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29. April 2012
Synthetische Biologie und der Roman
Stimmen im Labyrinth
Von Erich Dauenhauer

Meist hinkt die Literatur den Realitäten hinterher. Geschildert werden dann in Romanen, wie es einmal war. Balzac, Fontane und Thomas Mann stehen für Hundertschaften von Schriftstellern, die im Rückblick ihre ästhetischen Nester bauten. Der Leser kann sich darin sozialkritisch oder einfach nostalgisch wärmen.

Riskanter und meist gar nicht wärmend sind Romane, die den Blick in die Zukunft wagen. Riskant, weil sie von künftigen Ereignissen gnadenlos widerlegt werden können. Im günstigen Fall teilen sie das Schicksal des Vergessens, ansonsten steht der Autor blamiert da (Autorinnen wagen sich kaum an Zukunftsromane). Wärmen kann man sich an prognostischer Literatur deshalb selten, weil der Leser zu vieles mental und emotional umsortieren muß. Nestbauten trifft man auf diesem Feld nicht an. 
Mit der poetischen Collage (Untertitel) ›Stimmen im Labyrinth‹ habe ich einen solchen literarischen Blick in die Zukunft gewagt. Seither blicke ich gespannt auf die neuesten Forschungsergebnisse derjenigen Wissenschaften, die für Zukunftsszenarien bedeutsam sind. In der Zeitschrift ›Science‹ (Nr. 336/2012, S. 341) konnte man jüngst lesen, daß zwei Entwicklungssprünge gelungen seien: (1) Im Labor gelang es, künstliche Nukleinsäuren mit eigens dafür erzeugten Enzymen in DNA zu übersetzen und (2) aus der so entstandenen DNA weitere künstlichen Nikleinsäuren zu erzeugen. Herkömmliche Bio-Bausteine (Zellen) können somit um künstliche Nukleinsäuren ergänzt werden (Fall 1) und aus deren Nachkommen völlig neue biologische Einheiten (Fall 2). Damit sind die naturhaften Erbmoleküle DNA (Desoxynukleinsäure) und RNA (Ribonukleinsäure) nicht mehr die einzigen Moleküle, die genetische Informationen speichern und weitergeben können! Im neuen Baustein XNA steht X als Platzhalter für sechs Zuckervarianten, darunter TNA: T = Threose. 
Die Sensationsmeldung in ›Science‹ sorgt unter Wissenschaftlern für gehörige Aufregung, war aber in den Plappermedien allenfalls eine Randnotiz wert. Immerhin handelt es sich um den Startschuß für neues, künstliches Leben, wie es die Evolution in Jahrmillionen nicht hervorgebracht hat. 
Aber nicht nur in der Medienszene, auch in der Literaturszene wird der Entwicklungsbruch in der Menschheitsgeschichte kaum wahrgenommen. Was die synthetische Biologie auf ihrem zukünftigen Entwicklungsprogramm hat, ist mit plastischen Schilderungen im Roman ›Stimmen im Labyrinth‹ seit 2010 zu besichtigen, und zwar genau in den beiden oben geschilderten Gestaltvarianten. Homun gehört zur ersten neuen Homokategorie, Technovero zur zweiten. Wie die neue Welt um Althomo
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