach einer öffentlichkeitsbreiten Konstituierung (DA, 1964) ein Wissenschaftsauftrag bildungspolitisch verordnet wurde und daß ihre hochschulische Fundierung zur Aufgabe nicht einer Fachwissenschaft, sondern mehrerer Disziplinen (Wirtschaftswissenschaft, Techniklehre, Hauswirtschaft, Politikwissenschaft, Soziologie u.a.) erklärt wurde. Die inhaltlich und begrifflich diffuse Fachlage an den Schulen (vgl. die unterschiedlichen Fächerbezeichnungen mit noch unterschiedlicherem Stellenwert im Fächerkanon) findet ihr entsprechendes Spiegelbild an den Hochschulen, wo die wissenschaftliche Beheimatung gänzlich ungeklärt ist (Zuordnungen der Professuren teilweise zu den naturwissenschaftlichen, teilweise zu den sozialwissenschaftlichen Fachbereichen). Worin liegt solche Diffusität begründet?

Arbeitslehre als multidisziplinäre Hochschulaufgabe (vgl. Kapitel 11) ist ein reines Retortengeschöpf der Bildungspolitik. Ihr Wissenschaftsprofil wurde - wie ihr Schulprofil - primär nach den Bedürfnissen der Bildungspolitik geschaffen, ohne daß dabei auf den gewachsenen Kanon der Wissenschaften besondere Rücksicht genommen wurde. Wenn Hochschulen vor der Aufgabe stehen, eine neue Disziplin in ihre Fächersystematik einzuordnen, achten sie sorgfältig auf eine sachadäquate Anbindung. Im Falle der Arbeitslehre wurde reformeuphorisch ein schillerndes Gebilde geschaffen, das schon rein durch Bezeichnungsvielfalt zu Mißdeutungen führt und in der Sache quer zum traditionellen Wissenschaftskanon liegt.
Dem faktischen Organisationsoktroi liegt eine bestimmte Sachvorstellung der Bildungspolitik zugrunde. Deren Rationalität verlangt geraffte Aspektbündelungen, um möglichst viele Zeitbedürfnisse in einem Schul- und Hochschulfach unterzubringen. Ähnlich wie bei Lernbereich Geschichte-Sozialkunde-Erdkunde soll in der Arbeitslehre ein breites Spektrum lebensweltlicher Anliegen bildungspraktisch in ein Sammelfach gepackt werden. Nach bürokratischer Bedarfslogik wird ein Fach konstruiert, das seiner diffusen Gesamtinhaltlichkeit irgendwie Herr werden muß: Arbeit, Beruf, Haushalt, Unternehmen, Gesamtwirtschaft, Technik, Ernährungslehre, Physik, Politik können im bildungspolitischen Wechselrahmen als fachprägende Aspekte gelten. Auf diese Weise ist ein Arbeitslehre-Lehrer schulisch mehrverwendungsfähig. Solche bildungsökonomische Rationalität auf die Hochschulebene übertragen (wenn auch in gemilderter Form), hat zwangsläufig forschungsentkoppelte Lehrprofessuren zur Folge.
Auf diesem Hintergrund wird verständlich, woran Arbeitslehre als Wissenschaftsaufgabe krankt: Als sekundär instrumentierte Hochschuldisziplin kann sie nicht in den Prozeß autonomer Identitätssuche eintreten und sich frei auf den wissenschaftlich möglichen Gegenstand einpendeln; daran hindern sie bildungspolitische Vorgaben, die über mangelnde Forschungsausstattung bis zur dienstherrnhoheitlichen Inhaltsvorgabe des konkret-funktionalen Professorenamtes reichen können. Weil die Arbeitslogik von Wissenschaft nicht folgenlos einer bildungspolitischen Reglementierung unterworfen werden kann, hat das Grundgesetz (Art. 5 Abs. 3) die Wissenschaftsfreiheit zum uneinschränkbaren Grundrecht erklärt.

Copyright by WALTHARI®