Walthari


Archiv zur 
Literaturzeitschrift WALTHARI
Begründet 1984 

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Erich Dauenhauer


 
Je Heft 10,- Euro zzgl. Versandkosten
Bestellung
über:
WALTHARI, Fritz-Claus-Str. 23, 66981 Münchweiler
oder 
E-Mail-Adresse in E-Mail-Programm manuell eingeben
Achtung! E-Mail-Adresse müssen Sie manuell in Ihr E-Mail-Programm eingeben!


Bisher erschienene Hefte:
HEFT   1/1984: Literatur als Tribunal, vergriffen
HEFT   2/1984: Smarty. Erzählung aus den Grauzonen, vergriffen
HEFT   3/1985: UNGARN. Östlicher Waltharius, vergriffen
HEFT   4/1985: Weltmuseum. Sprachspiele zwischen 
                          Tradition und Postmoderne, vergriffen
HEFT   5/1986: Literatur der Pfalz und der Pfälzer, Teil I, vergriffen
HEFT   6/1986: Medienlust. Ironische Literatur, vergriffen
HEFT   7/1987: BURGUND - Bourgogne (zweisprachig)
HEFT   8/1987: Literatur der Pfalz und der Pfälzer,Teil II, vergriffen
HEFT   9/1988: BRASILIEN - Magil, vergriffen
HEFT 10/1988: Wortwohnungen, vergriffen
HEFT 11/1989: Zwischen Haß, Armut und
                          Friedensbekundung, vergriffen
HEFT 12/1989: PERU. Trauer um Inti, vergriffen
HEFT 13/1990: Wende-Zeit zwischen Elbe und Oder, vergriffen
HEFT 14/1990: West-östliche Niederauffahrt
HEFT 15/1991: Weltübelglück, vergriffen
HEFT 16/1991: GeWörTel
HEFT 17/1992: MEXIKO, vergriffen
HEFT 18/1992: Alles Theater, vergriffen
HEFT 19/1993: Weisheitsliteratur, vergriffen
HEFT 20/1993: Lachen und Weinen, vergriffen
HEFT 21/1994: Wirtschaft - Sprache - Literatur
HEFT 22/1994: CHINA. Reisebilder aus dem 
                          Reich der Mitte, vergriffen
HEFT 23/1995: Literaturkritik, vergriffen
HEFT 24/1995: Erdichtete Natur
HEFT 25/1996: INDIEN
HEFT 26/1996: Lesen
HEFT 27/1997: MECKLENBURG-VORPOMMERN
HEFT 28/1997: Literatur als Zeitgeist-Avantgarde
HEFT 29/1998: Capriccio-Literatur
HEFT 30/1998: Fausts verwandelte Wiederkehr
HEFT 31/1999: Nachmoderner Exitus, vergriffen
HEFT 32/1999: Feiges Bürgertum
HEFT 33/2000: Neue Mytho-Logien?
HEFT 34/2000: Erzähltes Ich - Erzählendes Sein
HEFT 35/2001: Poetische Transformationen
HEFT 36/2001: Aura und Metapher
HEFT 37/2002: Der Autor und sein Fell
HEFT 38/2002: Stadtmythos
HEFT 39/2003: Schamvolle Erhabenheit
HEFT 40/2003: Nichtendes Erschaudern
HEFT 41/2004: Erinnern - Vergessen - Ent-Täuschen
HEFT 42/2004: Ästhetik literarischer Empfindungen
HEFT 43/2005: Machtmasken und literarische Komik
HEFT 44/2005: Das Böse als literarische Vorlage
HEFT 45/2006: Leiden aus literarischer Leidenschaft
HEFT 46/2006: Das Weibliche als literarische Provokation
HEFT 47/2007: Das Politische imLiterarischen
HEFT 48/2007: De-Kadenzen
HEFT 49/2008: Literatur und Religion
HEFT 50/2008: Autofiktion - Zur Poetik der Selbsterfindung -
HEFT 51/2009: Literarischer Byzantinismus
HEFT 52/2009: Literatur und Ökonomie
HEFT 53/2010: Überschrei-tungen
HEFT 54/2010: Poetische Labyrinthe
HEFT 55/2011: Ästhetischer Horiontverschleiß
HEFT 56/2011: Im Quantenkosmos. Literatur im Emergenz- und Kontingenzstress
HEFT 57/2012: Literatur des Unsagbaren und Ungesagten
HEFT 58/2012:  Literarische Gestimmtheiten
HEFT 59/2013:  Ästhetik literarischen Nichtwissens
HEFT 60/2013:  Literatur als Überschreitung, Jubiläumsheft
HEFT 61/2014:  Literatur als Widerstand, Neue Folge
HEFT 62/2015:  Literarische Phantastik im neuen Realismus? Neue Folge
HEFT 63/2016:  Das Unbewußte als literarische Agentur. Neue Folge
HEFT 64/2017: Traum und Bricolage. Neue Folge
HEFT 65/2018: Literatur in Digitalistan. Neue Folge
HEFT 66/2019: Literarische Ohn-Macht angesichts.... Neue Folge

Mit Heft 66/2019 wird die Literaturzeitschrift
nach 35 Jahren ununterbrochenen Erscheinens eingestellt.




Heft 65/2018
Neue Folge
 
Literatur in Digitalistan
  
Inhalt
 Zu diesem Heft
Rückblende
poetors wonnelied
Digitalisierung als techno-evolutionärer Überschlag
Entfesselte Zauberlehrlinge4
Zur Rolle der Literatur im digitalen Zeitalter
Werk-Stätten-Gespräch
Kurznachrichten aus Digitalistan
Der verborgene Algorithmus im Roman ›Gerichtsasche‹
Erinnern im Erinnern nach 25 Jahren: Brief an Václav Hável
Universalistische Utopien
Digitalisierte Weltseele?.
Tagbuchnotizen im Jahr der Brände
Buch- und Medienschau
Namensverzeichnis
Stichwortverzeichnis
Digitalisierung als techno-evolutionärer Überschlag
Entfesselte Zauberlehrlinge4
Zur Rolle der Literatur im digitalen Zeitalter
Werk-Stätten-Gespräch
Kurznachrichten aus Digitalistan
Der verborgene Algorithmus im Roman ›Gerichtsasche‹
Erinnern im Erinnern nach 25 Jahren: Brief an Václav Hável
Universalistische Utopien
Digitalisierte Weltseele?.
Tagbuchnotizen im Jahr der Brände
Buch- und Medienschau
Namensverzeichnis
Stichwortverzeichnis




Heft 64/2017
Neue Folge

               

W63

34.  Jg. 
64/2017

  ISSN 0930-0279         www.walthari.com                
      
            INHALT
  • Zu diesem Heft
  • Rückblende
  • Jenseitsproben
  • Traumwissen
  • Zwei Erschütterungen
  • Träumende Literatur
  • Bricolage
  • Stürze – Eine Kurzgeschichte
  • Mikroformate in der Literatur
  • Duft-Magie
  • Vom Ende der Briefkultur
  • Geist und Gehirn
  • Lobreden
  • Idolenkult
  • Langsamkeit und Langeweile
  • Literaturbrief
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Gärungen
  • Buch- und Medienschau
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
  • Hinweise des Herausgebers
  • Impressum

 

 
100  Seiten,   flexibler Einband



Heft 63/2016
Neue Folge

               

W62

33.  Jg. 
63/2016

  ISSN 0930-0279         www.walthari.com                 
      
            INHALT
  • Zu diesem Heft
  • Rückblende
  • Traumatisch
  • Das Unbewußte als literarische Agentur
  • Halbschlaftechniken als Öffnung zur terra incognita
  • Was weiß das wache Bewußtsein über das Unbewußte?
  • Gehirnverwalter
  • Gottfried Benn-Zitat
  • Der Traum als Spielplatz des Unbewußten
  • Über den gezähmten Reisetrieb. Einkehr ins literarische Exil
  • Jean Paul (1763 – 1825)
  • Postmoderne Wirklichkeits- und Transzendenzverweigerung
  • Seelengewiß im Gehäuse der Sprache
  • Im Kreuzverhör
  • … und kamen nach Santo Domingo
  • Die Jahre 1960 bis 1971
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr des Migrationsdruckes
  • Buch- und Medienschau
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
  • Hinweise des Herausgebers
  • Impressum


102  Seiten,  flexibler Einband


Heft 62/2015
Neue Folge

               

W61

32.  Jg. 
62/2015

  ISSN 0930-0279         www.walthari.com                 
      
            INHALT
  • Zu diesem Heft
  • Walthari-Rückblende
  • Übermächtig
  • Traumatische Aufarbeitung
  • Literatur als Einladung ins Phantastische
  • Lukianismus
  • Begegnung mit der Wirklichkeit
  • Vom Romane-, Gedichte- und Stückeschreiben
  • Kleists Novelle ›Der Findling‹ im Vergleich
  • Kriegslied
  • In der Genderei – Ein Satyr zu Besuch ‒
  • Die Jahre 1955 bis 1960
  • Herzbücher
  • Das A in Magil
  • Schelling im Gespräch
  • Tagebuchnotizen
  • Buch- und Medienschau
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
  • Hinweise des Herausgebers
  • Impressum




99  Seiten,, felxibler Einband




Heft 61/2014
Neue Folge




W60


 31.  Jg. 
 61/2014



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
           
            INHALT
  • Zu diesem Heft
  • Walthari-Rückblende
  • Im Orakelblütenreich
  • Wider-Stehen als Urmuster
  • Literatur als Widerstand
  • Kontrapunkt
  • Tsunamische Apokalypse
  • Literaturbrief
  • Tugendrenaissance?
  • Literaturzeitschriften  als Konterbande
  • Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Literaten
  • Die Sprache schlägt Alarm
  • Lexikalische Visionen
  • Die Jahre 1949 bis 1955
  • Tagebuchnotizen
  • Hexagonales Urmuster
  • Buch- und Medienschau
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
  • Hinweise des Herausgebers
  • Impressum



100 Seiten,  flexibler Einband



Heft 60/2013
Jubiläumsheft



W60


 30.  Jg. 
 60/2013



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
           
            INHALT
  • Zu diesem Walthari-Jubiläum
  • Walthari-Rückblende
  • Leitgedicht
  • Überschreiten als evolutionäre und kulturelle
    Grundbewegung
  • Literarische Überschreitungen
  • Bewußtseinsüberschreitende Sprachspiele
  • Managerphrasen
  • Die Idolenmode hat das Heroische aufgezehrt
  • Im Durchstich – Inmitten einer magischen
    Wortprozession
  • Die Jahre 1939 bis 1945. Biografische Notizen
  • Frühe Bilder ‒ Eine Romanouvertüre
  • Erzählertreff mit Novalis
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Metamorphose
  • Buch- und Medienschau
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis



103  Seiten,  flexibler Einband

Heft 59/2013

Waltharie59

 30.  Jg. 
 59/2013


  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
         
            INHALT

  • Zu diesem Heft
  • Walthari-Rückblende
  • Leitgedicht
  • Pragmatik des Nichtwissens
  • Ästhetik literarischen Nichtwissens
  • Literarische ›Helden‹. Mit einem quanten­
  • darwinistischen Blick auf die ikonische
  • Wende (iconic turn)
  • Ein aussterbendes Geschlecht
  • Ein sich erfüllendes Gedicht  
  • Recht und Literatur.  Reflexionen anläß‑
  • lich der Veröffentlichung des Romans
  • ›Gerichtsasche
  • Zur Sprache der Juristen
  • Vierfache Schreibunruhe
  • Ein kultisches Fest mit Gedichten
  • Fortschreibung des Walthari-Projekts
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr
  • der Wissenshybris
  • Die Jahre 1946 und 1947. Erinnerungs‑
  • bilder aus einer späten Kinderzeit
  • Buch- und Medienschau
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis

103  Seiten,  flexibler Einband 



Heft 58/2012



Waltharie58

 29.  Jg. 
 58/2012



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
            INHALT  
  • Walthari-Rückblende
  • Die Dinge singen
  • Gespräch mit einer narrativ verwöhnten Leserin
  • Homuna – aus: Stimmen im Labyrinth
  • Synthetische Biologie und der Roman Stimmen im Labyrinth
  • Sommerbild
  • Gestimmtheiten – Zur Grundlegung eines
    lebensweltlichen und ästhetischen Phänomens ‒
  • Ästhetisch-literarische Schlüsselcodes
  • Gefühlsübersteigerungen
  • Im Technozän
  • ›Ästhetik des Schreckens‹
  • Ma-um: koreanische Gestimmtheiten
  • Halbschlafbilder in der Literatur
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Verstimmtheiten
  • Buch- und Medienschau
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis

100 Seiten,  flexibler Einband 



Heft 57/2012



 29.  Jg. 
 57/2012



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
          INHALT
     
    • Zu diesem Heft
    • WALTHARI-Rückblende
    • Sprachlos
    • Im Grund
    • Das Unsagbare als Provokation
    • Ungesagten und Unsagbaren bei Pindar
    • Das Unsagbare in Philosophie, Physik und Religion
    • Poetische Mitteilungsformen des Ungesagten und Unsagbaren
    • Unsagbares und Ungesagtes in Hölderlins Hyperion
    • Prozessuale Mitteilungsformen des Ungesagten und Unsagbaren 
    • Gefangen im Strich 
    • Triste Kultur- und Kunstbetriebsamkeit
    • Bisher erstelle Verzeichnisse
    • Texte zur Eurokrise
    • Tagebuchnotizen im Halbjahr des Staatstrojaners
    • Rezensionen
    • Namensverzeichnis
    • Stichwortverzeichnis
       

100 Seiten,  flexibler Einband





Heft 56/2011


 28.  Jg. 
 56/2011



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
         Inhalt
     
    • Zu diesem Heft
    • WALTHARI-Rückblende
    • Lebenscode
    • Im Quantenkosmos
    • Auf der Höhe der Un-Zeit
    • Emergenter Zauber
    • Symposion über die Zeit 
    • Kontingente Welten
    • Literatur im Streßtest
    • Aufbruchstimmung 
    • Anthropisches Erwachen
    • Tagebuchnotizen im Halbjahr apokalyptischer Vorreiter
    • Buch- und Medienbesprechungen
    • Namensverzeichnis
    • Stichwortverzeichnis

100 Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 55/2011

 28.  Jg. 
 55/2011



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Inhalt
     
  • Zu diesem Heft
  • WALTHARI-Rückblende
  • Literaturdichter
  • Horizontverschleiß
  • Zum Horizontverständnis
  • Götterdämmerung der künstlerischen Moderne
  • Zwischen Erotik und Sexismus – Ein literarisches 
  • Urmotiv erkrankt an Pädophilie 
  • Verdrängter Vernunftdefätismus – Zur Lebenslüge 
  • des Emanzipationskonzepts 
  • Existentialer Exkurs: Noetische Einsichten
  • Reiseverächter – Über eine produktionsästhetische 
  • Provokation 
  • Homo rapiens
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der platzenden Blasen
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Titel der Tagebuchnotizen in den Heften 21-55
  • Verzeichnis der Tagebuchstichwörter in den Heften 51-55
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis

  •  

101 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 54/2010

 27.  Jg. 
 54/2010



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Inhalt
     
  • Zu diesem Heft
  • WALTHARI-Rückblende
  • Labyrinthe, Labyrinthe
  • Ein Netzritter sucht den Algo-Gral
  • Labyrinthische Selbstauslegungen – Turniergänge der negativen Poesie 
  • Ein fundamentalontologisches Labyrinth als Weg zum Kunstwerk
  • Der Euro wird scheitern – Zur negativen Poesie des Geldes
  • Wahn – Schauspiel in drei Akten 
  • Der Wasgenwald - Walthari-Land und labyrinthisches Symbol 
  • Sprachscherben
  • Kunst als Widerstand zum System
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Ein labyrinthischer Lesedurchgang
  • Früh spätreif
  • Tagebuch im Halbjahr der Irrläufer…
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Stimmen im Labyrinth
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis

  •  

101 Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 53/2010

 27.  Jg. 
 54/2010



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Inhalt
  • Zu diesem Heft
  • WALTHARI-Rückblende
  • Verwandlung IV
  • Archytas und die italischen Barbaren
  • Vom Pathos des Überschreitens
  • Was ist Wirklichkeit? Wie können wir sie erkennen?
  • Wege aus der Wirklichkeit: Begriffe
  • Wege aus der Wirklichkeit: Spielarten
  • Wege in die Wirklichkeit
  • Tachogene Weltfremdheit – ein Furioso
  • Metamorphosen
  • Literarische Überschreitungen
  • WALTHARI-Land Lothringen, zweiter Teil
  • Tagebuch im Halbjahr der Übergänge
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis

  •  

104  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 52/2009

 26.  Jg. 
 52/2009

  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
    Inhalt
     
  • Zu diesem Heft
  • WALTHARI-Rückblende
  • Oikosiade
  • Blauer Schein
  • Geld und Geiz in der Literatur
  • Poetik des ökonomischen Menschen
  • Oikos-Strategien in Zeiten der Globalisierung
  • Zur kulturellen Wende der Ökonomie
  • Idem Semper Vultus
  • WALTHARI-Land Lothringen, Teil 1
  • Tagebuch im Halbjahr der Geldmaschinen
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichni

106 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 51/2009

 26.  Jg. 
 51/2009

  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 

   Aus dem Inhalt
  • Zu diesem Heft
  • WALTHARI-Rückblende
  • Unsagbar, dieser Schmerz
  • Hirnträchtig
  • Von Byzanz zum Byzantinismus
  • Grundlinien der byzantinischen Geschichte und des Byzantinismus
  • Zur byzantinischen Literatur
  • Janitscharenschicksal
  • Zwischenbilanz: Byzantismus, Byzantinismus, Byzantinistik
  • Literarischer Byzantinismus: das Original
  • Literarische Byzantinismus: eine nachwirkende Dauererscheinung
  • Reisebilder aus der Westtürkei
  • Bisher erstelle Verzeichnisse
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der beginnenden Byzanzrenaissance
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis 
  • Zum WALTHARI-Projekt
  • Schreiben als Meuterei

106 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 50/2008
Jubiläumsheft

 25.  Jg. 
 50/2008



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
  • Zu diesem Heft
  • WALTHARI-Rückblende
  • Dem Ich geht es schlecht
  • Nach dem Zeitenbruch
  • Autofiktion – Zur Poetik der Selbst(er)findung
  • Grimald im Gespräch
  • Ein gutes oder ein erfülltes Leben?
  • Der Waltharius-Code
  • Literaturbrief
  • Waltharius-Stadt Speyer
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr des Schreis
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Verzeichnis aller bisher erschienenen Gedichte
  • Verzeichnis der rezensierten Titel in den Heften 39-50
  • Titel der Tagebuchnotizen in den Heften 21-50
  • Stichwortverzeichnis der Tagebucheintragungen in den Heften 21-50
  • Namensverzeichnis (Auswahl) in den Heften 40-50
  • Stichwortverzeichnis zum Heft 50

  •  

128 Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 49/2008

 25.  Jg. 
 49/2008



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  •  Zu diesem Heft
  • WALTHARI-Rückblende
  • Alles
  • Über die Unhintergehbarkeit des Religiösen im Literarischen
  • Weltwägung nach dem Aussterben des Homo sapiens naturalis
  • Zur weltgeschichtlichen Krise und Wiederkehr der Religion
  • Gestörte Sprachverwandtschaften
  • Gewißheit und Zweifel
  • Eine religionsphilosophische Anfrage
  • Christliche Weltliteratur
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Verzweckungen und andere religiöse Verlustanzeigen
  • Theaterwelten – Exzentrik schlägt Normalität 
  • Die elsässische Doppeltragödie
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Selbsttäuschungen
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Tagebuchstichwörter der Hefte 21 - 49
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
117  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 48/2007

 24 Jg. 
 48/2007

  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  •  Zu diesem Heft
  •  WALTHARI-Rückblende
  •  Prager Kadenzen
  • Das Märchen vom Wunderland bergauf fließenden Wassers
  • De-kadente Fälle
  • Literarische Dekadenz - de-kadente Literatur
  • Faszination der Dekadenz
  • Kunst als Krise oder Krise als Kunst?
  • Wie Kunstwerke preis-wert ›gemacht‹ werden
  • Zur fortwährenden Debatte über das Ende der Kunst und schönen Literatur
  • Prag-Impressionen
  • Tschechische Vertreibungsverbrechen 
  • Tagebuch im Halbjahr der Ketzerei
  •  Buch- und Medienbesprechungen
  •  Bisher erstellte Verzeichnisse
  •  Namensverzeichnis
  •  Stichwortverzeichnis
110 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 47/2007

 24 Jg. 
 47/2007

  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • WALTHARI-Rückblende
  • Bürgerleid
  • Das Politische als dauerachtsames Widerstehen
  • Das Literarische als Poiesis des ›Schreckens‹
  • Literaturbriefe
  • Feuilletonkritik
  • Medienkritik
  • Glossen
  • Politische Briefe
  • Parteienkritik
  • Porträt: Metastase der Okulartyrannis
  • Bescheidenheit im Tugendverbund
  • Collagieren des allmorgendlichen Medienspiegels
  • Reisebilder aus Griechenland
  • Bisher erstellte Verzeichnisse 
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
108 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 46/2006

23. Jg. 
 46/2006



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Hat sich die Evolution geirrt? - Ein männerverstörendes Frauensymposion - 
  • Geschlechterperspektiven  - Ein geistesgeschichtlicher Abriß -
  • Reduktionistische Frauenbilder in der Literatur
  • Heroismus und Normalität literarischer Frauengestalten
  • Frauenlob
  • Nietzsches wirres Frauenbild in Originalzitaten 
  • Frauenliteratur – Ein ökonomischer Renner auf poetologisch kurzen Beinen –
  • Über berühmte und berüchtigte Frauenbilder
  • Über Frauenforschung, Feminismus und Frauenförderung in Zeiten der Genderkrise
  • Einige statistische und wissenschaftliche Fundamentaldaten zum Frauenthema
  • Mein Gott, wer liest noch Gedichte?
  • Bilderdiktaturen - Bilderschauder
  • Reisebilder aus Sizilien, Teil II
  • Tagebuch im Halbjahr der Gendernachwirren
125  Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 45/2006

23. Jg. 
 45/2006



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Qual – Schiller-Parodie
  • Leiden der Kreatur I
  • Leiden der Kreatur II 
  • Leidensmetaphysik
  • Die vorgestellte Hölle 

  • als Ort ewigen Leidens
  • Ästhetik des Leidens 
  • Millennarischer Perspektivwechsel 
  • Nießbräuche des Leidens
  • Herkules – eine literarische 

  • Urgestalt des Leidens
  • Existenziales Leiden im Roman 

  • ›Helles Geleit‹ 
  • Reisebilder aus Sizilien, Teil I 
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr 

  • medialer Gespenstertänze
  • Buchbesprechungen
  • Namensverzeichnis (Auswahl)
  • Stichwortverzeichnis
110 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 44/2005

22. Jg. 
 44/2005



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Höllenflirt
  • Das Böse als Konstrukt und Substanz
  • Das radikal Böse
  • Das Böse als Feind des Guten
  • Das Böse als Feind der Freiheit
  • Gehalte des Bösen
  • Gestalten des Bösen
  • Das Böse als ästhetische Kategorie
  • Literarische Teufelsbündner 
  • Das Böse in theologischer Sicht
  • Theodizee, Naturdizee, Anthropodizee
  • Gehalte und Gestalten des Grauens
  • Trecks und Internierungslager im Zeichen des Saturn
  • Tu infelix Austria, Fortsetzung 
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr einäugigen Gedenkens 
  • Buchbesprechungen
118 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 43/2005

 22. Jg. 
 43/2005


  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Machtverlust
  • Komische Verwandtschaft 
  • Machtmaskierungen 
  • Zur Kulturgeschichte der Komik 
  • Macht zwischen Dämonie und Bändigung
  • Chaos-Tage. Komödie (Auszug) 
  • Heitere Schreibturniere 
  • Tu infelix Austria 
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der 
  • Ver-Hartzung
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Buchbesprechungen
  • Namensverzeichnis (Auswahl)
  • Stichwortverzeichnis

  •  
116  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 42/2004

 21. Jg. 
 42/2004



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Schöngeist
  • Ästhetische Empfindungen beim Lesen
  • Vielgesichtige Natur
  • Empfindungen – Gefühle - Kunstgespür 
  • Gipfelgespräch
  • Ästhetische Empfindungen beim Schreiben 
  • Kotzästhetik: Ekel als Kunstempfindung
  • Zur Geistesgeschichte ästhetischer Auffassungen 
  • Literaturkritisches Mißempfinden 
  • Aufstieg und Fall des radikalen Regietheaters
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Grundkurs Ästhetik
  • Tagebuch im Halbjahr der Abscheulichkeiten
  • Buchbesprechungen
  • Namensverzeichnis (Auswahl)
  • Stichwortverzeichnis
116 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 41/2004






























21. Jg. 
 41/2004



  ISSN 0930-0279         www.walthari.com
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Süßes Vergessen
  • Gedächtniswund - vergessensgeil
  • Zur Kunst des Erinnerns und Vergessens
  • Mnemosyne 
  • Ent-Täuschung: Empfindungen inmitten der großen Unbekannten
  • Erinnern, Vergessen und Vergeben - Kompensation, Deutungsmacht und Gattungsentwicklung 
  • Mythosverschiebung und Erlösung
  • Reisebilder aus der Mitte Thüringens
  • Die Pfälzische Landesbibliothek – gestern und heute 
  • Deutsch-kultureller Separatismus
  • Tagebuch im Halbjahr der Erinnerungsmanöver
  • Buchbesprechungen
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Namensverzeichnis
  • Verzeichnis der Internetartikel 
  • Stichwortverzeichnis
112  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 40/2003



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


ISSN 0930-0279   www.walthari.com
Zwanzigster  Jahrgang  2003  Heft  40
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • Epochale Beunruhigungen heute 
  • Mit-nichten
  • Zwanzig Jahre Walthari
  • Schwindelnde Örtlichkeiten
  • Ästhetik des Verschwindens
  • Netzflüchter
  • Zur Lebensphilosophie und Ästhetik des Lassens
  • Erhabenheit im Jetzt, Teil 2
  • Literatur als Subversion
  • Erhaben gebildet
  • Grimald. Porträt und Umfeld des wahrscheinlichen Verfassers des Waltharius-Epos’
  • Die althochdeutsche Sprachklage Otfrids von Weißenburg
  • Tagebuch im Halbjahr des anglo-irakischen Krieges
  • Buchbesprechungen
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Verzeichnis der Tagebuchstichwörter in den Heften 21-40
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
114 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 39/2003

WALTHARI 
ZEITSCHRIFT 
FÜR 
 LITERATUR 
Texte - Medien - Märkte – Porträts
- Begründet 1984 - 
 
 

Schamvolle
Erhabenheit
 
 
 
 
 
 
 

ISSN 0930-0279   www.walthari.com
Zwanzigster  Jahrgang  2003  Heft  39

     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft
  • Metaphern 
  • Unterm Schleier
  • Erhabene Kunst – entschamtes Recht
  • Bisher veröffentlichte Verzeichnisse
  • Schamvoll
  • Erhabenheit im Jetzt, Teil 1
  • Zeugen’s Schrecken
  • Dichter, Denker, Provokateure
  • Wie wenn am Feiertage...
  • Erhabene Dichter als Retter?
  • Starke Dichter als Retter?
  • Idolatrisches Getümmel auf der literarischen Schaubühne
  • Tagebuch im Halbjahr der politmedialen Barbarei
  • Buchbesprechungen
  • Stichwortverzeichnis

  •  
     
112  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 38/2002

WALTHARI 
ZEITSCHRIFT 
FÜR 
 LITERATUR 
Texte - Medien - Märkte – Porträts
- Begründet 1984 - 
 
 

Stadtmythos
 
 
 
 
 
 

ISSN 0930-0279   www.walthari.com
Neunzehnter  Jahrgang  2002  Heft  38

     

    Aus dem Inhalt

  • Poetische Mythenfahndung
  • Stadtwelten
  • Dichter und ihre Städte
  • Gottfried Benn: Berlin
  • Detlev von Liliencron: In einer großen Stadt
  • Pathologisches Städtegespräch
  • Literarische Befindlichkeiten und Besichtigungen
  • Das ›verwirklichte‹ und verwirkte Subjekt
  • Stadtspiegelungen
  • Urbanität
  • Fluxionsköpfe
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Stadtclownerien
  • Buchbesprechungen
  • Verzeichnisse 
     
123  Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 37/2002

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Der Autor 
 und sein Fell


 
 

ISSN 0930-0279    www.walthari.com
Neunzehnter Jahrgang 2002 Heft 37

Aus dem Inhalt
  • Poetische Fangschaltung
  • Schreiben auf brennendem Fell
  • Reise- und Gedankenbilder aus der südlichen Auvergne
  • Schwitzen auf rauhem Fell
  • Besonnenheit
  • Hürlimann geh du hinan
  • Zeitschriftenschau
  • Verrat an der deutschen Muttersprache
  • Schreiben als Meuterei
  • Märkte & Medien
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr des Terrors 
  • Buchbesprechungen
  • Stichwortverzeichnis

  •  
118  Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 36/2001

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Aura und 
 Metapher


 
 

ISSN 0930-0279    www.walthari.com
Achtzehnter Jahrgang 2001 Heft 36

Aus dem Inhalt
  • Der Netzflaneur
  • Aura - Sehnsuch, Stilisierung, Schicksal
  • Kambodscha - ein Reisebericht
  • Metaphern - Das Einst im Jetzt
  • Transformationen im Kreislauf, Teil 2
  • Herrenhaut und Armenseele, Kapitel 18
  • Identitäten, Teil 2
  • Verborgene und verlorene Maßstäbe, Teil 2
  • Cartesianische Denkuhren
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Klauentierschändung
  • Buchbesprechungen
  • Stichwortverzeichnis

  •  
130 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 35/2001

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Poetische
 Transformationen


 
 

ISSN 0930-0279    www.walthari.com
Achtzehnter Jahrgang 2001 Heft 35

Aus dem Inhalt
  • Grundbegriffliche Klarstellungen
  • Apokalypse der Leiblichkeit
  • Höhnische Verwandlung
  • Über die Transformationsohmacht der Poesie
  • Literaturbrief
  • Herrenhaut und Armenseele, Kapitel 18
  • Identitäten, Teil 1
  • Netzkonferenz
  • Belgische Kongo-Greuel
  • Transformationen im Kreislauf
  • Verborgene und verlorene Maßstäbe, Teil 1
  • Burma
  • Postmoderne Göttergespräche
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Epiphanien

  •  
139  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 34/2000

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Erzähltes Ich
 Erzählendes Sein


 
 

ISSN 0930-0279    www.walthari.com
Siebzehnter Jahrgang 2000  Heft 34

Aus dem Inhalt
  • Das Sein hinter der Maske des Ich
  • Brief aus Neurotistan
  • Ich-Erschrecken
  • Ermunterung
  • Poetisches Ich, abstürzend
  • Verlorenes Ich
  • Literaturbrief zur Anthropodizee 
  • Feuilletontribunale 
  • Es werde Ich
  • Reisebilder aus der Auvergne
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr 

  • der Parteiendämmerung
  • Schelling im Gespräch
  • Literatur am Abgrund

  • Erzählendes Sein
138 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 33/2000

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Neue

 Mytho-Logien?

 
 

ISSN 0930-0279    www.walthari.com
Siebzehnter Jahrgang 2000  Heft 33

Aus dem Inhalt
  • Brauchen wir neue Mytho-Logien?
  • Mythos - das M in MAGIL
  • Poetische Mythenfahndung
  • Wohin mit den vielen Göttern und Heroen?
  • Über Mythen und Mythologien: ein Göttergespräch
  • Religiöse Mythen 
  • Aktionärstreff
  • Profane Mythen
  • Literaturbrief aus der pommerschen Provinz
  • Vertreibung aus Politik und Gesellschaft
  • Die betreute Poetin im geschützten Bücherrevier

  •  
134 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 32/1999

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -

 
 
Feiges
 Bürgertum

 
 
 

ISSN 0930-0279    www.walthari.com
Sechzehnter Jahrgang 1999  Heft 32

Aus dem Inhalt
  • Schwindende Bürgerlichkeit
  • Zivilcourage
  • Bürgerwelten
  • Feiges Bürgertum
  • Bürgerliche Feigheit und narzistischer Literaturkonsum
  • Tapferkeit als bürgerliche Tugend 
  • Okulartyrannis. Drittes Gespräch
  • Vom Flug und Fluch der Nachmoderne, Schlußteil
  • Zwei bescheidene Vorschläge
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr 

  • der Zerknirschung
102 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 31/1999

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Nachmoderner

 Exitus

 

ISSN 0930-0279    www.walthari.com
Sechzehnter Jahrgang 1999  Heft 31

Aus dem Inhalt
  • Eindämmerung einer Lichtreligion
  • Literatur an der Neige
  • Offener Brief
  • Vom Flug und Fluch der Nachmoderne
  • Neuzeit und Nach(neu)zeit
  • Okulartyrannis 
  • Leitbegriffe der nachmodernen Literatur 
  • Fluchtwege aus der Nachmoderne
  • Thailand - Reisebilder
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr 

  • der Täuschungen
104 Seiten,  flexibler Einband




HINWEISE DES HERAUSGEBERS

WALTHARI® erscheint anzeigefrei, subventions- und
verbandsfrei - aus Gründen der Unabhängigkeit und
der Freiheit des Wortes.

WALTHARI® ist einzig der Sprache verpflichtet, nimmt also
keine Fotos usw. auf - in bewußter Gegenhaltung zum
Bildertrend (Ikonophagie) unserer Zeit.

Gegen die idolatrische Mode steht auch das Gestaltungsprinzip,
den Texten einen höheren Rang einzuräumen als den Autorennamen.
Das hat zur Folge: Der Autor tritt hinter seinem Text zurück;
daher keine Anschriften.

Warum der Titel WALTHARI®? Ein Blick in das Ausgangskapitel
des Walthari-Liedes (WL) gibt Aufschluß. Die poetische Phantasie
des Walthari-Dichters (9. Jahrhundert) nahm das Schicksal Europas
im zweiten Jahrtausend vorweg. »Waltharisch« steht für Versöhnung,
Toleranz, Pluralität, Geschichtsbewußtsein, Tapferkeit und
Identitätsbewußtsein zugleich: »Wieder erneuerten sie ihre
Freundschaft« (Vers 1443 WL).

Fühlt sich WALTHARI® einer Kunstrichtung verpflichtet?
Ja: MAGIL (vgl. die WALTHARI-Hefte 9 ff.).

Beiträge werden nur nach ausdrücklicher Zusage des Herausgebers honoriert.
Für unaufgefordert eingesandte Beiträge wird nicht gehaftet.

 



 

Tagebuchnotizen vom 26. April 2010

Der Euro: Aus dieser Asche läßt sich kein Feuer mehr blasen. Der Euro wird scheitern – seit zehn Jahren schreibe ich es immer wieder und sehe mich durch die aktuellen Ereignisse bestätigt. Dies zu prognostizieren war kein Kunststück, es genügte ein Blick auf die abenteuerlichen Konstruktionsmängel des Währungssystems. Um das Scheitern hinauszuzögern, scheut die politische Klasse nicht einmal den Rechtsbruch (Verbot gegenseitiger Kreditgewährung der Euroländer). Es wird getäuscht und getrickst, um dem verschreckten Publikum Sand in die Augen zu streuen. Nicht nur Ökonomen können sich ausrechnen, daß aus der Kreditgewährung an Griechenland ein Faß ohne Boden wird: das kleine Land ist mit rd. 300 Milliarden Euro verschuldet, wovon allein 60 Milliarden schon 2010 fällig werden. Andere Südländer werden bald um Hilfe nachsuchen, was auf eine Inflationierung des Euro (auch das ist schon ein Scheitern im Stabilitätssinne) hinausläuft. Es wundert mich, daß kein Sturm bürgerlicher Entrüstung losbricht, wo es doch an das Vermögen und die Einkommen geht, wie man es sich leicht ausmalen kann. Spätes Erwachen wird den ›teutschen Michel‹ teuer zu stehen kommen.

Leihmütter. Die Leihmutterschaft ist in Indien zu einem rasend wachsenden Geschäftszweig geworden (rund 500 Millionen Umsatz mit einer jährlichen Steigerung von 40 Prozent). Für 30.000 Dollar ist man im Geschäft, wovon die Leihmütter 5000 bis 10.000 Dollar erhält – eine fürstliche Entlohnung, bedenkt man, daß die Armen in Indien (mehrere hundert Millionen Menschen) mit einem Dollar je Tag auskommen müssen. Diese Nachrichten regen mich an, das Leihmutter-Kapitel in meinem Roman ›Helles Geleit‹ (dort Teil VIII) nachzulesen. Jedes Wort kann stehen bleiben. Ich schrieb ihn vor 1986.

Feministischer Epochenwahn. Was ich im WALTHARI-Heft 46 (2006) ausführlich beschrieben habe (dort besonders S. 68 ff.), sehe ich im nachhinein in einem ganzseitigen Beitrag in der NZZ (v. 08.03.2010) bestätigt. Gerhard Amendt  (Uni Bremen) geißelt nicht allein die genderfeministische Ideologie, sondern auch den ganz gewöhnlichen feministischen Trend, der zur offiziellen Politik geworden ist und bereits enormen gesellschaftlichen und demokratischen Schaden angerichtet hat. Amendt liefert dafür eindrucksvolle Beweise. Die Trendfrauen, auch im Bundeskabinett vertreten, haben es geschafft, ›die Frauen‹ als ewige Opfer erscheinen zu lassen und die Männer zu diskriminieren. Männer sind an allem schuld, Frauen generell die besseren Menschen, so daß in den verweiblichten Schulen schon den Knaben das Männliche ihrer Veranlagung ausgetrieben wird. Und die Männerwelt schweigt, weil sie ahnt, so Amendt, daß sich insgeheim »Angst… unter Frauen ausgebreitet hat«.
© E. Dauenhauer.  Aus:www.walthari.com


Tagebuchnotizen vom 13. Juni 2010

Überleben werden nur Bakterien
Nachgedanken zur poetischen Collage ›Stimmen im Labyrinth‹

Stoße vermehrt auf Texte, die das Gespenstische der Post-Homo-Species bizarr ausmalen. Schwärzliche Phantasielosigkeit. Profane Blödgänge werden populärwissenschaftlich überwölbt. Herauskommt irrelevanter Tagesjournalismus, von gespielter Bedeutungsschwere, doch gänzlich hohl.

Endzustände begreift man erst, wenn man auf die Anfänge zurückblickt. Ardi (Ardipithecus ramidus) hat Lucy an Alter um mehr als eine Million Jahren übertroffen. Ein Frühmensch vor 4,4 Millionen Jahren. Im späten Zeitblitz der Homo sapiens sapiens, in ›Stimmen im Labyrinth‹ ein Homo naturalis, als Auslaufmodell, ausgemustert von Späthominiden, die keinen Naturkörper mehr haben und keine Seele. Wesen späterer Zeiten, deren Zellengeburt mit der Entwicklung künstlicher Bakterien gerade gefeiert wird. Das synthetische Leben aus der Retorte hat begonnen. Die schon hoch entwickelten Roboter werden eines Tages biosynthetisch unterfüttert, meine Romangestalten Homun und Homuna sind damit auch gattungstypisch möglich, theoretisch auch der Cyborgtyp namens Technoverus. Die Poesie ist wieder einmal weit voraus – wie die Lichtmetaphorik in alten Texten, die von der Lichtphysik fünftausend Jahre später bestätigt wurden.
© E. Dauenhauer.  Aus: www.walthari.com
   


Vom 24. Juni 2010

Blamage der Literaturkritik

Romanbesprechungen mit futuristischen Szenarien lese ich besonders genau, seit ich ›Stimmen im Labyrinth‹ vorgelegt habe. Beim Schreiben haben sie mich wenig interessiert, ich wollte mich nicht beeinflussen lassen. Nun lese ich nachträglich eine Rezension in der NZZ über Margret Atwoods ›Das Jahr der Flut‹ (2009) und staune über den Verriß: zwar keine »Ökobibel«, aber ein Mangel »an literarischer Qualität« und »an literarischer Gestaltung und Formwillen«. Statt »reflexiver Über- oder (!) Unterbau« eine »Art selbstlaufender Ideengenerator«. Man verliere sich »in den Tiefen des virtuellen Chaos«. 

Lobhudelei hingegen in der FAZ: Der Roman biete eine »spezifische Mischung aus grimmigem Witz, Pessimismus und Anteilnahme«; es wurde »ohne Zweifel äußerst (!) solide und mit großem biologischem Sachverstand« recherchiert und »all dies« auch so »extrapoliert« usw. 

Wo Maßstäbe abhanden gekommen sind, trompeten die Blamierten ungeniert.
© Erich Dauenhauer, ausgenommen die Originalzitate. Aus: www.walthari.com
 



19. Juni 2009
 
Umgangssprachliche Familien- und Vornamen
im südwestpfälzischen Dialekt in Münchweiler an der Rodalb 
 
Es gehörte zur Gewohnheit in der Pfalz, amtlich eingetragene Familien- und Vornamen nicht allein mundartlich auszusprechen und zu verkürzen (Andu statt Anton, Lissbeth statt Elsabeth), sondern auch zu verfremden (Schorsch statt Georg) und sogar zu ersetzen. Zum Ersatz konnten Berufsbezeichnungen (Maurer Hannes) und die Herkunft, aber auch Charakterisierungen werden, die auf Eigenschaften (de Schäpp Dahner) oder Schwächen (Stotter-Evi) abzielten und damit sozial belastend ausfielen. Häufig genügte ein Versprecher, um schon ab der Schulzeit einen Spottnamen (U- oder Utz-Namen) abzubekommen. Für solche Umtaufaktionen gab es in Dörfern Spezialisten, die mit Häme ihr Geschäft betrieben und sich damit Ansehen verschaffen wollten. Ich habe diese Zeit noch in meinem Heimatdorf erlebt und war schon als Kind erstaunt darüber, daß praktisch jeder Bewohner seinen Ersatz-Namen weghatte, den er klaglos hinnahm. Häufig erfuhr ich erst in der Schule den richtigen Familiennamen meiner Klassenkameraden.
 
Diese Tendenz zur Namensverdoppelung hat mit den gesellschaftlichen und sprachlichen Veränderungen stark nachgelassen bzw. ist ganz entfallen. Die alten mundartlichen Namensbezeichnungen scheinen mit der älteren Generation auszusterben. Emil Klein (80) hat die folgende Liste zusammengestellt, mit der nur Ortskenner etwas anfangen können. Was allgemein interessiert, ist der Klang-, Anspielungs- und Phantasiereichtum, mit dem einst das Geschäft der Utz-Namen betrieben wurde. Meine Familie erscheint auf der Liste gleich zweimal. Ich hoffe, daß Nachkommen der Bezeichneten mit dem sprichwörtlichen pfälzischen Humor die Liste lesen. Bei Widerspruch wird der Name unverzüglich gelöscht.
© WALTHARI® – Aus: www.walthari.com

Aff
Awu
Balke
Bappedeckel
Bäpps
Barzler
Bäsche Hannes
Bawwelhannes
Bendikjakob
Bepper
Bernhard-Peter
Bismarck
Blechnas
Bloo
Bloser
Bock
Boldemax
Bombefescht
Breed
Brembeer
Brisnas
Brummer
Bummi Schreuner
Burrus
Dänzer
Dattel
Dauwe Robert
de Haas
Dechser
Deiwel
di Schnätz
Dillehannese Lui
Dillemarkse Mina
Dille-Sepp
Drull
Eisnich
Ent
Essig
Frevlkarl
Furz
Fuschpeng
Gäse Hedwig
Gaul
Gori
Grabbert
Hächert
Hanauisch Max
Hanjokop
Hansjörgl
Hasbei
Haufe
Heiland
Hinkelstall
Hipplermax
Hofhannes
Holde Mina
Hollauer Hannes
Hujaks
Hurra
Hütelhannes
Itzig
Jogger
Jokurd
Katz
Kiefer-Sepp
Klicker
Klumbemacher
Knärzel
Knekser
Knoddler
Knorze
Knubber-Eve
Krotte-Berta
Krug
Lachkarl
Lama
Lämer Dick
Lämmel
Langwambsch
Ledder Eicheen (137)
Leeb
Leibweh
Lui-Sepp
Lullu
Mäs
Matz
Melkämer
Mott
Olinger
Penning
Peterkarls Lui
Piffler
Piss
Pitscher
Prieschter
Puddel
Ratt
Reiwer
Rukser
Rußisch
s’ Meisel
s’ Philp Langer
s’Gänsel
s’Kälwel
Sakridis
Schäck
Schäl-Jakob
Schäpp Eder
Schäppdahners Willi
Schicko
Schläbbler
Schliwwer
Schorsche-Sepp
Schreuner-Max
Schrubbel
Schudig-Sepp
Sexter-Sepp
Simmer-Hannes
Sogge
Spatz
Spisser
Stawel
Sternegucker
Stich
Stopnohrl
Strack
Stratz
Tango
Vize
Weck
Wescher
Zimbel
Zink
Zippel


Vom 31. Oktober 2008

Korrektur des Saladin-Mythos’

In Lessings Paradestück ›Nathan der Weise‹ ist der historischen Figur des Sultans (1138-1193) die Rolle des weisen und toleranten Vertreters des Islam zugeteilt. Zwischen der Ringparabel und der 5. Koransure gibt es Parallelen (tolerantes Nebeneinander der Religionen). Im Lessing-Drama verkörpert Saladin die unproblematische Seite des Korans, in dessen Sure 5,48 es heißt: »Er (Allah) will auch prüfen in dem, was er euch gegeben hat. Wetteifert darum im Guten.« Dem ähnelt der zentrale Lehrsatz im Bühnenstück: »Es eifre jeder seiner unbestochenen / von Vorurteilen freien Liebe nach.« Saladin erkennt im Gesicht des Feindes die Züge des Bruders, er begnadigt seinen Gegner. Die Handlung muß hier nicht weiter erzählt werden, sie ist allzu bekannt, ebenso das positive Bild Saladins.

Inwieweit deckt sich diese Bühnenfigur mit dem historischen Bild? Die Fakten fallen zwiespältig aus, widersprechen aber in der Summe dem Mythos vom edlen, toleranten oder gar aufgeklärten Sultan. Der fromme Sunnit sah sich als Schutzherr der heiligen Stätten Mekka, Medina und Jerusalem. Obschon er der Pilgerpflicht nach Mekka nie nachgekommen ist, ordnete er seinem religiösen Schutzverständnis alles unter, ohne dabei auf grausamen Machtgebrauch zu verzichten. Selbst gegenüber muslimischen Glaubensbrüdern kannte er zuweilen keine Gnade, so etwa, als er den im Sterben liegenden Kalifen der Fatimiden in Kairo tötete (1171). Auch muslimische Mystiker trieb er in den Tod. Besonders aufschlußreich ist sein Verhalten gegenüber Juden und Christen. Zwar beschäftigte er Ärzte aus beiden Glaubengemeinschaften an seinem Hof, erließ aber gleichzeitig die Order, keine Christen mehr in seiner Staatskanzlei zu beschäftigen. Nichtmuslimische Kaufleute hatten doppelte Zölle zu entrichten, die Handelsfreiheiten von Christen und Juden wurden stark eingeschränkt (im Asienhandel). Dies betraf besonders koptische Kaufleute. Saladin ist zuzubilligen, daß es während des 3. Kreuzzuges nicht zu Christenverfolgungen gekommen ist. Nach der Eroberung Jerusalems räumte er den orientalischen Christen sogar Gleichberechtigung ein und erlaubte den Juden wieder die Ansiedlung in der Stadt, doch den Dschihad behielt er als Hauptaufgabe immer aufrecht. Die Kreuzfahrerstaaten griff er mehrfach an und schloß mit ihnen auch Waffenstillstände, um freie Hand gegenüber muslimischen Rivalen zu gewinnen. Gefangene Christen ließ er teilweise töten, so nach der Schlacht von Hittin alle Templer. Andere Gefangene verkaufte er als Sklaven. Nach einem Augenzeugenbericht ließt er »Ritter und andere Leute« köpfen, als sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören. Im ganzen ergibt sich das Bild eines taktischen Kriegsführers, der zwar kein religiöser Fanatiker war, dessen Weltanschauung aber alle Grausamkeiten einschloß. Toleranz setzte er als taktisches Mittel ein, sie entsprang also nicht einer humanistischen Überzeugung, wie sie im Lessingstück vorgeführt wird. 
»Im Unterschied zur Botschaft von Lessings Ringparabel dürfte er das Judentum wie das Christentum entsprechend der allgemeinen islamischen Auffassung als durch Muhammad überholte Formen der einen wahren Religion betrachtet haben«, schreibt Hannes Möhring, auf dessen Beitrag ›Der andere Islam‹ die vorgenannten historischen Fakten sich beziehen. 
©Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer, ausgenommen die Originalzitate. Aus: www.walthari.com


Vom 5. Februar 2008

Wilhelm Buschs Darwin

Sie stritten sich beim Wein herum,
Was das nun wieder wäre;
Das mit dem Darwin wär gar zu dumm
Und wider die menschliche Ehre.

Sie tranken manchen Humpen aus,
Sie stolperten aus den Türen,
Sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
Gekrochen auf allen vieren.

Aus: www.walthari.com


20. Januar 2009

Tagebuchnotizen

Obama-Effekte. Der zum Visionär und Erlöser hochstilisierte neue US-Präsident wird mit seinen hochfliegenden Plänen scheitern, heißt es in einer elektronischen WALTHARI-Glosse. Hinter der Aura heiterer Buntheit, mit der man den Weltproblemen auf den bösen Leib rücken will, lauern träge widerborstige Substanzen  (ein Drittel der Menschheit lebt in Armut usw.), an denen sich bisher alle Visionäre die Zähne ausgebissen haben. In kleinerem Format versucht sich Frankreichs derzeitiger Präsident als Weltverbesserer, doch schon mit seinen Multikulti-Frauen im Kabinett hat er großen Ärger, wie die Medien süffisant berichten. Die Damen würden mehr durch bunte Schminke, Selbstdarstellungen und Redseligkeiten auffallen als durch politische Qualitätsarbeit. Wie sehr die Politik, in deren Händen das Schicksal der Menschheit liegt, zur launischen Alltagsunterhaltung mißraten ist, belegt jeder Blick in die Medien. Die Bürger strafen das Parteiensystem allerorten mit sinkender Wahlbeteiligung ab. Bald werden sich die Politiker ein neues Volk suchen müssen, bürgerfern agieren sie ohnehin schon. 

Regierungsamtliche Schlaumeierei. Die globale Finanzkrise ging von den Angelsachsen aus, die ihre ubiquitäre Dominanz (sprachlich, militärisch, wissenschaftlich, medial usw.) auch im Finanzsektor überzogen haben. Nicht genug, daß ihre Banken als erste kollabierten, sie wollten sich auch am deutschen Steuerzahler dadurch schadloser halten, daß sie ursprünglich einen internationalen Rettungsfonds vorschlugen, in den die Deutschen einen Hauptbeitrag hätten leisten sollen – zur Rettung der führenden Finanzzentren in London und New York. An der Verteilerspitze hätte man sich nur einen Franzosen vorstellen können. Die alte Entente cordiale lebt leichterhand auf, wenn Dritte an die Leine zu nehmen sind. Daran zu erinnern ist zwar unfein, historisch und aktuell aber gut belegbar. 
© Erich Dauenhauer. Aus: www.walthari.com 


4. Januar 2008

Daueraktueller Roman: Herrenhaut und Armenseele

Anlaß der Erinnerung:
Vor Weihnachten 2007 wurde der katholische brasilianische Bischof Luiz Flavio Cappio in die Intensivstation eines Krankenhauses der Stadt Petrolina eingeliefert. Sein Hungerstreik (seit 23 Tagen) hatte ihn so sehr geschwächt, daß er das Bewußtsein verlor, als er vom Urteil des Obersten Gerichtshofs Brasiliens erfuhr, wonach ein schwerer Eingriff in die Natur (Verlegung eines Flußlaufs) bestätigt wurde. Der Eingriff begünstigt die Großgrundbesitzer und benachteiligt die Kleinbauern seiner Diözese im Nordosten des Landes. Bischof Cappio unterstützt seit Jahren die Landlosenbewegung und wird deshalb (auch sein Orden: die Franziskaner) bedroht. Dieses Szenario 2007/2008 gleicht auffällig einer Beschreibung in dem Roman ›Herrenhaut und Armenseele‹, der bereits 1991 erschien und in 4. Auflage vorliegt. Wieder einmal folgt die Wirklichkeit der Fiktion. 
© WALTHARI® – Aus: www.walthari.com



Vom 5. August 2008 
Tagebuchnotizen

Literarische Tagebücher im Netz. Es gibt sie hundertfach. Da ein zentrales Verzeichnis fehlt, entdeckt man sie nur zufällig. Kostbare Textperlen zu weilen, so in dem mittlerweile geschlossenen Journal ›Klage‹ von Rainald Goetz. Er spießte darin die »geistigseelische Entkernung« von »tickenden, nichträsonierenden Figuren« der politischen Schauszene auf.

Literarisches WALTHARI-Tagebuch.Seit Jahren in gedruckter Form (der Literaturzeitschrift) und ergänzend hier elektronisch. Zugriffe aus fünfzig Ländern. 

Arbeitslose Mimen.  Traumberuf mit hohem Hartz-IV-Anteil. Ein Drittel dürfte arbeitslos sein und sich mit Nebenjobs über Wasser halten. Auf der Bühne spielt man nicht das Leben, wie es ist, sondern wie es sich der Regisseur ausgedacht hat. Doppeltes Regietheater. 

Themenflucht. Zunehmende Fälle von Gewalt gegenüber Islamkritikern. Der französische Philosophielehrer Robert Redeker mußte sich nach zweihundert Morddrohungen verstecken, nachdem er in einem Beitrag auf die schleichende »Islamisierung des Denkens« in Europa hingewiesen hatte. Die sonst so lautstarke und kritikfreudige literarische Funktionärsszene schweigt dazu. Und die Schriftsteller? Kaum ein Roman oder Hörspiel über das brandlodernde Thema.

Kosmopolitisch. Der schlaue Intellektuelle gibt sich kosmopolitisch. Als selbsternannter Weltbürger kann er unliebsame Themen meiden und sich an liebsamen hochstilisieren. Man ist wendig genug, um großes Fehlverhalten von einst als kleine Dummheiten auszugeben. Henning Ritter stellte den Großschriftsteller Hans Magnus Enzensberger bei seinem Versuch, den Eindruck zu erwecken, an den 68er Wüsteneien nur als Außenseiter beteiligt gewesen zu sein. Diese Demaskierung fand schon Jahre vorher in WALTHARI-Texten statt. 

Geschichtstrauma. Karl Albert schreibt in seinem Buch ›Lebensphilosophie‹: »Zwar braucht das Leben, wie Nietzsche betont, den Dienst der Geschichte, aber ein Übermaß an Geschichte schadet dem Leben auch.« Nach Nietzsche muß der »Tätige und Strebende... die Kraft haben.., eine Vergangenheit zu zerbrechen und aufzulösen, um leben zu können: dies erreicht er dadurch, daß er sie vor Gericht zieht, peinlich inquiriert und endlich verurteilt«. Vor Gericht gezogen und verurteilt haben die Deutschen die Nazigreuel tausendfach, während die DDR-Diktatur im milden Licht erscheint und in einer SED-Nachfolgepartei parlamentarisch hoffähig geworden ist. DDR-nahe Künstler behalten Kultstatus, hingegen löst die »schiere Namensnennung (von) Distler, Egk, Pfitzner, Orff, Bresgen« und Pepping nicht nur ein »adornosches Verachtungslächeln« (Eleonore Brüning) aus, man gibt sich zudem entrüstet und wirft die öffentliche Empörungsmaschine an. 
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com
 


Vom 18. Dezember 2007 

Literarisches Canossa 
- Eine Prognose aus dem Jahre 1981 bewahrheitet sich -

Die PDF-Datei kann mit Adobe Reader oder Foxit Reader geöffnet werden.


Vom 31. Oktober  2007

»Komfort kämpft nicht.«

Von Erich Dauenhauer

In seiner jüngst erschienenen ›Bewußtseinsnovelle‹ (Untertitel) mit dem noch ungewöhnlicheren Haupttitel ›Die Unbeholfenen‹ (bei Hanser) kann man bei Botho Strauß auf S. 88 f. die aufwühlende Passage lesen: 
»Nun, zuweilen gehen wir an Wegscheiden vorbei, ohne sie zu bemerken, und folgen stur der einmal eingeschlagenen Richtung. Wie reagiert die Komfortgesellschaft auf die Unduldsamkeiten einer fremden Religion? Natürlich mit ihren hauseigenen Mitteln der Toleranz. Diskussion, Konferenz, Konfliktforschung. Hierbei fehlt es nicht an klugen Worten, doch unsere Worte – im Gegensatz zu denen unserer Verächter – haben jede Bedeutung eingebüßt. Wir, die jetzt schon Besiegten, können alles sagen und sagen nichts. Wäre unser Sagen ebenfalls eingeschränkt wie das ihre, durch religiöses Gesetz und Konzentration auf Pflichten, auf eine kämpferische Handlung oder nur Haltung, so würde es zwangsläufig wieder Bedeutung gewinnen. Aber der Komfort kämpft nicht. Daß wir sprechen, wie wir sprechen, ist nur noch ein Verständigungsmedium unter Besiegten.«
Im Gaudilärm der Multikulti,  veranstaltet von jedes Maß verachtenden Toleranzpredigern und von Pflegern des notorisch schlechten Gewissens sind die Stimmen derer, die seit Jahr und Tag vor einem Identitätsverlust warnen, untergegangen. Schon 1993 verwies ich auf die schweren Folgen von Toleranzutopien (in: ›Kultur- und Kunstökonomie‹, Teil II, bei WALTHARI), seit 1998 bringe ich in diesem Portal Beispiele für den eingetretenen Kultur-und Identitätsverlust . 

Botho Strauß hält nicht nur das Integrationsprojekt für gescheitert, er spricht von »jetzt schon Besiegten«, die dazu nicht einmal bemerkt haben, daß sie bereits besiegt worden sind. »Diskussion, Konferenz, Konfliktforschung« - alles nur Ablenkungs- und Selbsttäuschungsmanöver in der Komfortgesellschaft, die für ihre zivilisatorischen Werte (Menschenrechte usw.) nicht kämpfen will - »im Gegensatz« zu »unseren Verächtern«, deren »fremde Religion« von Freiheit, Menschenwürde usw. nicht viel hält. Trotz der »jetzt schon« sichtbaren Barbareifolgen (Haßprediger, Terror u.a.m.) kämpft die Komfortgesellschaft nicht, schaut sie fatalistisch zu und läßt ihre politischen und kulturellen Eliten und Führer im ablenkenden Ritual der »klugen Worte« protestlos gewähren. Doch deren »Worte... haben jede Bedeutung verloren«, sie sind »nur noch Verständigungsmedium unter Besiegten«. 

Welch ein Befund! Er besagt nichts weniger, als daß sich die westliche Kultur und insbesondere unsere supertolerante deutsche sich verloren gibt. Vergessen hat Strauß, was ich in Heft 32 dieser Literaturzeitschrift WALTHARI unter dem Schwerpunktthema ›Feiges Bürgertum‹ analysiert habe. Nicht auch darauf hinzuweisen hielte ich ebenso für ein unentschuldbares Versäumnis wie dasjenige, worauf Strauß hinweist. »Das schöne Abgelebte«, wie es bei ihm mit beißendem Spott weiter heißt, ist wenigstens bei seinem Verschwinden den Schönrednern und byzantinischen Feiglingen vor Augen zuhalten.

Die Szenen wiederholen sich täglich: Eiferer und Beschöniger stehen sich mit ungleichen Kampfmitteln gegenüber und bereiten etwas vor, was jedermann wissen kann – und fürchten müßte, wäre er noch bei freiheitlichen Sinnen. 
© WALTHARI®. Aus: www.walthari.com. 


29. September  2007

Die bovarystische Versuchung

Von Erich Dauenhauer

Die Scheidungsquote in deutschen Großstädten liegt bei Paaren mit Heiratsdatum nach 1980 über fünfzig Prozent. Bei Scheidungen insgesamt gehen die Anträge ganz überwiegend von den Frauen aus. Dieses sozial höchst bedeutsame Doppelphänomen hat mehrere Ursachen, unter denen folgender Erklärungsstrang dominiert: Männer seien weniger bindungsfähig als die Frau, sie neigten zu mehr Gewalt usw. Diese Ursachenbenennung resultiert nicht allein aus einer Opferperspektive, ihr liegt auch ein feminines Menschenbild zugrunde, das sozialethisch demjenigen von Männern überlegen ist. Wenn schon der maskuline Gattungstyp als weniger bindungsfähig usw. ausgewiesen wird, dann muß er als sozial defizitär gehalten werden. Das ergibt sich zwingend aus dem gängigen dominanten Erklärungsmuster. 

Paartherapeuten neigen aufgrund langjähriger Erfahrungen zu einer gewissen Korrektur. Sie erleben oft bei Gesprächen mit scheidungswilligen Frauen, daß diese nach und nach eine tief sitzende Abneigung gegen ihre Partner entwickelt haben, die nicht nur ihren Gefühlsraum und ihr Denken beherrscht. Die Abneigung kann sich sogar körperlich manifestieren, z.B. als unüberwindbarer Geruchsekel; Therapeuten bezeichnen dieses Phänomen, das fast ausschließlich unter Frauen vorkommt, als Bovarysmus

Was sich in der Psychologie erst allmählich als feminines Ekelmuster herausgeschält hat, ist in der Literatur längst eine gängige Vorlage. Prototypisch dafür gilt Gustave Flauberts Roman ›Madame Bovary‹. Der Roman entstand zwischen 1851 und 1856 und wurde 1857 veröffentlicht. Zum Plot in Kürze: Der Landarzt Charles Bovary heiratet, nach dem Tod seiner Frau Héloise, mit der er nicht glücklich war, die junge und attraktive Bauerntochter Emma und fühlt sich endlich glücklich. Emma hingegen beginnt sich bald zu langweilen und entwickelt zum Ausgleich ein Phantasieprogramm von einem anderen Leben. Den Stoff dazu hat sie sich in kitischigen Romanen angelesen. Das eigentliche Drama beginnt nach dem Besuch eines Balls, der ihr wie die glanzvolle Realität ihrer Phantasien vorgekommen war. Um so drückender empfindet Emma danach den Ehealltag. Sie kränkelt und reagiert übernervös, worauf das Ehepaar, um der ländlichen Langeweile zu entgehen, in einen Vorort von Rouen umzieht. Doch dieser Kulissenwechsel rettet die Ehe nicht, Emma läßt sich mit einem reichen Gutsherrn und Lebemann ein. Sie will ihre Romanheldinnen an »Leidenschaft, Ekstase, Delirium« noch übertreffen. Als sie ihren Vergnügungspartner heiraten will, wendet sich dieser ab . Die anschließende Depression Emmas sucht der naive Charles durch einen Theaterbesuch zu heilen, doch diese gutmütige Rettungsmaßnahme führt in eine weitere Katastrophe. Emma trifft Léon, mit  dem sie alsbald leidenschaftlich verkehrt.  Doch bald erfährt Emma an sich erneut das Gefühlsphänomen der Langeweile: sie wird Léon überdrüssig, reagiert launisch und verwandelt ihre Leidenschaft in platte Besitzergreifung. In der Folge verschuldet sie sich, ohne von ihren Liebhabern gerettet zu werden. Mit Arsen sucht sie ihrem Leben schnell eine Ende zu bereiten, aber das Gift wirkt nur langsam: Blut spuckend, Kämpfe erleidend stirbt sie vor den Augen ihres verzweifelten Mannes, der erst nach ihrem Tod die ehebrecherischen Liebesbriefe entdeckt. Flaubert setzt einen bezeichnenden Schluß: Emmas genarrter Ehemann sieht seine Zuneigung nicht beschädigt, wenn er auch voller Kummer stirbt.

Dem Romancier Flaubert wurde bekanntlich der Prozeß wegen angeblicher öffentlicher Beleidigung der Moral und Religion gemacht. Wer heute den Roman als frühe Musterbeschreibung für feminine Idiosynkrasie hält, muß zwar nicht mit einer juristischen, wohl aber mit einer medialen Anklage rechnen. Denn zur eingespielten politisch-gesellschaftlichen Korrektheit gehört die Kultivierung der Opferrolle von Frauen, womit die bovarystische Versuchung überdeckt wird: Unruhe aus Empfindungen von Langeweile, pathologischer Phantasieüberschuß, Neigung zur Überempfindlichkeit, Abscheu vor den profanen Aufgaben des Alltags, bei Partnerentfremdung auch  Ekelgefühle bis ins Körperliche usw. Frauenromane verdanken ihren Verkaufserfolg nicht zuletzt der Erzählmasche, das bovarystische Muster kitschbeglückt auszuschmücken. Leserinnen finden sich darin gefühlvoll abgebildet. Der Unterschied zu Flauberts Klassiker muß hier nicht erläutert werden. 

Was nun den Bovarysmus über den literarischen und therapeutischen Raum hinaus gesellschaftspolitisch so aktuell erscheinen läßt, sind Äußerungen feministischer und kryptofeministischer Art. Ein einfaches, aber exemplarisches Leseexperiment mag das belegen. Die Kultfrau des deutschen Feminismus, Alice Schwarzer, hat erst jüngst wieder ein Buch vorgelegt und es im Vorabdruck in einer konservativen Zeitung platzieren können, das unter dem Mantel der Geschlechterneutralität die Opferrolle der Frau nicht in Vergessenheit geraten läßt. Schwarzers feministisches Weltbild, das sie vor Gegenargumenten (auch aus der Wissenschaft) jeweils wortreich abzusichern versteht, attackiert vehement die »biologistische« (sprich: lebensalltägliche) Erfahrung, daß wir Menschen uns von Geburt an  nach Geschlecht naturhaft unterscheiden. Der »Geschlechtscharakter«, so ihre Hauptthese, entspringe einer »unterschiedlichen gesellschaftlichen (!) Rolle«, nicht also natürlicher Veranlagung. Denn »es existiert kein Gen, kein Hormon, keine Gehirnzelle, die den Menschen auf hetero oder homo programmieren würde.« Die Verführungskraft dieser androgynen Ideologie ist gewaltig, weil sie dem rechtlichen und politischen Prinzip der Gleichheit zu entsprechen scheint. Handkehrum eingeebnet wird damit aber der Unterschied zwischen naturhaft-biologischer Ausstattung und rechtlich-politischer Gleichheit. Das ist Ideologie in Reinkultur, wie sie im Zeitgeist ein wohliges Zuhause findet. 

Das Schwarzer-Buch wurde begeistert aufgenommen, auch von Frauen, die man bisher nicht als feministisch angekränkelt eingestuft hat. Hanna-Renate Laurien z.B. lobte das sozialrevolutionäre Programm (denn das ist es) Alice Schwarzers in überschwenglichen Tönen (in FAZ, Nr. 166/07, S. 39). »Mutig und erfrischend« mische sich die Kultfrau in den »Kulturkampf« ein. »Wie hat es mir wohlgetan, lesen zu können, wie sie die publizistischen Attacken gegen Gendermainstreaming souverän abweist und auf die Machtfrage zurückführt... Alice Schwarzer will eine Welt wenigstens vorbereiten, die vom Geschlechtsnormenterror (!) befreit ist, in der Männer Gefühle zeigen dürfen und Babys wickeln können und in der Frauen Verstand beweisen und Firmenchefs sein dürfen und beide, als Menschen, ihren Kindern verantwortungsvolle Erzieher und Partner sind... Der Ruf nach der Mütterlichkeit wird als ›Frauenfalle‹ entlarvt«. Laurien spricht von »Geschlechternormenterror« und deutet den absurden Androgynismus Schwarzers kurzerhand als »Prozeß der Verbindung von ›angeborenen‹ und ›anerzogenen‹« um. Begeistert beschreibt die ehemalige CDU-Kultusministerin und Berliner Senatorin die neue Männerrolle: Ein androgyner Hauch (»als Menschen«) durchweht dieses kryptofeministische Pathos.

Wie sehr Laurien in die Schwarzerfalle geraten ist, in der hinter einer berechtigten Islamkritik wie nebenbei feministisches Altgut reichlich angeboten wird (mit ausgiebigen Selbstzitaten), merken Leser(innen) spätestens, wenn sie die kritische Rezension von Sieglinde Geisel dagegen halten (in: NZZ Nr. 176/07, S. 26). Geisels nüchterne Analyse zerrupft nicht nur die Schwarzerideologie, die Rezension liest sich auch wie eine Korrektur des einige Tage zuvor erschienenen unkritischen Laurienischen ›Schwesternlobes‹. Geisel ist sichtlich vom »souveränen Charme der Ironie« mehr beeindruckt als von Schwarzers Sachdarstellung, deren »penetrante Eigenwerbung« sie stört: »Man spürt bei der Lektüre, dass Alice Schwarzer es geniesst, zur Instanz geworden zu sein. Den alten Vorwurf, sie habe die Frauenbewegung für sich vereinnahmt, widerlegt sie nicht, im Gegenteil.« Die »›Schreckensschraube der Nation‹ (Henryk M. Broder) hat sich im Mainstream der kulturellen Leitmedien endgültig etabliert.« Der insgesamt konjunktive Rezensionsstil und die Gegenironie signalisieren erhebliche Vorbehalte.

Es geht mir hier nicht generell um die Unsäglichkeiten und Schattenseiten des Feminismus, sondern um das bovarystische Weichbild, das eine legitimatorische Heimat gefunden hat. Flauberts Figur Emma und Schwarzers publizistisches ›Emma‹-Programm passen in vielem nicht nur dem Namen nach zusammen. Häuslichkeit wird in beiden Fällen als langweilig und mit Abscheu betrachtet. An den Emanzipationsgelüsten der Bovary müßten zumindest heterosexuelle Feministinnen ausgesprochen Gefallen finden, befreien sie doch vom biederbürgerlichen Ehejoch. Über diese Sympathie hinaus muß das Frauenbild, das Flaubert psycho-›biologisch‹ korrekt zeichnet, dem Feminismus ärgerlich und fremd bleiben. Nach feministischer Leseart hat Flaubert die gesellschaftliche Geschlechtskonstruktion eben noch nicht erkannt, daher das menschliche Drama falsch inszeniert. Eine geschulte Feministin hätte sich, bei besserer Romanversion, mit dem braven und biederen Landarzt Charles ein emanzipiertes Frauenleben durchaus einrichten können, das belegen auch praktizierte Fälle der heutigen Zeit. 

Im aufgeklärten Falle wäre freilich der Romanplot langweilig ausgefallen, denn Emma hätte dann nicht so qualvoll enden dürfen. Flaubert wäre zudem  der Vorwurf des Biologismus erspart geblieben. Zum Männerüberdruß Emmas hätte die Scheidung, nicht der Selbstmord gepaßt. Gewiß hätte ein aufgeklärter Romanautor auch den Eheverweigerer Rodolphe Boulanger ›vernünftiger‹ gezeichnet. 

Diese fiktive Umschrift einer weltliterarischen Vorlage ist nicht zynischer als feministische Ideologeme, die das naturhafte Männer- und Frauenbild androgyn verschmelzen wollen. Nicht diese sattsam propagierte Naturentfremdung stellt die eigentliche bovarystische Versuchung dar, sondern die ideologischen Ausläufer im bürgerlichen Aufklärungsgewande. Auch sie favorisieren inzwischen ein Leitbild, das Häuslichkeit zum lästigen Anhängsel von Beruf und Karriere herabstuft, auch um den Preis von Kinderlosigkeit und Partnerentfremdung. Der oikosentfremdeten, karriere- und spaßversessenen Lebenswelt wird alles untergeordnet. 

Nichts als Trauer stellt sich ein, wenn man das Partnerbild derjenigen betrachtet, die niemals verheiratet waren, niemals Kinder erzogen und niemals alte Eltern lange Zeit betreut haben, also ohne jegliche familiäre Normalerfahrungen sind und dennoch andere ›familiär‹ belehren wollen und dabei im modischen Gestus bovarystische Sympathien bekunden, ohne zu ahnen, was sie anrichten. Ihnen muß die Treue des biederen Charles Bovary zu seinem Eheluder Emma, eine Treue über deren Tod hinaus, wie eine absurde Anhänglichkeit vorkommen. Das ist sie auch, ab er in einem ganz anderen Sinn, als es vom feministischen Opferdenken her erscheint, das sich aufgemacht hat, die Natur der Frau aus sozialen Gefängnissen zu befreien. Nicht nur den Emanzen, auch deren Anhängsel ist das Normale einer unaufgeregten, aber um so tieferen und dauerhafteren Partnerzuneigung ein ewiges Geheimnis. 
© WALTHARI®. Aus: www.walthari.com. 


14. Juni  2007

Ehe, Familie, Kinder und Alte im spätgesellschaftlichen 
Erosionsprozeß - koangewürzt

Von Erich Dauenhauer

1.

Das Thema unterliegt der schwankenden öffentlichen Wahrnehmung, ganz so, als ginge es dabei um ein bloßes Unterhaltungsphänomen. Zur Zeit ist die Wahrnehmung abgeflaut. In der Sache läuft derweil der Erosionsprozeß weiter. Er hat die Maßstäbe derart  verschoben, dass eine ordnende Analyse mit Aufräumarbeiten beginnen muß. Die kulturellen Traditionsbauten Ehe und Familie werden munter weiter geschleift und verwirren Kinder und Alte. Der Nachwuchs, soweit noch am Nachwachsen, hat sich in die Betreuungsschlange von der Kita bis zur hochschulischen Massenabfertigung einzureihen. Die Alten, sprachberührungsängstlich Senioren genannt, schiebt man in ›Residenzen‹ ab, wo sie familienfern ihre Endzeit fristen. Residiert und dirigiert wird der gesellschaftliche Umwandlungsprozeß von politischen Machthabern einer Republik, deren res publica längst... 

2.

Zahlen. Die familienpolitischen Unterstützungen des Staates beliefen sich im Jahre 2006 auf 184,4 Mrd. Euro. Einhundertvierundachtzig Komma vier Milliarden, nicht Millionen. Als die Familien kaum staatliche Unterstützungen erhielten, waren sie kinderreich und altenfreundlich. Heutzutage unterstützt der Staat z.B. getrennt lebende oder geschiedene Ehegatten mit 420 Millionen Euro jährlich (Realsplitting). – Koan-Kontext-Frage: Meister Staat, warum befinden sich Ehe und Familie in einer Schwundstufe, obschon sich die staatliche Subventionierung seit Ehrhards Wundertaten vervielfacht hat? – Antwort eines Sprechautomaten: Der ehemalige Bundeskanzler hatte zwar eine flache Nase, aber niemals einen Nasenbeinbruch. 

Grund-Gesetz. Artikel 6 der Lex fundamentalis, deren erster Präambel-Satz durch Artikel 146 Lügen gestraft wird, weil das deutsche Volk selber immer noch nicht »kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt« (Präambel) »in freier Entscheidung« (Artikel 146) sich eine Verfassung geben darf, diese Lex gewährt in Artikel 6 folgendes Grundrecht: »Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.« Absatz 2 regelt das Elternrecht und deren Pflicht gegenüber Kindern. Darüber »wacht die staatliche Gemeinschaft«. Lebenspartnerschaft und Alte kommen im Grundrechtskatalog nicht vor. Der Bundesgerichtshof hat jüngst entschieden (Az IV ZR 267/04), daß außereheliche Paarbeziehungen (im vorliegenden Fall eine homosexuelle) mit der Ehe nicht gleichzustellen sind: »Die Ehe darf... bevorzugt werden.« Es verstoße nicht gegen das Grundgesetz, das Privileg der Ehe (so etwa der Anspruch auf Hinterbliebenenrente) nicht auf Lebenspartner zu übertragen. – Koan-Kontext-Frage: Meister Emanzi, der hohe Gerichtshof hat das Eheprivileg mit seiner Nachwuchsleistung begründet, wörtlich: »Die Ehe darf im Hinblick auf Fortpflanzung und Erziehung eigenen Nachwuchses, einem für die Zukunft wesentlichen Anliegen der Gesellschaft, bevorzugt werden.« Eine bloß generative Begründung von Ehe und Familie verfehlt doch... – Meister Emanzi: Halt! Die Frage bitte. – Ist, wo Kinder sind, automatisch Familie? – Antwort: Wo Kinder sind, lärmt’s. 

Familie kippt Ehe. Die Normalbiographie Ehe wird zunehmend zur Bastel- und Risikobiographie. Die libertären Angriffe auf das Traditionsinstitut laufen nicht mehr über »andere gleichberechtigte Verantwortungsgemeinschaften«, sondern auf dem Umweg über die Familie. Da das Eheprivileg grundrechtlich und definitorisch eindeutig und damit nicht dehnbar ist, spricht man vom »überholten Familienbild« und hat damit auch schon beim derzeitigen Bundespräsidenten Erfolg gehabt. Bundespräsident Köhler kritisierte zwar die Ausrichtung der Politik am angeblich überholten Familienbild, nahm aber dabei kein einziges Mal das Wort Ehe in den Mund. Er ist damit einer listigen Auflösungsrhetorik auf den Leim gegangen: Auch Partnerbündnisse auf Zeit werden mit Kindern zur Familie – wer wollte das bezweifeln. Damit sind  sie auch vom Grundgesetz geschützt (vgl. oben). Wenn es aber einen grundgesetzlichen Familienschutz auch außerhalb der Ehe gibt, dann kann das Eheprivileg leichter gekippt werden. Der Konflikt um die Familie ist also ein Stellvertreterkrieg der Spaßgesellschaft, um zunächst das Grundgesetz-Pärchen »Ehe und Familie« zu entkoppeln und danach das familienentkoppelte Eheprivileg zu kippen. Die Angreifer haben zwar noch nicht die obersten Gericht erobert, wohl aber die zeitgeistgerechte Familienpolitik der Parteien. – Koan-Kontext-Frage: Großmächtige Parteienmeister, ein Schweizer Intelligenzblatt titelte am 1. März 2007: »Deutschlands Familienpolitik auf den Spuren der DDR. Die einst verpönte Kindergrippe dient der großen Koalition als Vorbild«. Wie hat es die kinderlose, ganz auf ihre Karriere ausgerichtete Kanzlerin geschafft, ein DDR-Modell politisch durchzusetzen, dem man noch vor wenigen Jahren eine emotional verarmte, zum Rechtsradikalismus und zur Ausländerfeindlichkeit neigende Jugend zurechnete? Ihre Parteigänger bejubeln heute das Kita-Programm, das sie einst noch verteufelten. – Antwortim Parteienchor: Bäume müssen sich im Sturm biegen, um nicht geknickt zu werden.

Mutter Meves. Seit Jahren herrscht ein ideologischer Frauenkrieg. Die Anti-Rabenmütter-Fraktion bekämpft das »romantische Familienbild«, das die Unersetzlichkeit der mütterlichen Nähe zu Kindern unter drei Jahren behauptet. Auch Kleinstkinder würden zunehmende Fremdbetreuung verkraften, wie es in zahlreichen Ländern praktiziert werde. Wer die »an alten Zeiten orientierte Ideologien« einer zeitengen Eltern-Kind-Beziehung vertrete, verkenne die Wirklichkeit: dass ein Drittel aller Kinder ohnehin unehelich zur Welt komme; dass Hausmütter kaum länger mit ihren Kindern sprächen als angebliche Rabenmütter; daß mutterbetreute Kinder ebenso alkohol- und gewaltanfällig seien usw. Daher soll »niemand mehr uns berufstätige Mütter für die Verwahrlosung der Jugend verantwortlich« machen (Sandra Kegel in der FAZ Nr. 46/2007, S. 31). Christa Meves (81 Jahre, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, mehrfache Mutter) dazu: Schon einfache Speicheltests belegten den erhöhten Streß bei fremdbetreuten Kleinkindern. »Die Fähigkeit, ein seelisch gesunder Mensch zu sein, der auch Krisen standhält, sowie die Intelligenz – dafür wird die Grundlage in den ersten drei Jahren gelegt« (FAZ Nr. 30/2007, S. 5).  Eine groß angelegte US-Studie des ›National Institute of Child Health and Human Development‹ begleitete 1.364 Kinder von der Geburt bis zum 12. Lebensjahr, um herauszufinden, wie sich Kinderfremdbetreuung auf das Verhalten auswirkt. Das Ergebnis ist nach Psychologieprofessor Jay Belsky, einem der Hauptautoren, eindeutig: Kinder, die von kleinauf in Kitas untergebracht werden, sind in der Schule häufiger Störenfriede, unabhängig von der Qualität der Kitas. – Koan-Kontext-Frage: Liebe Mutter Meves, warum leugnen so viele junge Frauen und alle politischen Kita-Betreiber diese niederschmetternden Befunde? – Zwischenrufe aus Wendehalskehlen: Weil viele junge Frauen heutzutage beides wollen, Kinder und Beruf. Weil die NICHD-Studie zu anderen Ergebnissen gekommen ist. Und weil auch die derzeitige Familienministerin die deutsche Gesellschaft über die ›neue‹ Familienpolitik verändern will. – Mutter Meves: ...

Männerumerziehung. Der Schreck amerikanischer Hochschulabsolventinnen war groß, als sie den Zweiten Genderdynamischen Erfahrungssatz (ZGE) schon in ihrem täglichen Umgang bestätigt fanden. Der EGE ist seit alters bekannt und lautet: Normale Frauen begehren starke Männer; Softys wirken weniger erotisch und regen Frauen zur Vermännlichung an. Der ZGE gefährdet die besten Frauenbiographien: Hochschulabgänger heiraten überzufällig häufig Frauen mit geringer qualifizierten Abschlüssen. Mit andern Worten: Je qualifizierter Frauen, um so geringer sind ihre Heiratschancen bei hochqualifizierten Männern, es sei denn, diese Frauen zeigen sich deutlich familienfreundlich. Das war ein Schock und zugleich eine Erklärungsempfehlung (zur Mutterschaftsbereitschaft). In Deutschland hat sich der ZGE unter Akademikerinnen (sie bilden bald die Mehrheit unter den Studierenden) noch nicht herumgesprochen. Hierzulande  geht man die heikle Sache lieber ideologiekritisch und evolutionsorientiert an. Etwa so: »Deutschland ist unterwegs zur geschlechtsneutralen Gesellschaft. Die Familienpolitik der Bundesregierung hat zwei Ziele: die Verstaatlichung der Kinder und die Umerziehung der Männer« (N. Bolz). Die von der Evolution vorgegebene geschlechtliche Arbeitsteilung, wonach die Frau die emotionale und der Mann die instrumentale Führung übernimmt, wird staatsoffiziell umgepolt in einen fürsorglichen Mann und in eine berufstätige Mutter. Das Berufsproblem der Mutter soll also, so N. Bolz, durch einen ›neuen‹ Mann gelöst werden. Darauf hätten sich die Feministinnen, Politiker und Bevölkerungswissenschaftler geeinigt. Doch diese Umerziehung des Mannes sei schwierig, weil evolutionswidrig und heiratschancenvermindernd. »Frauen bevorzugen Männer, die nicht wie Frauen sind. Männlichkeit ist das Produkt evolutionärer Selektion – also das, was Frauen immer schon geschätzt und gewählt haben. Der Mann ist folglich nicht fürsorgend, sondern beschützend«, schreibt N. Bolz in der FASZ Nr. 14/07, S. 13.  Die deutsche Variante des ZGE versucht, die Geschlechterasymmetrie durch eine Androgynisierung auszuhebeln. Alle tendieren in der Tat zur geschlechtslosen Mitte. Abweichler werden als Reaktionäre beschimpft und mit der Machokeule mundtot gemacht. N. Bolz: »Der Feminismus ist der Marxismus unserer Tage; er ködert das Ressentiment und vernebelt das Bewusstsein der Intellektuellen. Aber was heute nottut, ist nicht eine Kritik des Feminismus, sondern der Mut zur Männlichkeit. In der 68er-Bewegung war nicht die Radikalität der Jungen, sondern die Feigheit der Alten das Problem. Heute ist nicht die Radikalität der Feministinnen, sondern die Feigheit der Männer das Problem.« Die Medien, voran das zum Frauenmedium mutierte Fernsehen, liegen voll im Trend dieser androgynen Strategie. Auch die Wirtschaft macht begeistert mit und bevorzugt zunehmend feminine Verhaltensmuster (schon beim Einstellungsgespräch). Schulen sind weitgehend zur Domäne von Frauen geworden und entziehen den Jungen männliche Vorbilder. Männliche Schüler lernen, sich wie Mädchen zu verhalten und neigen, als Opfer des Evolutionsfurors, zur Gewalt. – Koan-Kontext-Frage: Verehrter Meister Suzuki, was ist so schlimm an einer androgyn gewordenen Gesellschaft? – Antwort: Schau auf den gespannten Bogen. Und auf die Alten, wie sie...
© WALTHARI®. Aus: www.walthari.com. 


Vom 24. März 2007

Zum gestörten deutsch-tschechischen Verhältnis

Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer

Im Feuilleton der FAZ vom 24. März 2007 kann man nachlesen, wie es um das Verhältnis der in Prag lebenden Tschechen und Deutschen um die vorletzte Jahrhundertwende stand. Der Autor, Sven Creefeld, berichtet im biographischen Spiegel des ›rasenden Reporters‹ Egon Erwin Kisch (1885-1948) von den Spannungen zwischen den damals noch wenigen verbliebenen Deutschen (meist Juden) und der slawischen Stadtmehrheit. Im Jahre 1900 lebten nur noch 7,5 Prozent Deutsche in der Moldaustadt, 1880 waren es 15,5 Prozent, um 1850 und in allen Jahrhunderten davor (bis ins Mittelalter) stets mehr als 20 Prozent.

Wie läßt sich der dramatische Rückgang erklären? Warum lohnt sich eine Erinnerung daran? Nach 1945 wurden aus Böhmen und Mähren 3,7 Millionen Deutsche von den Tschechen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Die grausamen Vorkommnisse und Entrechtungen werden bis heute von tschechischen Parteien, Regierungen und Staatspräsidenten (seit 1945) einzig mit dem Nazi-Terror erklärt. Die ethnischen Säuberungen durch die Tschechen, staatsoffiziell gedeckt durch die Beneš-Dekrete (Edvard Beneš war bis 1948 Staatspräsident), seien, so heißt es in Prag, nichts anderes als eine gerechtfertigte Rache gewesen. 
Schon der biographische Bericht in der FAZ macht deutlich, daß Tschechien damit grobe Geschichtsfälschungen betreibt und auf weiterhin unterbleibende Aufklärung hofft. Auf Prag bezogen: 1. Zwischen den Deutschen und den (zumeist zum Deutschtum sich bekennenden) Juden einerseits und den Tschechen andererseits bestanden seit je Rivalitäten. Die wohlhabenderen Deutschen wohnten in der Altstadt, die ärmeren Slawen meist auf der Kleinseite. 2. Neben wirtschaftlich-sozialen und religiösen Unterschieden bestanden auch politische. In den Augen der Tschechen war der Kaiser (er nannte sich deutsch-römisch) zumeist eine fremde Macht, gleichgültig, ob er in Wien oder Prag residierte. 3. Ärgerlich für die Tschechen war auch, daß die Juden, die zeitweilig ein Fünftel der Stadtbevölkerung ausmachten, mehrheitlich dem Deutschtum, nicht dem Slawentum sich zugehörig fühlten. Beweis dafür ist die blühende deutsch-jüdische Literatur in Prag zwischen 1890 und 1930. Neben Autoren wie Franz Kafka, Franz Werfel und (in den Anfängen) Rainer Maria Rilke, die zur Weltliteratur gehören, wären zahlreiche andere Schriftsteller von Rang zu nennen, darunter eben auch Egon Erwin Kisch. Zu den schmerzlichen Identitätslücken der slawischen Nationalisten an der Moldau zählt auch diese Prager Literatur, die am Ende einer vielhundertjährigen deutschen Kultur nicht nur in Prag, sondern in ganz Böhmen und Mähren steht. Erst im Jahre 1861 verloren die Deutschen die Mehrheit im Prager Stadtrat. Danach setzte aufgrund der Spannungen ein Rückzug der Deutschen aus der Stadt ein. Die verbliebenen Deutschsprechenden waren meist Juden, deren Jugend im Herbst 1896 einen Fußballclub gründete, der mit dem slawischen Arbeiterclub AC Sparta allerdings nicht nur in einem sportlichen Wettbewerb stand. Davon berichtet anschaulich Egon Erwin Kisch. Der jüdische Deutsche Fußball-Club (DFC) in Prag war einer der 86 Gründungsmitglieder des DFB im Jahre 1900! Kaum ein deutscher Pragbesucher kennt den Beitrag der Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Deutschen an der Moldau, darunter auch die Gründung der Karls-Universität (1348), der ersten deutschen Universität überhaupt. Die Tschechen wollen sich an all das nur ungern erinnern. Carolinum heißt heute die Hohe Schule, die über sechs Jahrhunderte unterschiedliche Landsmannschaften über die Wissenschaften friedlich zu vereinen suchte.
(Vgl. ergänzend den Beitrag in Heft 48 der Literaturzeitschrift WALTHARI: ›Tschechische Vertreibungsverbrechen‹).
© WALTHARI® . Aus: www.walthari.com.


11. März 2007 

Gestalten des Bösen
Aus: WALTHARI, Zeitschrift für Literatur, Heft 44/2005

Das Böse nimmt vielerlei Gestalten an, es kann im Verborgenen wirken und in leibhaftigen Formen  auftreten, wobei das leibhaftig gewordene Böse sowohl als gedachte und gespielte als auch in realer Personalität auftreten kann. Am personellen Ende der Erscheinungsskala des Malum agieren die Figuren der theologischen Teufelslehren (vgl. Vorgrimmler, H.: ›Die Geschichte der Hölle‹, München 1994), Goethes Mephisto (vgl. den folgenden Beitrag über literarische Bösewichte) und die sattsam bekannten, abgrundtief verrohten Menschenschlächter und -schinder (darunter die Vertreiber von Menschen aus ihrer Heimat). Das Satanische als personifizierte Gestalt ist also nicht auf die Teufelsfigur und auf Großtyrannen beschränkt, es tritt als vielköpfige Hydra in Erscheinung und trägt zuweilen auch Priesterkragen (wie in Polen nach 1945) und geweihte Bärte (wenn Imame zum Mord aufrufen).
Am anderen Ende der Erscheinungsskala lauert das Böse als Prinzip und Potenz. Prinzipiell Böses, das keine personelle Gestalt annimmt, ergießt sich aus Systemen, deren Neigung es ist, im ›maschinenhaft‹-kalten Ablauf den Menschen zum bloßen Objekt zu machen und ihn damit in seiner Würde und Freiheit einzuschränken. Diese verwerfliche Gestaltform ist keineswegs nur in politischen, religiösen u. a. Diktaturen anzutreffen, man begegnet ihr in jeder Form menschlicher Gemeinschaft, in denen Normierungen mehr gelten als Spiel-Räume für freie Entscheidungen. Unterstellt man, daß Freiheitsbeschränkungen wider Willen der Betroffenen stets ›böse Züge‹ tragen, so kann das Böse als Prinzip immanenter Bestandteil aller sozialen Formationen sein, von der Familie über Institutionen bis zu demokratisch sich wähnender Staaten. Dieses Systemböse (und nicht das personifizierte Böse) ist die ›satanische‹ Hauptgestalt der Postmoderne. Wenn Parteiendemokratien mit einer Gesetzesflut den Bürger zu entmündigen versuchen; wenn an Universitäten die Freiheit von Forschung und Lehre hochschulpolitisch bedroht wird; wenn die Staatsschulden sozialpolitisch kriminelle Ausmaße annehmen (kriminell: weil ungefragte Dritte, nämlich künftige Generationen, die Schulden begleichen müssen, die aus jeweils maßlosem Gegenwartsverbrauch entstanden sind); wenn bewährte gewachsene Traditionen ideologisch zerstört werden, so hat man es mit Bösem zu tun, das systembedingt am Werk ist. Kennzeichen dieses Systembösen sind seine personale Anonymität, seine schleichende Wirkung und seine Unausweichlichkeit im Gewande geschützter Rechtfertigungen. Der überzogene Sozialstaat mit seinen verwerflichen Auswirkungen ist dafür ein klassisches Beispiel: Die Sozialkassen werden anonym ausgebeutet, und es dauert Jahre und Jahrzehnte, bis das Verwerfliche allgemein erkannt wird; all dies geschieht unter dem Legitimitätsdach einer verfassungsrechtlich geschützten Sozialgesetzgebung; am Ende hinterläßt die Parteiendemokratie (als Hauptverantwortliche: Sozialdotierungen garantieren Wählbarkeit) nicht allein einen fiskalischen Bankrott, schlimmer noch sind die mentalen und gesellschaftlichen Verwerfungen, wofür Deutschland gegenwärtig ein trauriges Beispiel abgibt. 
Um das Böse als Potenz auszumachen, muß man nicht erst Theologie und Geschichte bemühen, es ist immanenter Bestandteil der menschlichen Natur (Kant). Schon Kinder können, trotz mühevoller Erziehung, untereinander grausam sein; die Versuchung zur bösen Tat im Erwachsenenalter sind Legion. Dabei ist die Disposition zum verwerflichen Denken und Handeln keineswegs auf pathologische Naturen beschränkt und auch kein Privileg von Herrschenden...
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus:www.walthari.com


7. November 2006

Herakles – eine literarische Urgestalt des Leidens und erster Europäer

Von Erich Dauenhauer

Zum Ende des 5. Jahrhunderts zeichnete sich auf Sizilien eine schwere Niederlage Athens ab (vgl. den Reisebericht in diesem und nächsten WALTHARI-Heft). Der Friede von Nikas, mit dem der Peloponnesische  Krieg mit den Spartanern beendet worden wäre, wackelte. Die Glanzmetropole der Antike begann an sich zu zweifeln und fühlte sich von ihren Göttern verraten. In der Stadt gaben geschwätzige Sophisten und atheistische Skeptiker den Ton an, darunter Protagoras (um 480-410 v.Chr.), der als Wanderredner ganz Attika aufschreckte mit dem Lehrsatz: »Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der seienden, daß sie sind, und der nichtseienden, daß sie nicht sind.« Das war ein Angriff auf die Götter und auf die Wahrheit überhaupt, weshalb er verurteilt, aus Athen verbannt und von einem Schicksal heimgesucht wurde (er ertrank auf der Überfahrt nach Sizilien). Der Einfluß seiner Relativismuslehre war so groß, daß sie Sokrates zu einem berühmten Disput reizte (›Protagoras‹ von Platon, entstanden etwa 399 v.Chr.). In dieser kritischen Lage im Äußeren wie im Inneren sehnten sich die Athener nach einer rettenden starken Hand, die sowohl den Götter- als auch den Selbstzweifel beseitigen könnte. Bewährter Nothelfer seit Jahrhunderten war der Halbgott Herakles, illegitimer Sohn des Zeus. Der Göttervater hatte sich als Gatte der Alkmene verkleidet, um mit dieser Herakles zu zeugen, woraufhin Hera, die Gattin des Zeus, Rache schwor und den Sprößling ein Leben lang verfolgte (daher sein Name: Hera-kles, der durch Hera Berühmte). Daraus ergab sich eine endlose Geschichte (von Leiden und Taten), die als mythologische Themenvorlage nahezu drei Jahrtausende auf die Kunst, Philosophie und Religion einwirkte. Die Heraklesthematik spannt sich von Homer (Ilias, 19 96-133) über J.S. Bach (Kantate ›Herakles am Scheideweg‹, 1733) und Fr. Dürrenmatt bis in unsere Gegenwart. Die Faszination der mythischen Gestalt ergibt sich aus der Mischung von titanischer Stärke mit grenzenloser Leidensfähigkeit, aus Tugendhaftigkeit (mutiger Nothelfer der Bedrängten) und bizarrer Brutalität. In den Augen der Griechen dominierte sein Heroismus: Ausgestattet mit seiner Keule als Wunderwaffe und dem Fell eines erlegten Löwen durchsteht er alle Gefahren. Das christliche Mittelalter und die frühe Renaissance sahen in ihm das heidnische Gegenstück zu Christus: dieser wie jener ein Halbgott, beide hinabgestiegen zur Hölle (Hades) und Sieger über das Böse, Wundertaten hier wie dort (bei Herakles die Hydra-, Augiasgeschichte u.v.a.). Beide extrem leidensfähig und Opfer blinden Unverstands (Kreuzestod hier, Scheiterhaufen dort). Im Jahre 415 v. Chr. suchte der schon fast siebzigjährige Tragödiendichter Euripides die verunsicherten Athener mit der Heraklesgestalt aufzurütteln. Sein Stück griff einen Mythos auf, den jedes Kind der Stadt kannte: 
Der Held mit dem Löwenmut steigt in die Unterwelt hinab. Zur gleichen Zeit riß Lykos in Theben die Macht an sich, nachdem er den rechtmäßigen Herrscher Kreon erschlagen hat. Herakles Stiefvater (Amphytrion) und die Thebaner leiden unter dem Tyrannen Lykos. Als Herakles aus der Unterwelt zurückkehrt, tötet er den Tyrannen. Dem scheinbaren guten Ende folgt das eigentliche Drama, mit dem Euripides eine revolutionäre Wende im Denken der Athener erreichen wollte, ganz im Sinne des Protagoras, unter dessen Einfluß der Dichter offensichtlich stand. Auf dem Dach des thebanischen Palastes lassen sich Isis, die Dienerin der Hera, und Lyssa, die Göttin der Raserei, nieder; sie schlagen Herakles mit Wahnsinn. In diesem Zustand bringt er seine Frau und die eigenen Kinder um. Als er aus seiner Raserei erwacht, sieht er sich an eine Säule gefesselt. Der Palast ist zerstört und der Missetäter will vor Gram und Schuld sich umbringen. Da erscheint sein Freund Theseus, den er aus der Unterwelt befreit hatte, und überredet ihn zum Weiterleben und zur Reise ins fremd gewordene Athen. 
Was der Dichter in diesen Mythos eingeflochten hat, entpuppt sich als Sprengsatz von weltgeschichtlicher Wirkung. Die Hauptlinien: (1) Wer handelt, macht sich schuldig, ob er will oder nicht; der Weltenlauf kann einen in den Wahnsinn treiben. (2) Nicht einmal Löwenmut kann vor Leiden bewahren. (3) Vertrauen in die eigenen Kräfte bewahrt vor den Launen der Götter: »Ein Gott, der ein Gott ist, braucht nichts auf der Welt. / Von Menschen sind all diese Märchen erdacht!«, heißt es andeutungsreich im Stück. (4) Obschon schuldig geworden, bringt Herakles den Heroismus auf, in der Fremde (Athen) weiterzuleben. Vers 1351 wird als Grundformel des abendländischen Menschen gedeutet, weshalb man Herakles als ersten Europäer bezeichnet hat: »Ich werde das Leben wagen!« Die Folgen des eigenen Tuns sind auf niemanden abzuschieben, weder auf Götter noch auf böse Mächte. 
Den Athenern gab Euripides zu verstehen: Scheut keine Wagnisse! Glaubt an euch! Erkennt den unausweichlichen Zusammengang von Handeln, Schuld und Leid! Ertragt heroisch den Schmerz des Lebens wie einst Herakles! Bei Euripides finden sich Anklänge der poetischen Negativität (vgl. den Beitrag ›Ästhetik des Leidens‹ in diesem Heft). Herakles erkennt in der Schlußszene, daß keine Stärke vor Unglück bewahren kann: »So wirft das Unglück auch den Stärksten nieder« (Vers 1396). Aus »Schickung« sind wir alle »elend«: »Alle hat uns Heras Schickung vernichtet: alle sind wir elend« (Vers 1394). Auch die ruhmreichste Tat reicht nicht hin, das Leid zu begreifen (Verse 1410 f.). Dennoch die Schlußfanfare: »Wie also darfst du, sterbliches Geschöpf, ein Schicksal unerträglich finden wollen, dem sich die Götter fügen?« (Vers 1320 f.; in der Übersetzung von Wilamowitz-Moellendorff, U. von: ›Griechische Tragödien‹, Berlin 1904, S. 362 ff.). 
Aus: Literaturzeitschrift WALTHARI, Heft 45/2006, S. 58 – 61.
© WALTHARI® 


Feiges Bürgertum war Schwerpunktthema des Heftes 32/1999 
der Literaturzeitschrift WALTHARI. Hier einige Textproben:
 
 

Feiges Bürgertum
- Über das Verschwinden der Tapferkeit -

In seinem Sessel feige-dumm 
sitzt schweigend das Fernsehpublikum.

I

Als Karl Marx seine Landsleute resignierend-bissig in das Reimpaar packte »In seinem Sessel behaglich dumm / sitzt schweigend das deutsche Publikum«, hätte sich selbst seine revolutionär hochtrainierte Phantasie nicht ausmalen können, was ein Jahrhundert später aus der schweigenden Dummheit geworden ist: ein globales Sesselphänomen. Mit seiner Publikumsbeschimpfung trat der Schreibtischrevolutionär eine allgemein menschliche, also nicht nur deutsche Verhaltensneigung, nämlich behaglich-dumm aus der Sesselperspektive dem Welttheater schweigend zuzuschauen. Aus der behaglichen Sesselperspektive, das heißt: untätig, ängstlich, vergnügt, berechnend. Dumm kann in diesem Zusammenhang nur bedeuten, daß man sich die Folgen der schweigenden Sesselexistenz nicht ausmalt. Damit sind zwei Merkmale in’s Spiel gebracht, die zum Wesen der Feigheit gehören.
Feigheit ist ohne Zweifel eine anthropologische Verhaltensdisposition. Menschen neigen aus Angst, Berechnung und Denkfaulheit dazu, vor Gefahren zu fliehen, sich zu verstecken oder die behagliche Sesselposition zu wählen, sei es, um zu überleben oder um nicht gestört zu werden, sei es, um sich hämisch zu vergnügen. Warum feige Behaglichkeit gerade im Fernsehzeitalter zum Erkennungscode für bürgerliches Verhalten geworden ist, braucht weniger bewiesen als erinnernd demonstriert zu werden. War es doch in allen Epochen für Bürgerlichkeit kennzeichnend, daß man tätig und tatkräftig, beruflich und gesellschaftlich hervortrat.

II

In Westernfilmen beginnt bekanntlich die Sache erst spannend zu werden, wenn das Wort Feigheit gefallen ist. Noch im billigsten Hollywoodstreifen kommt die ganze Bedeutungsbreite des Begriffs zum Ausdruck: Redliche Bürger kneifen vor eindringenden Bösewichten und lassen, Familienpflichten und, mimikrymisch, eigene Untauglichkeit vorschiebend, den Hüter des Gesetzes allein; Feigheitsvorwürfe müssen in den Western aber auch dazu herhalten, übermütiges Auftreten zu provozieren und Risiken schlecht zu kalkulieren. Von der Unerschrockenheit zum Übermut ist es also meist nur ein kleiner Schritt, wie wir aus heroischen und nationalistischen Zeitaltern nur allzu gut wissen. Die Gefahrenschwelle sollte also stets gegenwärtig sein, wenn vom Mut und seinem Gegenteil, der Feigheit, die Rede ist.

Die drei Hauptmotive für Feigheit sind schon genannt worden. Angst begleitet den Menschen wie ein Daseinsschatten. Lebenspragmatisch ist sie ein Warnsignal vor und in Gefahrenlagen. So sehr sie freilich schützen und, in Grenzfällen, ein Überleben sichern kann, so mißbräuchlich verleitet sie auch dazu oder muß dafür herhalten, jedem Risiko aus dem Wege zu gehen. Da nun aber ein Leben ohne Risiken nicht geführt werden kann, gehört zur Angst die Wagnisbereitschaft so notwendig wie frische Luft zum stärkenden Atmen. Angst ohne Mutbereitschaft entpuppt sich als Fahrkarte in eine Sackgasse der Evolution.

Berechnung, das zweite Hauptmotiv für Feigheit, bucht fehlenden eigenen Mut auf fremde Konten um. Statt selbst die Gefahr anzunehmen, überläßt man das riskante Geschäft trickreich anderen, indem man sie dafür bezahlt, scheinheilig lobt oder eigene Gebrechen vorschiebt. Dahinter kann sich tatsächliche Kleinmütigkeit verborgen halten, also ein wahrer oder eingebildeter kleiner Mut, in der Regel aber fehlt es dem Berechnenden nicht an eigener Wagnisfähigkeit, er ersetzt oder verdeckt diese vielmehr durch schlaues Verhalten. Ethisch handelt es sich nicht allein um die Mißachtung einer Kardinaltugend, der Tapferkeit nämlich; als wagnisentsorgtes Leben auf fremden Mutkonten sind solche Tricks sittlich in hohem Grade verwerflich. Wer andere Menschen in eine Gefahrenabwehr hineintreibt oder lockt, obschon es seine ureigene Aufgabe wäre und er selber auch das Zeug dazu hätte, begeht sozialen Betrug.

Kaum entschuldbar ist auch das dritte Hauptmotiv für Feigheit, die Faulheit im Denken. Denkfaulheit darf nicht mit fehlender Intelligenz verwechselt werden. Gemeint ist jene Form von sozialer Dummheit (es gibt mehrere), die sich darin gefällt, über den behaglichen Sesselhorizont nicht hinauszudenken. War hierfür im 19.Jahrhundert der Kleinbürger die klassische Negativfigur, so ist es in Zeiten der okulartyrannischen Teleoligarchie der biertrinkende Sesselhocker. Haben einst Adel und Kirche von eigenem Weiterdenken befreit, so entlasten heute Medien und andere Vor-Denker den bürgerlichen Kopf. Man läßt für sich um die schwierigen Ecken denken, ehemals im Auftrag Gottes, aus dem man auch das Gottesgnadentum ableitete, heutzutage nach Maßgaben anderer höherer Auftraggeber, darunter die Verfassung, die bestimmte Vor-Redner und  -Schreiber zum entlastenden Denken privilegiert.

III

Wende man den Blick von den Wurzeln der Feigheit auf ihre widerstreitende Schwester, die Tapferkeit, um über verpaßte Möglichkeiten (durch feiges Taktieren und Nichtstun) nachzudenken, so wird man erst gewahr...
Aus:  Literaturzeitschrift WALTHARI 32/1999, S. 10 ff.  in: www.walthari.com. 

24. Juli 2000

Netzgeflüster
Oder wie man einen lästigen Parteienkritiker mundtot machen wird.
- Eine Vorschau -

P - ...unerhört, diese Anwürfe, und dazu noch in einem Offenen Brief im Internet! Das kann so nicht stehen bleiben!
S - Ich frage unseren jungen Anwalt: justiziabel oder nicht? Wir lassen doch nicht unseren Boss beleidigen!
J - Nicht justiziabel, eindeutig nicht. Vor keinem Gericht kämen wir durch, schon deshalb nicht, weil der kritisierte Sachverhalt ja hieb- und stichfest ist. Der Kritisierte gibt sich ja tatsächlich bürgerfreundlich, und sein Vorschlag ist es bei genauem Hinsehen ja leider nicht. Ich muß das intern so deutlich sagen, weil es keinen Sinn hätte, dagegen...
D - Na schön, aber diese raffinierte Anspielung ist doch nicht hinnehmbar! Da denkt doch jeder weiter.
J - Weiterdenken ist nicht strafbar. Was im Offenen Brief steht, fällt unter den Schutz der freien Meinungsäußerung. Ich rate deshalb dringend davon ab, die ganze Sache hochzuspielen - es könnte ein Rohrkrepierer werden.
D - Dann müssen wir uns eben was Neues ausdenken...
S - Was heißt neu! In solchen Fällen greifen wir zu grauen Methoden. Die haben sich bestens bewährt - oder?
J - Ich bin noch relativ neu in dem Hintergrundgeschäft...
P - Dann können Sie gleich etwas lernen. Was wir einzig von Ihnen erwarten: Warnen Sie uns, wenn’s juristisch allzu gefährlich wird. Alles Andere ist unser Geschäft.
S Ich hab’ schon mal vorsorglich recherchieren lassen. Sein Schwächeprofil fällt wenig ergiebig aus.
D - Das gibt’s doch nicht! Jeder Mensch hat irgendeinen Webfehler, den man öffentlich ausschlachten kann!
S - Denkste! Dienstlich ist bei ihm nichts breitzutreten.
P - Wie steht’s mit Jugendsünden? Bei seinem scharfen Ton wird er bestimmt mal irgendwann rechts- oder linksextremistisch aktiv gewesen sein, vermute ich mal.
S - Nichts dergleichen, leider. Kein linker Achtundsechziger und kein rechter Burschenschaftler - eine ganz normale Schul- und Studienzeit.
J - Gefällt mir - beste Voraussetzungen für eine juristische Laufbahn. 
D - Das ist ja furchtbar! Stinknormale Zeitgenossen gehen mir auf die Nerven.
P - Wirklich kein extremistischer Ausrutscher? Auch keine Vorstrafen, nicht einmal ein Techtelmechtel? Hat er vielleicht mal einer geheimen Sekte angehört? 
S - Die bekämpft er vehement in seinen Büchern.
D - Wenn real nichts zu finden ist, müssen wir eben was erfinden...
J - Erfinden?
P - Ja, es muß nur glaubwürdig klingen. Diese Killermethode wählen wir immer nur als ultima ratio. Wenn eine Weste zu weiß ist, müssen eben Flecken drauf.
D - Etwas bleibt nämlich immer hängen. Je gröber, um so wirksamer.
J - Aber wir machen uns doch strafbar! Ganz abgesehen von der moralischen Seite!
P - (lacht) Die Moral, die Moral, die hat ihren schönen Platz in Sonntagsreden.
S - Gefährlich wird es nur, wenn man’s blöd einfädelt und dabei erwischt wird. Uns ist sowas noch nie passiert. Also keine Sorge.
D - Absolut tödlich für ihn wäre es zum Beispiel, wenn man ihm geistigen Diebstahl nachweisen könnte.
P - Darüber habe ich ein Hintergrundgespräch mit einem seiner Kollegen geführt, ganz unverdächtig natürlich.
S - Und?
P - Alles saubere Arbeiten. Kein Ideenklau, keine Quellenunterschlagungen. Wegen einer Fußnote ist er mal in ein dreihundert Kilometer entferntes Archiv gefahren...
D - Wer’s glaubt, ist blöd. Man sollte ihm McKinsey auf den Hals hetzen, diese Wühler finden immer was Negatives.
P - Führt an unserem Thema vorbei, wir suchen nach einem erfundenen Anhängsel - es muß nur plausibel klingen.
S - Dann stecken wir mal die Köpfe zusammen, Brainstorming nach Art des Münchhausen.
J - Ohne mich! Das riecht mir sehr nach Strafgesetzbuch.
P - Ich sagte Ihnen doch, wenn man’s professionell einfädelt, besteht keine Gefahr. Glauben Sie uns, wir kennen die sicheren Schleichwege, auf denen man Lügenpakete anonym versenden muß, damit sie in die richtigen Hände gelangen.
J - Trotzdem - ich steige aus. Mir wird der Boden zu heiß.
D - Bitte schön, wenn Ihr juristisches Herzklopfen unerträglich wird, dann verdrücken Sie sich nur. Wir sind hier nicht im Hörsaal, wo’s aseptisch zugeht. Im rauhen öffentlichen Meinungskampf wird mit harten Bandagen gekämpft.
J - Ich sollte Sie warnen, wenn’s juristisch brenzlig wird, und Sie sind gerade dabei, über ein Minenfeld zu laufen. Es könnte mehr als einer in die Luft fliegen.
S - Wir schlängeln uns da schon durch, denn unsere Pfadführer kennen jeden Schleichweg.
P - Vertrauen Sie uns doch endlich: Wir beherrschen die Technik des gelenkten Zufalls (lacht verschmitzt). Spin heißt das im Fachjargon.
D - Dabei muß man von ganz unverdächtiger Seite etwas nachhelfen - mit einem leisen Wink, um den vagen Verdacht überzeugender ins Spiel zu bringen. Nicht ohne Risiko, zugegeben, aber sehr unterhaltsam und wirksam.
S - Wenn’s klappt, und meistens klappt es, dann rattert’s aus den Medien wie aus Maschinengewehren. Das Opfer wird regelrecht niedergemäht. 
J - Das ist ja eine Anstiftung zum unverantwortlichen Verdachtsjournalismus!
P - Ganz recht, eine sehr wirksame und manchmal eben notwendige Methode. Wir tun das nur um einer höheren Sache willen. Niemand darf ungestraft an einem hohen Staatsamt kratzen.
J - Hat er doch gar nicht! Weder das Amt noch die Person hat er geschmäht, sondern allein einen undurchdachten Vorschlag kritisiert. 
P - Seit wann können die Bürger das auseinanderhalten?!
D - Macht endlich Schluß mit dem unnützen Palaver! Wir suchen etwas Anrüchiges, das einen aufmüpfigen Eierkopf mundtot macht. Hat einer ‘ne Idee?
S - Da gab’s doch mal die Kampagne über faule ...
P - Zieht bei dem nicht. Ein luftiges Lügenpäckchen, über das alle lachen würden, die ihn kennen, und das sind nicht wenige. 
S - Hat der überhaupt mal was Produktives geleistet? 
D - Hat er - und nicht wenig! Unter Fachleuten ist er eine positive Nummer.
J - Ich seh’ schon, lügen ist schwieriger, als ich dachte. Sollen wir nicht der Einfachheit halber bei der Wahrheit bleiben?
S  - Jetzt verspottet der uns auch noch! Nicht genug, daß er uns ständig ausbremst!
P - So kommen wir heute nicht weiter! Am besten vertagen wir die Sache. Es wird uns schon bald etwas einfallen.
©WALTHARI®, aus:  www.walthari.com
 
 



14. Mai 2003
Der islamische Märtyrerkult als Herrschaftsinstrument 

1

In den drei abrahamistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) ist der Gedanke des Verfolgtwerdens und der opferbereiten Bezeugung ein zentraler Glaubensbestandteil. Exemplarisch dafür steht das Wort Christi, das denjenigen (himmlische) Seligkeit verheißt, die um seinetwillen verfolgt werden. Sozialpsychologisch liegt hier eine Immunisierungsstrategie vor, die erklärt, warum die genannten Religionen auch schwerste Verfolgungen bisher überstanden haben, zumal eine historische Tendenz erkennbar ist, Verfolgungen als eigentlichen Prüfstein für Glaubensfestigkeit anzusehen. Im Extremfall können sich einzelne Gläubige geradezu danach sehnen, von Gott dadurch geprüft zu werden, daß er Peiniger schickt. Christus selbst verlangt den »treuen Zeugen« (Apk 1,5; 3,14), und der Islam gebietet allen Muslimen, ihren Glauben notfalls mit dem eigenen Tod zu bezeugen.

2

Sowohl beim Christentum als auch im Islam gehört der Opfertod bereits zu den Gründungsmythen. Christus hat sich am Kreuz geopfert, und die Schiiten betrachten Ali, den Schweigersohn und Vetter Mohammeds, als rechtmäßigen Nachfolger des Propheten. Ali wurde ermordet, und Hussein, zweitältester Sohn Alis und dessen Nachfolger gilt als ›König der Märtyrer‹ (Sha-i Shuhada), weil er mit 72 Getreuen in der ›Schlacht‹ bei Kerbela (680 n.Chr.) gegen eine 50fache Übermacht des Kalifen Yazid für seine Glaubensüberzeugung starb. Die ersten schiitischen Märtyrer starben in einem innerislamischen Waffengang. Seitdem steht der Märtyrerkult (Âshûrâ) im Mittelpunkt kämpferischer islamischer Glaubensüberzeugung. 

3

Dieses religiöse Merkmal trifft (mit Ausnahme des Kämpferischen) ebenfalls für das Christentum zu, auch wenn seine neuzeitliche Weltlichkeit einen anderen Eindruck hinterläßt und Christenverfolgungen (heute noch in Asien und Afrika) mit politisch-militärischen Mitteln abgewehrt und nicht mehr als Glaubensprüfung verinnerlicht werden. Kein geringerer als Karl Rahner erklärt das Martyrium »zum Wesen der Kirche, da an ihm der christliche Tod schlechthin zur Erscheinung kommt, als der Tod des freien Glaubens, der sonst in der Zweideutigkeit alles menschlichen Geschehens verborgen ist. Im Martyrium erhält die Heiligkeit der Kirche als nicht nur subjektive, sondern auch Gottes durch Gnade gewirkte ihre notwendige Greifbarkeit, die aus ihr im ausgezeichnetsten Sinn ein Glaubwürdigkeitsmotiv macht. Von daher wird auch verständlich, warum die theol. Tradition von den ältesten Zeiten her dem Martyrium dieselbe rechtfertigende Kraft wie der Taufe zuschreibt (Martyrium = ›Bluttaufe‹). Diese Kraft hat das Martyrium nicht bloß darum, weil es als Akt glaubender Liebe rechtfertigt auch vor dem Sakrament, wie jeder Akt glaubender Liebe es auch sonst tut. Die rechtfertigende Kraft des Martyrium ist gewissermaßen sakramentaler Art: es ist ja das Erscheinen einer gnadenhaften Wirklichkeit, die Greifbarkeit einer Gnadentat Gottes am Menschen. Daß es diesen Tod in der Kirche in dieser Zahl, durch alle Zeiten hindurch, als frei übernommenen gibt, das zeugt für die überweltliche Herkunft der Kirche« (Rahner, K. u. Vorgrimler, H.: Kleines theologisches Wörterbuch, Freiburg/Br. 1971, 8. Auflage, S. 235). Dem Märtyrer (martys, gr. = Zeuge) wird danach die besondere Gnade Gottes erwiesen, die »überweltliche Herkunft der Kirche« zu beglaubigen. Mit Inbrunst pflegen daher die christlichen Kirchen den Märtyrerkult und erinnern in der Liturgie, in Liedern und in Gebeten ihrer zahlreichen Blutzeugen, die sie durch Selig- und Heiligsprechungen zur Altarswürde erheben. Der heilige Laurentius z.B. verweigerte unter dem römischen Kaiser Valerian (245-260) heidnische Opferdienste und wurde zu Tode gefoltert. 

4

Der Islam vollzog von Anfang an einen folgenschweren Zusatzschritt. Während der Buddhismus reine Glaubensgemeinschaft blieb, verstand sich das Christentum stets zusätzlich als Bekenntnisgemeinschaft. Als Christ  hat man seinen Glauben auch öffentlich zu bekennen, notfalls auch mit dem Opfertod zu bezeugen. Von Muslimen wird darüber hinaus verlangt, daß sie eine kämpferische Haltung einnehmen. Am Status des Märtyrers wird der fundamentale Unterschied überdeutlich: Der christliche Märtyrer tötet nicht Andersgläubige und würde dafür auch nicht belohnt; und er tötet auch in keinem Falle sich selber, um etwas zu bezeugen oder abzuwehren. Der christliche Märtyrer wird in der Nachfolge Christi getötet. Demgegenüber hat der Islam eine differenzierte Märtyrerlehre und -praxis entwickelt, die sich durch ihre durchgehend kämpferische Haltung (Dschihad) vom christlichen Märtyrerbild scharf unterscheidet. Zwar hat es auch während der zweitausendjährigen christlichen Märtyrergeschichte kämpferische Einschläge gegeben, aber diese waren epochentemporär und nicht substanzieller und schon gar kein Lehrbestandteil des Märtyrerkults wie im Islam. Päpste versprachen Teilnehmern an Kreuzzügen himmlischen Lohn, wenn sie im Kampf gegen die Heiden stürben. Und auch Albrecht Dürer machte sich im Jahre 1521 für ein christliches Martyrium im Kampf gegen papistische Schurken stark, als er in Antwerpen der Falschmeldung aufsaß, Martin Luther sei entführt und ermordet worden. Solche Kampfeinstellungen stehen in schroffem Gegensatz zur Duldernatur in der Nachfolge Christi. Der islamische Märtyrer ist alles andere als ein Dulder von Leiden und Unrecht. Die Schriften und Lehren rufen ihn zur Tat und Gegenwehr und auch zum Töten anderer auf, und manche Korangelehrte rechtfertigen sogar den Selbstmord als Terrorwaffe. Zu unterscheiden sind: (1) Märtyrer, die auf dem Schlachtfeld sterben, sei es durch Ungläubige oder im Kampf um die rechte Lehre oder gegen Tyrannen. (2) Märtyrer, die durch andersartige Gewalteinwirkung sterben, etwa durch Krankheiten. (3) Märtyrer, die während der Pilgerfahrt eines natürlichen Todes sterben. (4) Lebende Märtyrer sind alle Muslime, die den ›großen Schihad‹ praktizieren, d.h. den Kampf gegen eigene Schwächen und weltlichen Begierden erfolgreich bestehen. Der iranische Ayatollah Khomeini bezeichnete es als höchstes Glück, das einem Muslimen widerfahren könne, den Märtyrertod zu sterben; es würden ihm nämlich alle seine Sünden vergeben; alle paradiesischen Verheißungen stünden ihm offen. Der höchste ägyptische Geistliche rechtfertigt sogar die palästinensischen Selbstmordattentate als geheiligte Handlungen islamischer Märtyrer. Ihnen und allen Muslimen, die »auf dem Weg Allahs« sterben (Shahids genannt), werden Vorrechte im Paradies zugesichert.
Die für westliche Gesellschaften unbegreifliche Sehnsucht vieler junger Muslime, als Märtyrer zu sterben, erklärt sich aus dem theologischen Status der Märtyrer: (1) Märtyrer (Shahids) werden im Jenseits nicht dem Verhör der beiden Todesengel Munkar und Nakir unterzogen; (2) sie müssen auch nicht das islamische Fegefeuer (Bazarkh) durchlaufen; (3) sie bedürfen nicht der Fürsprache des Propheten und (4) können sie selber als Fürsprecher auftreten; schließlich (5) wird ihnen die höchste Stufe des Paradieses (Dar ash-Shudada) und die größte Gottesnähe zugesprochen. (6) Ihre Wunden leuchten am jüngsten Tag blutrot und durften nach Moschus. (7) Als einzige Jenseitsbewohner sehnen sie sich wieder ins Diesseits zurück, weil sie mit der Kraft ausgestattet wurden, »noch zehnmal den Märtyrertod zu erleiden«. Der Sonderstatus islamischer Märtyrer erzeugt auch weltliche Vorteile. Im Iran erhielten die Hinterbliebenen hingemetzelter Soldaten (im ersten Golfkrieg 1991) ein Auto und 33.000 US-Dollar. Saddam Hussein spendete palästinensischen Familien, aus denen Selbstmordattentäter hervorgingen, 25.000 US-Dollar.
Die politische und islamisch-theologische Herrscherkaste pflegt einen Märtyrerkult, der mit der christlichen Heiligenverehrung in keiner Weise vergleichbar ist. Mit der märtyrologischen Statuspflege geht eine Gesinnungserziehung und Instrumentalisierung von Glaubensopfern einher, die zivilisatorischen Werten hohnspricht und in demokratisch-rechtsstaatlichen Kulturen den Anstiftern eine Strafverfolgung einbrächte...
Aus: www.walthari.com

14. April 2002

Streitschrift gegen Multi-Kulti-Illusion

Tibi, B.: Islamische Zuwanderung. Die gescheiterte Integration
Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und München 2002, 380 Seiten, EUR 24,90.

... Über den Zustand kann sich jedermann bei Tibi ein genaues Bild machen, insbesondere über die katastrophenträchtige Illusion einer multikulturellen Gesellschaft und über den sozialen Sprengstoff, der von existierenden Parallelgesellschaften auch schon in Deutschland ausgeht. Der Normalbürger erfährt zwar durch das Fernsehen und in Presseberichten, wo überall in der Welt multikulturelle Gesellschaften explodieren – auf dem Balkan, im Vorderen Orient, in Afrika, in Kaschmir und in Dutzenden anderen Weltgegenden, aber er weiß in aller Regel nicht, wie weit die Zustände im eigenen Land auf Konfliktszenarien schon zulaufen. Dafür öffnet Tibi die Augen. Schonungslos nennt er die Hauptgründe: mangelnder Wille zur Integration und ungefilterte Zuwanderungsströme. »Die Mulit-Kulti-Romantik wird es nach dem 11. September schwer haben fortzubestehen« (S. 198) – eben das trifft nur für aufgeklärte Zirkeldiskussionen zu, nicht für die politische Propagandapraxis und die haarsträubend verharmlosenden Berichte in den Medien... Es sind eben nicht nur die fundamentalistischen Islamisten, die westlich aufgeklärte Gesellschaften mit Angst und Schrecken überziehen, es sind auch Kernbestände im Koran und in der Scharia, die eine friedliche Integration unmöglich machen.
Aus: www.walthari.com


15. Dezember 2002

Raddatz, H.-P.: Von Allah zum Terror? 
Der Djihad und die Deformierung des Westens 
Herbig Verlag, München 2002, 376 Seiten, 29,90 Euro

... Der Orientalist und Mitautor der Encyclopaedia of Islam leistet einen schonungslosen Beitrag, um den Menschen die Augen zu öffnen. Niemand soll später, wenn die Auseinandersetzung noch blutigere Ausmaße annehmen wird als heute, sagen können, er habe vom frauen- und demokratiefeindlichen Gesicht des Koran nichts gewußt. Man kann den Koran und die anderen islamischen Leitschriften drehen und interpretieren, wie man will: die Welle des religiös motivierten weltweiten Terrors ist unbestreitbar. Raddatz spricht vom Wunschislam, den uns die ›Dialog‹-Ökumene und die Politik vorgaukeln. Waren doch selbst gerühmte Toleranzvorbilder nicht frei von Schreckensherrschaft. In Lessings Nathan-Stück z.B. wird die historische Gestalt des Sultan Saladin reingewaschen; in Wirklichkeit verfolgte dieser Sultan Ketzer (Islam-Abtrünnige) gnadenlos...
Aus: www.walthari.com
 



8. Februar 2006

Den Koran beim Wort und die Mullahs ernst nehmen
1. Teil

30. September 2001
... 
II. Unterscheidungen
Das Bild des Islam ist äußerst vielfältig. Um Mißdeutungen vorzubeugen, sollte zwischen (1) ›dem‹ Islam (als Offenbarungsreligion mit schriftlichen Anweisungen im Koran u.a.), (2) der islamischen Mullahpraxis (Lehrauslegungen in Freitagspredigten, Gerichtsurteilen usw.), (3) der islamischen politisch-gesellschaftlichen Realität, (4) dem islamischen Fundamentalismus (als religiös verbrämtes, offenes Kriminalitätspotenzial) und (5) dem islamischen Liebes- bzw. manchmal auch Beschönigungs-Pazifismus (man denke an die zahlreichen beschönigenden Paradiesschilderungen im Koran) unterschieden werden. 
So falsch es ist, den islamischen Liebes- bzw. Beschönigungspazifismus (Islamvariante 5) für den ganzen oder auch nur den bestimmenden Islam zu halten, so verhängnisvoll wäre es, den Terror und das übrige Gewaltpotenzial allein bei den Fundamentalisten (Islamvariante 4) zu suchen. Genau das aber geschieht gegenwärtig im westlichen Diskursbetrieb, in welchem einäugige Beschwichtiger die Öffentlichkeit irreführen. Unterschlagen wird dabei meist vollkommen, welche menschenverachtende, anti-demokratische, gewaltschürende Kräfte auch in der Mullah-Praxis (Islamvariante 2) und in der gesellschaftlich-politischen Realität (Islamvariante 3) am Werk sind...
Aus: www.walthari.com
 

13. Oktober 2001

2. Teil

IV. Wie bald ist die islamische Welt aufklärungsfähig?
Diese Frage bewegt aufgeklärte islamische Intellektuelle (Dichter, Wissenschaftler u.a.) nicht weniger als Menschen in den westlichen Demokratien. Wer darüber öffentlich in islamischen Ländern nachdenkt, muß mit Gefängnisstrafen oder mit seiner Ermordung rechnen (wie es zahlreichen Journalisten in Algerien widerfahren ist). Von kleinen Aufklärungsnischen abgesehen, befindet sich die islamische Welt in einer ›Vor-Luther-Zeit‹ und vernunftweit entfernt vom Kant’schen Aufklärungsgeist. Ein islamischer Reformer, der die Allmacht der Geistlichen brechen könnte, ist weit und breit nicht zu sehen. Auch für eine baldige Demokratisierung (Gewaltenteilung, nicht nur förmliche, sondern auch faktische Trennung von Staat und Kirche u.v.a.) stehen die Zeichen zwischen Malaysia und Tunesien schlecht. Wie könnte in dieser wenig hoffnungsvollen Lage eine baldige Entwicklung erwartet werden, die eine unabhängige Gerichtsbarkeit, eine freie Presse usw. zuläßt? Westliche Politiker gaukeln ihren Wählern todgefährliche Illusionen vor, wenn sie so tun, als seien islamische Staaten (wie z.B. Saudi-Arabien), die sich dem Antiterrorbündnis angeschlossen haben, auf dem Weg zu Demokratie- und Menschenrechtsverhältnissen.
Aus: www.walthari.com 


29. Oktober 2001

3. Teil

VI. Erschreckende Illusionsgläubigkeit im Westen
Nein, eine nüchterne Faktenanalyse ist nicht gleichzusetzen mit einer Verunglimpfung der Menschen in islamischen Ländern und ist keine Rechtfertigung für eine Verteufelung muslimischer Mitbürger in der westlichen Welt. Im Gegenteil: Die Wahrheit hilft auch hier der Moral, Toleranz und Mitmenschlichkeit auf die Beine. Dazu muß man allerdings differenziert hinschauen und Realitäten nicht mit Illusionen verwechseln. Die schrecklichen Vereinfacher und Verharmloser predigen ständig, die islamischen Terroristen seien nicht mit dem Islam zu verwechseln; es handle sich keineswegs um einen Kampf der Kulturen (der islamischen mit der christlichen, buddhistischen usw.). Aber die Realitäten in fast allen Ecken und Enden der Welt sprechen eine ganz andere Sprache. Ob auf dem Balkan oder in Zentralrepubliken Rußlands, ob in Nigeria oder in Pakistan, ob in Nordchina oder in Indonesien: Wo stark religiös geprägte Kulturen einander ›begegnen‹, knistert es seit Jahrhunderten....
Es bedürfe nur einer Armutsbekämpfung und demokratischer und aufklärungswilliger Kontrollmechanismen, um die angestauten Sprengsätze (ein Gemisch aus Haß und Vorurteilen) nicht zur Explosion kommen zu lassen. Wie die Geschichte hundertfach beweist, sind selbst unter diesen Voraussetzungen multikulturelle Verhältnisse auf Dauer kaum zu befrieden, auch nicht in Demokratien, wie die Ereignisse in Nordirland und Palästina (Israel versteht sich als Demokratie) augenfällig belegen. Es schmerzt sehr, aber die These, daß multikulturelle Gruppenformationen nur unter Eliten (Konzertmusiker, Wissenschaftlern u.a.) problemlos funktionieren, in Normalverbänden aber nur solange, wie die Verhältnisse prosperieren, hat die historische und aktuelle Realität auf ihrer Seite. Unter Verteilungsfriktionen zeigt der Multikulturalismus sein häßliches, häufig todbringendes Gesicht (vgl. Das veruntreute Land. Wohin driftet Deutschland; Kapitel: Auf Sand gebaut). Diese These gilt umso mehr, je unaufgeklärter und monomythisch geprägter die Ethnien und Religionsgemeinschaften sind...
Kein Zweifel, muslimische Gemeinden leben in prosperierenden Zeiten friedlich mit nichtmuslimischen Mitbürgern zusammen. Islamische Nachbarn sind unsere Brüder und Schwestern und verdienen Respekt und Solidarität. Wehe freilich, wenn sie die Vorschriften des Korans streng beim Wort nehmen und ketzerischen Mullahworten Folge leisten! Dann werden z.B. aus atheistischen Wohnnachbarn plötzlich ›Ungläubige‹, die vernichtenswert sind (Koranbeleg, vgl. Teil 1). Daß diese Gefahr im insgesamt unaufgeklärten Islam (als Lehre und Lehrauslegung) unabweisbar virulent ist, darüber sollten sich allzu friedensselige und grenzenlos tolerantbereite Bürgermeister, Pfarrer, Volksvertreter u.a. keine Illusionen machen. Sie haben vermutlich niemals im Koran nachgelesen, was Mullahs und andere Moscheegewaltigen von den Jüngern Allahs verlangen können...
Aus: www.walthari.com


20. November 2001

4. Teil

VII. Islam(un)kritische Stimmen beim Namen genannt 
1. Im August 2001 verurteilte ein Gericht in Rawalpindi den pakistanischen Physiologie-Professor Mohammed Yunus Shaikh zum Tode durch den Strang. Der Mediziner hatte die Frage eines Studenten, ob der Prophet Mohammed vor seiner Erleuchtung (also vor dem 40. Lebensjahr) schon ein Muslime gewesen sei, mit Nein beantwortet. Islamische ›Gelehrte‹ klagten Shaikh der Blasphemie an, die nach dem Gesetz zum Schutz des Propheten den Tod verdient. Der Angeklagte habe zudem in seinem Seminar die Frage diskutieren lassen, ob die Araber schon vor ihrer Islamisierung ihr Schamhaar rasiert hätten, wie der Islam gebiete. Sollte das Gericht den Blasphemiker freisprechen, würden sie, so die Gruppe der Korangelehrten, Shaikh umbringen. Der Physiologieprofessor ist gläubiger Muslime, will sich aber historischen und wissenschaftlichen Wahrheiten nicht verschließen...

9. Salman Rushdie beschämt seine deutschsprachigen Kollegen mit geradezu rufvernichtender Deutlichkeit. All dies (der Terror in und aus der islamischen Welt) habe »nichts mit dem Islam zu tun?«, fragt er und spottet über dieses »Mantra... von führenden Politikern in aller Welt«. Er drückt so indirekt die Hoffnung aus, daß wenigstens die Literaten die Verhältnisse im Koran und in der Realität beim Namen nennen. Rushdie nennt Beispiele für islamischen Terror und Verachtungsgesinnung und sagt ohne Umschweife: »All dies hat also sehr wohl mit dem Islam zu tun.« ...
Warum scheuen deutschsprachige Großschriftsteller eine Sprache, die es mit Blick auf die islamische Welt mit der Wahrheit hält? Efriede Jelinek (Österreich), Thomas Hürlimann (Schweiz), Martin Walser (Deutschland) und all die anderen preisgekrönten und/oder provokationsgeübten Lit-Idole dreschen auf alles und jeden ein – nur nicht auf die höchstaktuelle cronique scandaleuse, die als globaler Fanatismus die Menschen beunruhigt. Taktik? Furcht? Literaten als politisch-korrekte Beschwichtiger oder gar Duckmäuser – sie sollten ihre gefeierten Ehrauszeichnungen zurückgeben.
Aus: www.walthari.com


12. Dezember 2001

5.Teil
VIII. Verspätete Islamkritik
... Ja, in Frankreich diskutiere man schon seit längerem über die islamische Gefahr, und ein amerikanischer Autor hätte schon 1978 der Orientalistik vorgeworfen, sie verbreite im Westen eine bloße Karikatur der wahren Verhältnisse in der islamischen Welt. Der FAZ-Leitartikel (v. 24. Nov. 2001) findet sogar den Mut zu schreiben: »›Political correctness‹ verstärkt die Neigung, nicht klar und deutlich zu sagen, was islamische Intellektuelle wie der Algerier Mohammed Arkoun immer wieder bekräftigen: daß der Islam im großen und ganzen keine Aufklärung erlebt habe. - So richtig es ist, zwischen ideologisierten, militanten Auslegungen des Islam und nichtaggressiven, mehr quietistischen zu unterscheiden, so richtig ist es auch, in der Weltreligion des Islam, mißt man sie am Maßstab der westlichen Moderne, Defizite festzustellen. Sie betreffen alles, was mit persönlichen Freiheiten, mit Pluralismus der Religionen und Weltanschauungen und mit Demokratie zu tun hat.« Und dann sogar drei weitere couragierte Aussagesätze: »Nicht nur die Islamisten, auch die übrigen Muslime, die den Fanatismus und den selektiven Blick der ersteren auf den Koran ablehnen, empfinden dies als Demütigung, deren Ursache sie nicht verstehen. Die islamische Kultur ist bis heute nicht selbstreflexiv geworden. Ansätze zu einer eigenen Aufklärung erstarben schon vor Jahrhunderten unter der Knute innovationsfeindlicher Schriftgelehrter« (Hervorhebungen nicht im Original).
Diese Einsichten waren schon vor Jahren in Das veruntreute Land zu lesen und im Frühjahr 2001 auch von dem französischen Islamwissenschaftler Alexendre Del Valle zu hören, den die FASZ (v. 18. Nov. 2001) verspätet als Gewährsmann für ihre endlich faktennahe Redaktionsmeinung zu Wort kommen läßt: »Der Islam rechtfertigt Gewalt und kennt Meinungs- und Religionsfreiheit nicht... Es ist falsch, was muslimische Propagandisten und westliche Islamforscher verbreiten: So stellen sie die Intoleranz der Islamisten, einer fanatischen Minderheit ›falscher‹ Muslime, einem angeblich gemäßigten Islam gegenüber, welcher der wahre Islam sein soll. Fakten decken das nicht. Wohin man im Orient und in Afrika schaut, die Religion Mohammeds setzt sich heute mit Gewalt durch.« ...
Aus: www.walthari.com

13. Dezember 2001

Teil 6
...
IX. Taugliche und untaugliche Erklärungsmuster der islamischen Bedrängnis und Gefahr
Kein Zweifel: Wer vor dem 11. September 2001 auf die islamische Gefahr hingewiesen hat (wie im Buch: Das veruntreute Land – Wohin driftet Deutschland? vgl. Leseprobe), riskierte einen Strafprozeß wegen angeblicher Volksverhetzung und vorgeblicher Verunglimpfung einer Religion. Nachdem auch die ›Blinden‹ und Beschöniger durch die Ereignisse zum genaueren Hinsehen und Koranlesen gezwungen worden sind, verfallen die politisch allzeit Zeitgeistangepaßten auf ein neues Ausweichmanöver: Sie propagieren Erklärungsmuster, die meist keiner Nachprüfung standhalten: 
(1) Die islamische Gefahr habe ihre Wurzel einzig in der Armut. 
Armut in Saudi-Arabien? Dieses Land und andere reiche islamische Staaten betreiben heimlich und offen eine Islamisierung der Welt, indem sie z.B. muslimische Zentren, Moscheen usw. finanzieren...
(2) Die islamische Gefahr sei aus einer Erniedrigung durch den Westen entstanden und agiere aus einem Minderwertigkeitsgefühl heraus. 
Das Gegenteil trifft eher zu: Die islamische Kultur fühlt sich in ihren Werten dem Westen überlegen! Sie verachtet dessen technisierte Zivilisation...
(3) Der islamische Fanatismus und Terror sei vom Westen provoziert worden. 
Warum unterschlägt man die Kriegsgesichter des Islam in seiner Geschichte? Wurden nicht die ersten Nachfolger Mohammeds von islamischen Fanatikern ermordet? Liegen nicht Sunniten und Schiiten seit Jahrhunderten in einem mörderischen Dauerkampf? Hat man vergessen, daß erst in der jüngsten Vergangenheit algerische Muslime einige Zehntausend Glaubenbrüder ermordeten – ganz ohne westliche Provokation!
Nein, diese und andere reduktionistischen Erklärungsmuster lenken ab vom Hauptantrieb der islamischen Gefahr: vom monotheistischen Lebensordnungs- und Alleinerlösungsanspruch, wie er in den ›Gottesgesetzen‹ (Koran, Lehrtradition) unmißverständlich verordnet wird...
Aus: www.walthari.com



 

20. Februar 2002

Unsäglicher Günter Grass – devote Literaturkritiker

Seit Jahrzehnten zieht Günter Grass über alles her, was auch nur den Anschein eines deutschen Identitätswillens aufweist. Kein Wunder, daß der Großautor die Geschichte und Gegenwart Deutschlands extrem selektiv wahrnimmt. Noch gut in Erinnerung ist, wie der Nobelpreisträger über die Wiedervereinigung Deutschlands urteilte: Seinen Landsleuten sprach er die Fähigkeit ab, mit ihrem vereinigten Vaterland politisch verantwortlich umgehen zu können. Das Grass’sche aktionistische PR-Muster ist sich stets treu geblieben: kaum ein öffentliches Großthema, zu dem es den sozialdemokratischen Wahlhelfer nicht nach dringlicher Äußerung verlangt(e), auch dann, wenn es ihm sichtlich an Sachverstand fehlt(e); kein nationaler Identitätsversuch, hinter dem er nicht Deutschtümelei und Schlimmeres vermutet(e); ein Heer unverbesserlicher Bösewichte ortet(e) er im konservativen Lager; hurtig fuchtelt(e) er mit der antifaschistischen Keule, um seine Gegner zu Unpersonen herabzuwürdigen.

Diese Strategie war seit den Tagen seiner ›Windhühner‹ (1956) höchst erfolgreich, hielt sie doch den Namen Grass in der Öffentlichkeit auch dann wach, wenn es literarisch nichts oder nur Unbedeutendes von ihm zu berichten gab. Grass hat sich sozusagen zur dauerpubliken Kulturgestalt stilisiert, im In- und Ausland, mit unzähligen Zeitungsartikeln und Interviews, mit Signierstunden und Festreden. Als Großautor praktiziert(e) er ein Verfahren, das die Großindustrie ebenfalls erfolgreich anwendet: allerorten und alleweil präsent sein, sozusagen eine literarische Globalisierungsstrategie.
Dafür hat er allerdings einen doppelten Preis bezahlt: (1) Sein Kerngeschäft, das literarische Schaffen auf höchstem Niveau, war und ist als Folge seiner Dauerumtriebigkeit nicht mehr zu halten; das Niveau von ›Das Treffen in Telgte‹ (1979) hat er nie mehr erreicht; ganz offensichtlich fehlt ihm die Zeit, um sich mit neuen ästhetischen Kompositionsverfahren gründlicher zu beschäftigen. (2) Aber auch thematisch wirken die ›neueren‹ Grassbücher ›leer‹ und langweilig. Gekauft wurden und werden sie dennoch, allerdings weil der Name Grass auf der Titelseite prangt, wobei der Inhalt nur von sekundärer Bedeutung ist. 
Einem drohenden Wahrnehmungsverlust sucht nun der Nobelpreisträger in bewährter kapitalistischer Marktetingmanier vorzubeugen. Was niemand aufgrund der thematischen Grass-Landkarte erwartet hatte, ist eingetreten: Grass entdeckt (für sich) deutsche Kriegsopfer und Vertriebenenschicksale, an denen er über vier Jahrzehnte literarisch vorbeigeschaut hatte. Plötzlich nimmt er die Leiden von fünfzehn Millionen deutscher Vertriebener, die Schreie der sinnlos bombardierten Zivilbevölkerung, den Massenmord an Deutschen in den befreiten Ländern des Ostens usw. wahr. Ausgerechnet der Danziger Grass geniert sich nicht, eine Novelle über den Untergang der ›Wilhelm Gustloff‹ zu veröffentlichen, die, voll beladen mit Flüchtlingen, im Januar 1945 von Danzig aus startete und von einem russischen U-Boot versenkt wurde. Das Alter ego des Novellisten, der ›Alte‹, der sich bezeichnenderweise »müdegeschrieben« (!) hat, ist zu einem weiteren Eingeständnis breit, das über der deutschen Nachkriegsliteratur wie ein Damoklesschwert hängt: »Eigentlich, sagt er, wäre es Aufgabe seiner Generation gewesen, dem Elend der ostpreußischen Flüchtlinge Ausdruck zu geben... Niemals, sagt er, hätte man über soviel Leid, nur weil die eigene Schuld übermächtig und bekennende Reue in all den Jahren vordringlich gewesen sei, schweigen, das gemiedne Thema den Rechtsgestrickten überlassen dürfen.« 
Über diesen Wahrnehmungswandel von Günter Grass höhnt Freya Klier: »In Erinnerung sind aufdringliche Wortmeldungen ohne Sachkenntnis, ist vor allem jener Roman über die Treuhand, der so schlecht recherchiert war, daß die 70 Prozent Ost-Genossen in dieser Einrichtung gar nicht vorkamen, was die PDS zu Begeisterungsstürmen hinriß und Grass zum Lieblinsautor Nummer zwei der Partei gleich hinter Gregor Gysi avancieren ließ. Nun ist es wieder soweit, ganz Deutschland ist dazu verurteilt, die überwundene Verdrängungsleistung des Autors schriftlich ausgebreitet zu finden.  ›... Mochte doch keiner was davon hören, hier im Westen nicht und im Osten schon gar nicht‹, resümiert Autor Grass über die totgeschwiegene sowjetische Gustloff-Versenkung. Das ist schon wieder falsch, kippt Realität in die Schieflage... Wäre es nicht an der Zeit, endlich jene Autoren zu würdigen, die – wie Walter Kempowski oder Arno Surminski – während einer jahrzehntelangen Verdrängung den Mut zur Wahrheit aufbrachten und dafür an den publizistischen Rand gedrängt wurden? Das hieße wohl, den ersten wirklichen Tabubruch im noch immer politisch korrekten Mediengeschäft zu riskieren, hieße die überfällige Entschuldigung gegenüber jenen, denen genüßlich Verletzungen zugefügt wurden, weil sie es wagten, nicht im deutschen Mainstream mitzuschwimmen. Statt dessen greift wieder das alte Muster deutscher Autoritätshörigkeit, und das ist reflektionsresistent: Ob Richard von Weizsäcker, Friedrich Schorlemmer oder Günter Grass - ›mal sehen, was sie uns heute wieder Kluges zu sagen haben‹... Fernsehjournalisten, die sich vor kurzem noch ängstlich vor dem Vertriebenenthema wegduckten, präsentieren sich per Totale als Pioniere; Schriftsteller besetzen noch schnell den Bug eines Schiffes, dessen Versenkung sie jahrzehntelang für nicht themenwürdig hielten.« Und Freya Klier weiter in der FASZ v. 10. Febr. 02: »Der große Zambano« Grass blase ins Horn, und schon seien die Feuilletons aus dem Häuschen. Nun, da die geistige Wende zur historischen Wahrheit geschafft sei, werde auch die Bombardierung Dresdens bald ihren Romanautor finden.
Hat Günter Grass diesen Hohn und Spott verdient? Mehr als das, denn als eine der idolatrischen Leitfiguren der Nachkriegsepoche drängte er die wenigen mutigen Literaten, die früh auch das Leid der Deutschen und den Schuldanteil der Kriegsgegner thematisierten, öffentlichkeitsbombastisch an den Rand. Gegen den Daueraktivisten Grass kam selbst ein Arno Schmidt nicht an. Der aus Schlesien geflohene, öffentlichkeitsscheue Schriftsteller legte bereits 1953 den Kurzroman ›Die Umsiedler‹ vor, der das Elend deutscher Flüchtlinge nach 1945 schildert – ohne größere Resonanz in den Feuilletons und bei den Lesern; ebenso geschah es mit den Erzählungen ›Kaff‹ und ›Zählergesang‹. Die tonangebende Böll-Grass-Fraktion hat alle und alles überschattet und der Nachkriegsliteratur die schwere Hypothek des Verschweigens hinterlassen. Hätten doch die führenden Literaten die einmalige Chance wahrnehmen müssen, der noch nahen Geschichte ins Gesicht zu blicken. Literarisch wegschauen und vordrängen, das war die gängige Schreibdevise. Daß auch Deutschen auf mörderische Weise zugesetzt worden war, stand unter Tabu. 
Vor diesem Hintergrund nimmt sich die Wendenovelle ›Im Krebsgang‹ von Grass wenig glaubwürdig aus. Wie linksideologisch der Großautor und Kollegenüberblender seinen Salto rückwärts weiterhin einfärbt, geht aus der Rechtfertigung der Figur des ›Alten‹ hervor: Um der »bekennenden Reue« willen habe man zwar die Verbrechen an den Deutschen ausgeblendet, nun (!) aber dürfe man nicht »das gemiedene Thema den Rechtsgestrickten überlassen«. Damit überblendet der mediengierige Nobelpreisträger auch noch nachträglich die verzweifelten Versuche des linken Kollegen Arno Schmidt, der das Flüchtlingsdrama ins literarische Wahrnehmungszentrum vergeblich zu befördern versucht hatte. Wenn es um die Grass-AG geht, kennt der Chef des PR-Unternehmens keine Gnade.
Bei seinen geräuschvollen Auftritten kann er mit einer wohlwollenden Begleitreklame vieler Feuilletonisten und Literaturkritiker rechnen. Das Muster einer respektbeflissenen Besprechung bot die FAZ v. 9. Febr. 02. Der Leiter der Literaturredaktion, Hubert Spiegel, wußte nichts von einer Schieflage, vielmehr bescheinigte er Grass, daß er gründlich recherchiert habe (als ob die Datenlage nicht leicht zugänglich wäre). »Gut vertäut ruht die Novelle im Netzwerk der Verweise...« Ganz im Sinne des Novellisten kommt Hubert Spiegel nicht ohne warnende Hinweise auf den rechtsradikalen Mißbrauch des Gustloff-Themas aus. »Grass vergißt nichts«, lobte der FAZ-Redakteur, der sich vor allem an der Heizerperspektive stört. Die jahrzehntelange Ausblendung deutschen Leidens entschuldigt H. Spiegel allen Ernstes so: »Es war bundesrepublikanischer Konsens, daß deutsches Leid und das an Deutschen begangene Unrecht nicht gegen die Verbrechen der Nazis in Anschlag und zur Aufrechnung gebracht werden dürften. Wer ihn, in welcher Form auch immer, in Frage stellte, lief Gefahr, als Revisionist gebrandmarkt zu werden. Daß Günter Grass diesen Konsens mit seiner Novelle aufkündigt (!), wird ihm viel Beifall, aber auch Kritik eintragen. Man wird ihm, wie bereits geschehen, vorwerfen, daß er zu spät kommt, nämlich zu einem Zeitpunkt, da es kein großes Wagnis mehr bedeute, an deutsches Leid im Zweiten Weltkrieg zu erinnern. In dieser Kritik werden sich die Gestrigen beider Seiten, die Altrechten ebenso wie die Altlinken, einig finden« (FAZ v. 9. Febr. 02). Das ist nicht ohne gewisse Infamie und historisch ebenso halbwahr (s. A. Schmidt) wie für Literaten beschämend: Als ob sie nicht stets Gefahr laufen müßten, wenn ihnen politische Korrektheit weniger bedeutet als ihre dichterische Wahrnehmungsobsession. Grass gehörte über Jahrzehnte zu den literarisch Korrekten in diesem Lande und tobt nun seine selbstkultische Leidenschaft an einem historischen Thema aus, das politisch und medial zum Trendthema zu werden beginnt. Dabeisein ist auch hier fast alles. Die frühen mutigen Thematisierer sind die ›neuen‹ vergessenen Opfer solcher Taktiererei. Grass versteht es wie kaum ein zweiter, medial und in der Lesergunst stets obenauf zu sein, auch wenn er nur variiert, was andere längst geschrieben haben. Und devote Feuilletonisten tragen den literarischen Szenenkönig in einer Senfte durch die Menge animierter Claqueure. Wäre es vorstellbar, daß Grass die Forderung der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen öffentlich unterstützt, in Berlin ein ›Zentrum gegen Vertreibung‹ zu errichten?
Copyright by Erich Dauenhauer – Aus: www.walthari.com
 

4. März 2002

Wie zum bestellten Beweis der obigen Kritik entdeckt man im ›Handelsblatt‹ einer Wochenendausgabe im Februar die Rezension der Grass’schen Krebsgang-Novelle. »Endlich ist es erlaubt«, schreibt Jörg Magenau, »auch über das den Deutschen zugefügte Leid zu sprechen, ohne sofort unter Revanchismusverdacht zu geraten.« Das ist blanker Zynismus und widerliche Kritikerignoranz (warum: vgl. oben), waren es doch die heutigen Wendehals-Linken, die über Jahrzehnte genau diesen Verleumdungsmechanismus öffentlichkeitswirksam in Gang hielten. Kein »anderer wäre geeigneter gewesen«, so der HB-Devotist weiter, »dieses Thema aus der rechten Schmuddelecke herauszuholen«. 
Arno Schmidt in der rechten Schmuddelecke der Nachkriegszeit? Jawohl, die Grass’sche Volte »darf, ja muß gelobt werden«, auch wenn »alles ziemlich kalkuliert« wirke.
Hermann Lenz vor Jahren: Die Literatur blühe, während die Literaturkritik längst tot sei. Kein Wunder, wenn beim Kampf um Aufmerksamkeit beinahe alles erlaubt ist: Ignoranz und Beliebigkeit, Exhibitionismus (ein bekannter deutscher Verlag präsentiert Autorinnen in Nacktfotos) und Kaspereien der seichtesten Sorte. 
In der Kritikerszene waren Eitelkeit und Geschmacksverirrungen gewiß niemals knappe ›Güter‹; was freilich neuerdings im aufgeregten und aufgepeitschten Allianzgeschäft zwischen Verlagen, Medien und ›Kritik‹ dem Publikum zugemutet wird, trägt Züge brunftiger Schamlosigkeit. Feuilletonistische Schwadronierer tragen ihre Unbildung und Leserverachtung zur Schau, als gelte es, Juvenals Spießergesellen leibhaftig vorzuführen. 
Copyright by Erich Dauenhauer – Aus: www.walthari.com
 
 

Aus: WALTHARI, Heft 39/2003, S. 47

Ein kündender Dichter

Es gibt sie noch, die kündenden Autoren, die im Pathos altgriechischer Sänger den ›Schrek-ken‹ prophetisch in Sprache fassen und dafür von Kollegen und der Literaturkritik belächelt werden. Als V.S. Naipaul den Nobelpreis für Literatur erhielt rümpfte G. Grass die Nase: Er, Grass, hätte sich einen würdigeren Laureaten vor-stellen können. Grass, der technische Sprachmeister und gelegentliche Parteigänger einer politischen Ideologie, ist weit entfernt vom ›Schrecken‹ und Schellingschen Ab-grund. Naipaul hingegen scheut sich nicht vor dem Pathos der Leere, dem Horror vacui, der für ihn zum Terror vacui wird, wenn er durch die Welt reist und die Heimatlosigkeit der Menschen beschreibt. Enigma und Kerygma, Rätselhaf-tigkeit und Prophetie werden bei ihm zu Schlüsselphäno-menen. Das Aufblühen des islamischen Terrorismus und dessen New Yorker Apokalypse waren für ihn so wenig eine Überraschung wie das Aufflammen des rassistischen Fanatismus und des ideologischen Terrors. Naipaul hat »ein gewisses Gespür«, wie er selber sagt, für die verräterischen Untertöne der Sprache... 
Copyright by Erich Dauenhauer – Aus: www.walthari.com


12. November 2006

Von Grass zu Grass: ein Desaster ohne Ende

Von Erich Dauenhauer 

Längst ist nicht alles gesagt zum System Grass und zu seiner Implosion. Der moralische Absturze des Nobelpreisträgers nach seinem Eingeständnis, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, wird seine restliche Lebenszeit überschatten und sein kunstvoll gewebtes Präsentationssystem, über viele Jahrzehnte weltweit ausgelegt, Stück um Stück zum Einsturz bringen. Wie gewaltig und einflußreich das System Grass, dessen letzte Namensbuchstaben wie runenförmig hochgesprungen erscheinen, sich öffentlichkeitswirksam installiert hatte, belegen die nicht abreißenden Wortmeldungen. Zur Zeit ist die Empörung in Israel besonders groß: Die Verleihung einer Ehrendoktorwürde wurde dort ›verschoben‹, weil Grass noch zwei Wochen vor seinem Geständnis dem israelischen ›Vorfühler‹ seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS verschwiegen hatte. Erschien schon sein spätes Bekenntnis kalkuliert (weil gleichzeitig mit einer Buchankündigung), so nimmt sich sein Verschweigen beim Gespräch über die akademische Ehrung geradezu provokant aus. Gemessen am anhaltenden Medienrauschen, verfügte Grass bisher über eine mächtige Resonanzmaschine. Keine andere Kunstfigur in Deutschland hat die Öffentlichkeit, die Schulen und Hochschulen, die offizielle Politik (nicht nur unter Brandt), das allgemeine Lesepublikum und das Ausland so stark in seinen Dienst zu stellen gewußt wie Günter Grass. Keine Kulturredaktion, keine Schule, keine Buchhandlung und keine Hausbibliothek ohne kräftigen Grass-Einschlag. 

Rund um den Erdball melden sich unaufhörlich Kritiker und Verteidiger. Die Reaktionen hierzulande schwanken zwischen Aufschrei und zünftigem Beschwichtigen. Zu Wort meldete sich sogar das  Bundespräsidialamt, dessen Hausherr sich mit einem Mahnfinger auf Grass’ Seite schlug. Denn das späte SS-Bekenntnis, der krachende Sturz vom Olymp des sich besser wähnenden Moraldeutschen, hat nicht nur ein Idol unheilbar beschädigt, der Fall Grass hat auch dem Ansehen Deutschlands schwer geschadet: Wenn schon, so die vielfache Meinung im Ausland, diese Lichtgestalt eines besseren Deutschland nicht frei ist von Nazischwärze, wie tief muß das Land noch insgeheim in brauner Stinkmasse stecken, die nicht einmal investigativ, vielmehr erst selbstbekennerisch ihren Geruch freigibt? Deutschlandverächter stellen genießerisch diese Frage und wärmen damit, wieder für lange Zeit, den braunen Generalverdacht auf, einen Generalverdacht, den auszuräumen Millionen redlicher Landsleute seit 1945 sich alle Mühe gegeben haben. 

Lauterkeit gegen das Raffinement eines Verlautbarungssystems, das kaum einen Monat unbeschallt und ungescholten vorübergehen ließ und in dessen Kalkül eine bisher geheim gehaltene Nazivergangenheit bis zuletzt zur stillen Reserve gehörte. Das System rechnete sich bis zu seinem Leerstand. 

Oh ja: Einem wirrköpfigen Siebzehnjährigen, ob verführt oder aus eigenem Entschluß, ist der Beitritt zur Waffen-SS schwerlich anzulasten, obschon es unzählige Fälle mutigen Widerstands von Gleichaltrigen gegeben hat. Von Grass in diesem Alter verlangt niemand heldenhafter Widerstand. Daß es aber bis zum bald achtzigsten Lebensjahr dauerte, ehe ein mit höchstem moralischem Anspruch daherkommender Literat seine Lebenslüge offenbarte, grenzt an Perfidie. Denn die Öffentlichkeit und das Lesepublikum müssen sich schwer getäuscht fühlen, wenn einer exakt darin selber verstrickt war, was in seinem literarischen Anklagezentrum steht. Was wunder, daß die ›NZZ am Sonntag‹ vom 20. August 2006 zum Vernichtungsschlag ausholte mit dem Urteil: Es »zeugt von niederen Instinkten«. 

Der Causa Grass haftet nämlich ein Gesinnungszug an, der noch beim Sprung in den Abgrund auf Selbstinszenierung nicht verzichten will. Über Jahrzehnte hat er unwidersprochen die Mär verbreiten lassen, er sei als Flakjunge lediglich Luftwaffenhelfer gewesen. Diese Täuschungsgesinnung wird von einem Denken unterfüttert, das seine demokratische Gesinnung mehr als nur infrage stellt. »Wir hatten Adenauer, grauenhaft, mit all den Lügen, mit dem ganzen katholischen Mief. Die damals propagierte Gesellschaft war durch eine Art von Spießigkeit geprägt, die es nicht einmal bei den Nazis gegeben hatte. Die Nazis hatten auf oberflächliche Weise eine Art Volksgemeinschaft etabliert. Klassenunterschiede oder religiöser Dünkel durften da keine vorherrschende Rolle spielen.« Und weiter bei dem Autodafé: »Gleichaltrige meiner Generation, Christa Wolf etwa oder Erich Loest« seien »im Osten des Landes sofort mit einer neuen und glaubhaften (!) Ideologie versorgt« gewesen (im FAZ-Interview vom 12. Aug. 2006). Im Gesinnungshaushalt bis heute war bei diesem Nobelpreisträger die Adenauerzeit also grauenhafter als die Nazizeit und die kommunistische DDR-Ideologie glaubhafter als die Freiheiten der neuen Bundesrepublik. Kommentierte die FTD am 16. August 2006 (S. 24): Grass ist ein »unerträglicher Doppelmoralist und, schlimmer noch, ein Gegner freiheitlich-demokratischer Politik... Grass’ Geschichte spiegelt die Lebenslüge der deutschen Linken«. Er sei ein »Vordenker des Antiamerikanismus«; wer »heute am linken politischen Rand gegen Amerika pöbelt«, könnte »irgendwann von der rechten Seite her gegen Amerika« kämpfen« (Hervorhebung: E.D.). »Es ist der letzte Akt eines menschlichen Dramas. Die Götterdämmerung ist angebrochen«, schließt der FTD-Kommentator Wolfgang Münchau seinen Verriß. 

Damit aber immer noch lange nicht genug: Hinter dem moralischen und politischen Gesinnungsdebakel verbirgt sich ein Ego, dem die Tugend der Demut völlig fremd ist. In gewohnter Selbstgerechtigkeit will er seinem Publikum glauben machen, über die Waffen-SS nicht recht Bescheid gewußt zu haben. Mit direktem Rassismus habe er erst in amerikanischer Gefangenschaft ein Erlebnis gehabt. Holterdipolder, Grass! Unwissenheit und Selbstmitleid ausgerechnet bei jemandem, der über Jahrzehnte die Mitwisserschaft anderer heftig anklagte. Wo immer die Schuldfrage und das Schuldigsein zum öffentlichen Thema wurde (und das war gleichsam der gesellschaftliche und politische Dauerton), war der einstige ›Frunsberger‹ mit verbalen Hieben zur Stelle. Hat er sich nie gefragt, ob die öffentliche Beschädigungsmaschinerie, die auch zur sozialen Vernichtung führen konnte, nicht nur Schuldige traf, sondern auch Menschen, die z.B. den Political-Correctness-Redeton verfehlten – wie Jenninger vor Jahren im Bundestag? War Grass nicht die Anklageautorität schlechthin? Ist er nicht über Kurt Georg Kiesingers NSDAP-Mitgliedschaft hergefallen, um »vor einer neuen Einschwärzung der Republik« zu warnen? »Es ist heute peinlich, Grass’ Essays und Reden nachzulesen«, notiert Nils Minkmar in der FAS v. 20. Aug. 2006 (S. 23) und fährt fort: »Grass ist bis zu diesem Sommer seiner... Linie treu geblieben: Einfach leugnen.« 
Was seine Verteidiger vorzubringen haben, überzeugt nicht: 

  • Ein Nobelpreiskollege meinte allen Ernstes, daß die verborgene Scham ein Hauptantrieb für das Schreiben gewesen sei. Man wagt den Gedanken kaum zuende zu denken: Die Caravaggiothese als ästhetisch-karthardische Erklärungsakrobatik?
  • Bischöfe sprechen von einer Jugendsünde, welche Nachsicht und christliche Vergebung verdiene. Haben sie das Grass-Interview und die darin geäußerten Unsäglichkeiten nicht zur Kenntnis genommen?
  • Verniedlichend nennt Adolf Muschg seinen Schreibkollegen »den Kindersoldaten Grass«, der Scham empfinde und dem »seine Verleumder jetzt auf den Leib rücken«. Verleumdet wirklich, wer sich an Fakten, besonders an späte, hält?
  • Auf einer noch tieferen Linie verteidigt Walter Jens den »Meister der Feder«, der »Einkehr« halte »und überlegt...: Was hast du im langen Leben zu berichten vergessen? Das hat er getan und verdient mein Respekt.« Mein Gott, Jens: Ihre NS-Mitgliedschaft haben Sie bis vor drei Jahren, trotz eindeutiger Unterlagen, bestritten. Grass hatte Sie damals heldenmutig in Schutz genommen: »Damit kann man nicht ein Leben zudecken.« Jetzt bedanken Sie sich artigst unter Ihresgleichen.
  • Die unsägliche Moral beschädige nicht sein großartiges literarisches Werk. Viele Schriftsteller seien moralische und charakterliche Lumpen gewesen und hätten dennoch Weltliteratur zustande gebracht. Doch selbst wenn man annimmt, daß Moral und Ästhetik nichts miteinander zu tun haben (Kant, Schelling u.v.a. würden heftig widersprechen), so überzeugt diese Entlastung zumindest diejenigen Verteidiger nicht, die in anderen Fällen exakt das Werk lebensmoralisch beschädigt sehen und es verurteilen. Was Knut Hamsun und Ernst Jünger in der Literatur, sind Pfitzner und selbst Wagner für die Musik. Aktuell steht der in den Nationalsozialismus involvierte Breker für das totale Abmoralisieren seiner Skulpturen (vgl. den Beitrag in diesem WALTHARI-Portal: ›Werner Spiess übergibt sich‹). 
  • Hellmuth Karasek lieferte bei den Grass-Tumulten eine erneute Probe seiner wechseltollen Literaturkritik. Hat er schon mal das nämliche Buch an einer Stelle zerrissen und an einer anderen gelobt (vgl. die WALTHARI-Notiz), so hält er Grass jetzt vor, den Nobelpreis »erschlichen« zu haben, während er noch vor Jahren lobend vom »unbequemen Mahner« sprach. Hauptsache, man hat eine öffentliche Stimme.
  • Nach dem gleichen Motto verfährt offenbar die FAZ, die den Grass-Skandal ins Rollen brachte und sich zugleich als Forum für das neue Grassbuch zur Verfügung stellt: mit einer dreizehnseitigen Tiefdruckbeilage am 19. Aug. 06, »ein Kunstwerk und Sammlerstück« unter Mitwirkung des Beworbenen. Während Hubert Spiegel den ›Zwiebel‹-Autor schonend rezensiert (in: FAZ Nr. 198/06, S. 42), holen andere Redakteure im gleichen Hause und Gastkommentare zu wuchtigen Schlägen aus. Hauptsache, das Medienfeuer brennt weithin erkennbar. Auch sog. Qualitätszeitungen verbiegen sich zuweilen, um die Auflage zu steigern. 
Wie steht es mit der literarischen Qualität des Grass’schen Werkes? Nach ganz überwiegend herrschender Meinung von Literaturwissenschaftlern und Literaturkritikern schwanke zwar die Qualität, sie habe gewiß mit den Jahren auch abgenommen, doch der Autor der ›Blechtrommel‹ dürfe einen festen Platz in der deutschen Literaturgeschichte, ja in der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts beanspruchen. Daran zweifelte schon vor Jahren Karl Heinz Bohrer: Grass sei ein Vertreter des bloß »Kunsthandwerkhaften« auch im Literarischen, mit dem man das Publikum beeindrucken könne. Im Qualitätsspiegel der Bohrer’schen poetischen Negativität (vgl. WALTHARI-Hefte Nr. 37, 38 u.a.) hat Grass weiß Gott keinen Platz. Und Johannes Groß in seinem ›Notizbuch‹ (FAZ-Magazin, Heft 880): »Am Ende des Jahrhunderts kann den großen Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur wie Böll und Grass die gleiche Zukunft vorhergesagt werden, wie sie Paul Heyse oder Carl Spitteler vom Beginn des Jahrhunderts beschieden war.«

Was von Grass literarischen Bestand haben wird, kann hier offenbleiben. Was er angerichtet hat, läßt dagegen keinen Zweifel aufkommen: Er hat, als gestürzte Ikone des angeblich besseren Deutschland, seinen Landsleuten noch mehr geschadet als sich selbst. Ein ganzes Land ist wieder unter Generalverdacht geraten. Genüßlich hört man es aus der Schweiz: Grass habe »sich vom Angehörigen einer Elite-Truppen (Waffen-SS) zum Herrenmenschen des Kulturbetriebes hinaufgedient« (›Weltwoche‹). Herrenmensch – die Springvokabel zur Wiederbelebung der antideutschen Szene. 
© WALTHARI® – Aus: www.walthari.com

Zitate

»Herr Grass, Sie gehören noch zur sogenannten Flakhelfergeneration. In welcher Weise sind Sie durch ihre Kriegserfahrungen geprägt worden? – Ich verdanke den wenigen Monaten, in denen ich noch zum kriegerischen Einsatz gekommen bin, d.h. mich auf dem Rückzug befand und in der Nähe von Berlin auch verwundet wurde, eine bestimmte Kenntnis: Ich weiß seitdem, was Angst ist. Und ich weiß, wenn ich mich daran erinnere, wie viele von diesen 16-/17jährigen übriggeblieben sind, als meine Einheit unter diesen sogenannten Stalinorgelangriff geriet, daß ich zufällig überlebt habe. Und diese Einsicht ist mir geblieben. Das relativiert vieles. Das andere ist der bei mir erst nach Kriegsende einsetzende Schock, als ich mit gezwungen sah, gegen innere Widerstände die von Deutschen begangenen Verbrechen zur Kenntnis zu nehmen.« 
Wolf Scheller, in: HB Nr. 195 v. 10./.11. 10. 1009, S. G 7.

»Wenn sogar ein Vorzeige-Deutscher wie Grass sich nachträglich als SS-Mann entpuppt, was bedeutet das dann für die Generation der Kriegsteilnehmer insgesamt?« 
Joachim Güntner, in: NZZ Nr. 195 v. 24.08.2006, S. 25.

»Der frühe Ruhm war ihm sofort zu Kopfe gestiegen. Außerdem nahm in dem Maße, in dem seine literarische Bedeutung in späteren Jahren, Jahrzehnten, nachließ, seine politische Rechthaberei immer mehr zu. Grass entwickelte ungehemmt eine beträchtliche Neigung, sich unmäßig zu verbiestern, weltfremd zu verbohren. Seine Landsleute fanden vor seinem kritischen Blick selten Gnade. Er mag die Deutschen nicht, traut ihnen noch immer alles erdenklich Schlimme zu...  Mit Hilfe der beträchtlichen Resonanz, über die er nun einmal verfügt, die er immer wieder mobilisieren kann, hat er im In-und Ausland, oft maßlos, Ängste uns Deutschen gegenüber geschürt. Den Höhepunkt grotesker Bekehrungen erreichte Grass zur Zeit der Wiedervereinigung, als er ernstlich eine Wiederkehr des verblichenen Reiches und mit ihm ein erneut mögliches Auschwitz befürchtete...« 
Arnulf Baring, in: Welt am Sonntag, Nr. 40 vom 3. Okt. 1999, S. 45; Hervorhebungen: E.D.

»Grass, so bekennt er spät in seinen Memoiren, war nicht der harmlose Flakhelfer, als der er sich bisher ausgewiesen hat; er diente als Freiwilliger in der Waffen-SS. Er war, im Alter von siebzehn Jahren, ein antibürgerlicher Ausbrecher, begeistert vom Schneid der brutalen Truppe, gläubig in der Erwartung des Endsiegs...  Er galt bis dato als moralische Instanz...  warb um Sympathien für die DDR, demonstrierte seine Verachtung der USA und geißelte den global ausgreifenden Kapitalismus. Hierbei verfuhr er ganz unzimperlich; auch genoß er sichtlich die Resonanz seiner Invektiven.« 
Martin Meyer, in: NZZ Nr. 191 v. 19./20. Aug. 2006, S. 25; Hervorhebungen: E.D.

»Sentimental war Grass nie, mehr oder weniger anarchisch immer schon. Wo er seiner ›durchtanzten Jugend‹ lapidar gedenkt, wird nichts beschönigt.« 
Marcel Reich-Ranicki, in: FAZ Nr. 201 v. 30. Aug. 2003, S. 42. 

»Das weitverzweigte Versteckspiel der Erinnerung im Werk von Günter Grass« 
Dorothea Dieckmann, in: NZZ Nr. 198 v. 28. Aug. 2006, S. 26. 

»Günter Grass hat also nicht nur seine SS-Vergangenheit lange verschwiegen, sondern auch das Elend des eigenen Volkes, die Leiden der Deutschen im Krieg. Aber solche traurigen Wahrheiten paßte neben nicht ins linke Klischee der antifaschistisch umerzogenen jungen Menschen.« 
Arno Lustiger, in: FAS Nr. 36 v. 10. Sept. 2006, Feuilleton S. 28.
 


21. Februar 2001 

Vertreibung aus Politik und Gesellschaft
Schurkenstücke, Schaugeschäfte, Systemmaschinen
Aus: WALTHARI, Zeitschrift für Literatur, Heft 33/2000

Emigration, innere. Jeder Gesellschafts- und Völkerkundler weiß es: Das wertvollste Kapital, über das menschliche Gemeinschaften verfügen können, ist ein stabiles Vertrauensnetz, dessen horizontale und vertikale Verstrebungen erst alle Teile zum Ganzen machen. Die Netzstränge haben sich in fast allen westlichen Hochkonsumstaaten sichtbar gelockert oder sind sogar gekappt worden, nirgendwo aber so abrupt wie in Deutschland. Zwei Belege unter vielen: geringe Wahlbeteiligungen und Hinnahme anhaltend hoher Kriminalität. Der Wohlstandsbürger hat die innere Emigration angetreten, kaum ein Wort der Regierenden glaubt er noch, und mit der jeweiligen Opposition hat er ebenfalls schlechte Erfahrungen gemacht: Sobald sie regieren kann, gilt auch bei ihr das gebrochene Wort. Schaltet er das Fernsehen an oder liest er die Presse, glaubt er in ein Theatrum politicum der immerwährenden Schurkenstücke zu blicken: Andersdenkende werden niedergemacht, ausgetrickst und als gesellschaftsfeindlich hingestellt, während man selber »immer schon gesagt hat...« Derweil der Herr Bundespräsident landauf und -ab seine hochmoralischen Reden wohlfeil anbietet und selbstberufene Wächtertrupps über jeden Vorstoß herfallen, der nach Fluchtwegen aus dem Gefängnis der Political Correctness sucht. In einem Brief stellte Goethe schon 1791 resignierend fest, in einer Welt zu leben, »wo die leidige Politik... alle freundschaftlichen Verhältnisse aufzuheben und alle wissenschaftlichen Verbindungen zu zerstören droht«. Alle! Warum, so fragt sich der Bürger, warum sich am politischen Betrieb beteiligen, wenn darin die Mindeststandards zivilen Umgangs und bürgerlicher Moral so wenig gelten? Wenn die Akteure und Aktricen über den Wählerwillen und den Verfassungsauftrag ihre heilige politische Dreifaltigkeit stellen: Macht, Ruhm und materielle Selbstversorgung aus Steuerkassen? Dem Bürger genügt ein kurzes Hinschauen, kürzer als beim Wetterbericht: halb wird man vertrieben, halb emigriert man aus eigenem Entschluß. Gelangweilt und zuweilen angewidert von den abstrusen Einfällen der politischen Regisseure und ihrer medialen Multiplikatoren. Das Subventionstheater des Parteienstaates hat vom literarischen Subventionstheater abgeschaut - verstümmelte Schillerfiguren hier, die längst nicht mehr die Welt deuten, zerfledderte Mythen dort.

Polarisierungen. Auseinanderdriften kennzeichnet wohl am treffendsten die Lage. Immer weiter weg rücken die Kirchen von ihren Gläubigen, die Regierungen vom Volk(1)  die Parlamente vom Wählerwillen, die Behörden von ihren Kunden, die Gerichte vom gemeinen Rechtsempfinden, das Fernsehen von seinen Zuschauern, die Verbände (einschließlich der Parteien) von ihrem begrenzten Verfassungsauftrag, die Wissenschaften von den Standards der Verständlichkeit und der Conditio humana. Die Heroen spinnen sich zunehmend ein - jenseits des Grabens (vgl. WALTHARI, Heft 31/1999, S. 81 f.). Die hermetisch operierenden Herrschaften kümmert es wenig, daß sie ihre Auftraggeber aus den Augen verlieren, solange der Vorrat an bürgerlicher Feigheit reicht (vgl. WALTHARI, Heft 32/1999: Feiges Bürgertum) und das betäubende Futter des Sozialstaates die Menschen diesseits des Grabens ruhigstellt. Doch die Geschichte lehrt, daß im sozialen Kosmos die zentrifugalen Kräfte keinen unendlichen Freilauf haben wie im Universum. Die Schwerkräfte liegen diesseits des Grabens, und sie korrigieren Überdehnungen notfalls erdbebenhart, indem sie selber die Vertreiber handgreiflich vertreiben. Noch nehmen die Grabenspringer die Tretminenopfer nicht ernst - der Versorgungsstaat und eine Legion papp-ideologischer Wegweiser geleiten vorläufig noch durch das verminte Gelände. Indes hat noch kein Menschenwerk der Wiederkehr des großen Regens standgehalten. Nein, keine apokalyptische Sintflut aus Gottes oder des Satans Willkür, die Rede ist von hausgemachten Sturmfluten. Manche Menschen und Ideologien leben von Ausreden bis zu ihrem bitteren Ende. 

Exitus et caedes. Zwei gängige altrömische Vokabeln für Vertreibung und Mord, höhnische Brandmale am Leib der menschlichen Zivilisationsgeschichte. Auch an der Schwelle zum dritten Jahrtausend präsentieren sie sich als globale Signaturen, vor allem in Afrika, selbst noch im ›feinkulturellen‹ Europa, wo der Balkanwahn sich in multi-ethnischen Konflikten austobt. Den südlicheren kontinentalen Kummerkoloß zerhacken Diktatoren mit Stammesstab und im Leopardenfell. Schon eine Auswahl afrikanischer Kriegsopfer zwischen 1990 und 1995 erschreckt: Algerien: 50.000; Angola: über eine Million; Burundi: 100.000; Liberia: 150.000; Ruanda: zwischen 500.000 und einer Million; Sudan: zwei Millionen. Um den vorläufig letzten europäischen Diktator loszuwerden, zahlt die Völkergemeinschaft den bekannten hohen Preis, darunter eine Demaskierung westlicher Demokratien durch die Wiederkehr der Geschichte: Während die ehemaligen Siegermächte USA, England, Frankreich, UdSSR und die damals mitsiegenden Begleitstaaten wie Norwegen, Dänemark und die Niederlanden die Vertreibungen auf dem Balkan herzergreifend verurteilten, nahmen sie 1945ff. den morddurchtränkten Exotus von zwölf Millionen Deutschen aus ihren östlichen Heimatregionen schweigend und insgeheim auch billigend hin. Das Volk und die Regierung Tschechiens weigern sich heute noch, auch nur das Wort Vertreibung zu gebrauchen für das, was sie seinerzeit betrieben: ethnische Säuberungen. Vom Eingestehen eigener Schuld, von Reue oder Wiedergutmachung keine Spur. Selbst das sonst ideenfixe Frankreich benötigte Jahrzehnte, um Vichy ins Gesicht zu blicken, und lehnt die bewiesene Mitschuld am Völkermord in Ruanda (mindestens eine halbe Million Tutsi wurden ermordet) mit trotzig-gallischem Stolz ab, obschon die Menschenrechtskommission Human Rights Watch auf achthundert Berichtsseiten eine erdrückende Beweislast vorgelegt hat. Amerika, so die Historiker nach vierjähriger Untersuchung, habe aus finanziellen Interessen in Ruanda nicht eingegriffen, die Belgier wollten ihr Gesicht wahren und die besonders kolonie-erfahrenen Franzosen ließen die »planmäßigen Killer« gewähren, um einen alten Verbündeten zu schützen, der so viele französischen Waffen gekauft hatte. Wie Verdrängungsgesten wirken medienöffentliche französische Erinnerungszeremonien, die offenbar auch darauf abzielen, die Schuld anderer, besonders der Deutschen, in den Vordergrund zu schieben.

Bohrende Fragen. Warum, so fragen sich seit Menschengedenken die Bürger, können Machthaber solange und auch dann noch an ihren ›wahl-beliehenen‹ Positionen festhalten, wenn die ›Leihgeber‹ (das Wahlvolk) durch mißbräuchliche oder unfähige Geschäftsführung erkennbaren Schaden erleiden? Warum dürfen die Inhaber treuhänderisch überlassener Macht ihr Wort brechen, ja sogar wissentlich Halb- und Unwahrheiten verbreiten, ohne belangt zu werden? Woher nehmen sie die Dreistigkeiten, so zu tun, als ob die ihnen überantworteten Ämter auf Zeit ihr eigenes Hofgut wäre, mit ausladender Dienerschaft wie einst bei der absolutistischen Adelskaste, die sich von einem Demos aushalten ließ, der ihr lästig war, weil er, gelegentlich wenigstens, gegen die Launen der Gottesgnadentümler protestierte? In alten Zeiten jedoch konnte die Obrigkeit frei schalten und walten, denn es gab noch keine Gewaltenteilung und also keine unabhängigen Kontrollinstanzen wie etwa die Gerichtsbarkeit. Und heute? Wie demokratisch ist ein Staatswesen, dessen Regierung von der Parlamentsmehrheit nicht wirklich kontrolliert, sondern im Stile einer machterhaltenden Hilfstruppe nach allen Richtungen und auch bei schwersten Fehlentscheidungen verteidigt wird? Wie steht es mit der Gewaltenteilung, dem Freiheitsbewahrungssiegel aller aufgeklärten Verfassungen, wenn oberste Richter nach Parteienproporz ausgewählt werden, von den gleichen Parteien, welche die Exekutive so fest wie die Legislative in ihren Händen halten? Tut man diesem Parteienstaat Unrecht, wenn einer ihrer intimen Kenner (Peter Gauweiler) urteilt: »Wir leben günstigstensfalls in einer Art ›repräsentativem Absolutismus‹«?

Schlimme Antworten. »Um das Volk ist es also schlecht bestellt in der Diskursdemokratie. Ins gläserne Gehäuse der Diskursdisziplin eingesperrt und von den Advokaten und Beckmessern der Rationalität mißtrauisch bewacht, hat es nichts zu lachen, geschweige denn zu herrschen. In der Diskursethik kommt das Volk nicht mehr vor. Seine Souveränität hat es an das Verfahren abgeben müssen, rationale Kommunikation läßt sich nur auf dem Rücken eines geknebelten Populus entfesseln. Wenn die Volkssouveränität derart als Verfahren ausgelegt wird, dann ist damit auch eine politische Enteignung, eine politische Entmachtung verbunden. Nichts ist die Diskursethik weniger als populistisch. Diese Verachtung des Volks hat eine lange Tradition« (Wolfgang Kersting, Philosoph in Kiel, FAZ v. 11.03.  1999, S. 50). »Das eigentliche Wahlvolk wird zur Farce; von Freiheit und Unmittelbarkeit kann keine Rede sein. Auf diese Weise immunisieren sich Berufspolitiker gegen eine Abwahl durch die Bürger... Hinzu kommt, daß die amtierenden Abgeordneten den von ihnen beherrschten Staatsapparat nutzen, um das Risiko einer Abwahl zu minimieren und Seiteneinsteigern den Weg vollends zu verlegen. Auf diese Weise blockieren die Eigeninteressen der politischen Klasse ihre eigene Erneuerung noch weiter... In der von Berufspolitikern beherrschten Verfassungswirklichkeit sind zwei Motive elementar: Das eine ist das Interesse an der Macht, um welche Regierung und Opposition konkurrieren. Das andere, vitale Interesse ist, von der Politik leben zu können, und zwar möglichst gut, möglichst auf Dauer... In Wahrheit geht der langfristig-hintergründige Einfluß der politischen Klasse noch viel weiter: Wer den Staat beherrscht, legt die gültigen ideologischen Grundvorstellungen fest und bestimmt, wie der französische Soziologe Pierre Bourdieu überzeugend dargelegt hat, letztlich die Denkkategorien, nach denen Politik überhaupt wahrgenommen und beurteilt wird. Die politische Klasse hat die Einrichtungen, die das Denken prägen, insbesondere die gesamte politische Bildung, fest im Griff... Führungskräfte der öffentlich-rechtlichen Medien werden nach Parteibuch bestellt. Die politische Klasse vergibt Ämter mit dem höchsten Ansehen bis hin zu den Bundesverfassungsrichtern. Sie verleiht alle Arten von Orden und Ehrenzeichen und verpflichtet sich so fast alle zur Dankbarkeit, die öffentlich etwas zu sagen haben. Das erleichtert es ihr umgekehrt, diejenigen, die gegen den Stachel löcken, als politisch inkorrekt zu brandmarken, sie persönlich zu diffamieren und ins politische Abseits zu stellen« (Hans Herbert von Arnim, WamS v. 23.05.1999, S. 36). Wie hilflos nimmt sich dagegen die Jubiläumsrede (anläßlich des 50jährigen Bestehens der Bundesrepublik) eines ehemaligen Bundespräsidenten aus, der im politischen Kastenwesen Karriere gemacht hat: »Heute ist Deutschland eine gefestigte freiheitliche Demokratie... Unser Staat ist zuallererst ein freiheitlicher Rechtsstaat, der die Rechte und Würde seiner Bürger gewährt und sichert« (Bulletin der Bundesregierung, Nr. 32/1999, S. 345). Beim »Staatsakt im Reichtagsgebäude zu Berlin« erinnert der gleiche Festredner die anwesende politische Oberklasse daran, auf welch dünnem Eis sie ihr Herrschaftshaus errichtet hat: »Wir sollten es überhaupt wieder mehr zur Kenntnis nehmen: Die Zustimmung der Bürger zu unserem freiheitlichen Gesellschaftssystem ist keine Selbstverständlichkeit, gerade nicht in einer Zeit, in der dieses aufhört, immer neue Wohltaten zu produzieren. Die Zustimmung zu Freiheit und Demokratie hängt auch mit dem Grundgefühl der Bürger zusammen, ob es ihnen ›gut geht‹ oder ob sie ›gerecht‹ behandelt werden, und dieses ist wiederum eng mit dem Vertrauen verknüpft, das man den politischen Institutionen entgegenbringt.« Wir ist das verräterische Wörtchen, das die Volksferne der politischen Klasse signalisiert. Die Redepassagen legen zudem das Mißtrauen offen, das Machthaber ohne Mehrheitszustimmung seit je dem Volk entgegenbrachten. Dann der Satz: »Wir Politiker müssen die Menschen auf die globale Soziale Marktwirtschaft vorbereiten.« Da schimmert sie wieder durch, diese Selbstüberschätzung der Obrigkeit: Wir, die Erwählten von Verfassungs und ehemals von Gottes Gnaden, wir müssen das unbedarfte Volk aufklären. Als ob die Mehrheit der Bürger nicht längst das Spiel durchschaut hätte! Bei der katastrophischen Europawahl 1999 suchten die wundgescheuerten Parteien die Gründe nicht etwa bei sich selber und in ihren volksfernen Programmen, nein, die Wähler von Sizilien bis zum finnischen Polarkreis waren nicht aufgeklärt genug. An Wendungen wie »Unsere Botschaft konnten wir nicht genug rüberbringen« wird das hermetische Illusionsspiel der Abgehobenen nur allzu deutlich. Eine politische Partei gibt sich eben prinzipiell immer recht; sich zu irren oder etwas nicht zu begreifen ist das Schicksal der anderen, also muß man diese aufklären und wenn notwendig (und es ist oft notwendig) trickreich in vorbereitete Gatter schubsen. Der Bürger als Nick- und Lastesel im System des repräsentativen Absolutismus.

Systemmaschinen. Die absolutistischen Repräsentanten haben sich ein Systemnetz geschaffen, das vom steuergeldfinanzierten Wahlkampf privatrechtlicher Vereine (diesen Status haben politische Parteien inne) bis zur Selbstdotierung der gewählten Repräsentanten reicht. Eigenmächtig werden Wahlperioden verlängert, Sinekuren massenhaft eingerichtet und unzählige weitere Bürgerentmächtigungsmaßnahmen durchgesetzt. Das Systemnetz sichert die politische Klasse und ihre Nutznießer nach allen Seiten wirksam gegen den Bürger ab (vgl. oben: Schlimme Antworten). Tief haben sich die Netzwurzeln im reichhaltigen Humusboden der Staatsbürokratie eingegraben und beginnen neuerdings auch eine der letzten parteifreien Areale zu umwuchern, die Universitäten. Hinter einer Kastendemokratie verbirgt sich offenbar der satanische Widergeist einer mechanistischen Sozialrationalität: »Die Maschine (genauer: das mechanische Räderwerk einer Uhr) ist eine Leitvorstellung des neuzeitlichen Rationalismus... Sie liefert als Urbild planmäßiger Herstellung, gesetzmäßiger Bewegung der Teile im Raum, gleichförmigen Ablaufs und strenger Funktionalität das Modell für die Welt, den lebendigen Körper, das methodische Schließen und schließlich für den Staat. Die Metapher ›Staatsmaschine‹ nimmt die traditionelle Metapher des politischen Körpers auf, um sie mechanistisch zu reformulieren« (Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10/1999, Spalte 63).

Erfüllungsbetrieb. Arnold Gehlen: Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt (Erstausgabe Berlin 1940): Homo sapiens (das zweite sapiens muß er sich noch verdienen) als offenes, disloziertes Wesen, das seine Daseinsstabilisierung nicht mehr in der Religion und auch nicht mehr in der Kultur findet, sondern in selbstgeschaffenen Institutionen. Ist das der Schlüssel? Die Leitkaste hat sich institutionell eingerichtet, überall hängen ihre Kokons an den Fruchtbäumen des Systems, während das Schollenvölkchen auf profane Weise ›institutionell‹ stabilisiert wird: panem et circenses. Nicht ohne Gründe das aufschäumende, häufig ohrenbetäubende Sport- und Medienrauschen. Alles süß überzuckert mit den reichhaltigen Gaben sozialer Tranquilizer. Gehlen weiter: Der Mensch als Mängelwesen, dem es, im Unterschied zu nicht domestizierten Tieren, an angeborenen Überlebensinstinkten und an der hochgradigen Spezialisierungen seiner Organe mangelt. Grundfrage: Wie kann sich ein so mangelhaft ausgestattetes Wesen am Leben erhalten? Gehlens Antwort: Erstens indem man die bedrohliche Umwelt durch Arbeit und Technik ins Lebensdienliche umschafft; mit dem hochentwickelten technischen Arm wehrt der Mensch mittlerweile nicht so sehr die bedrohliche Natur ab, er bedroht sie selber bis zum Verschwinden vieler Arten. Zweitens indem der Homo sapiens seinen durch technische Entlastung gewonnenen ›Antriebsüberschuß‹ binnensteuern lernt, d.h. durch Kultivierung seines Bewußtseins, seiner Phantasie und Sprache. Drittens indem man ihn an Institutionen bindet, die ihm Orientierung und Sinn spenden. Bei der ersten Mängelbekämpfung ist der Mensch bereits über das Ziel hinausgeschossen, ebenso bei der dritten: Zwar haben institutionelle Halterungen wie Religion, Familie und Muttersprache beträchtlich an Orientierungsfunktion verloren, die Lücken der geschwächten Traditionsformen werden aber durch ›neue‹ Institutionen (Medien, Sport, Event-Kulte, Netz- und Techno-Gigantismus u.a.) mehr als ausgeglichen. Zu Fuß aus Erntedank wallfahren - wie fern. Zur Berliner Raver-Großparty pilgern - nie nah. Statt zur Kirche oder zum Familiensonntag taucht man in Technoszenen ein. Körperkult statt Meditationskult, schaustellerische Busen-, Po- und e-vibrations statt gottesfürchtige Einkehr. Laute und bunte Massenproduktion maschineller Bewegungen und tonnenschwer hinterlassener Müll. Was der jungen, ersten Generation in fast emergenter Selbstorganisation ›institutionell‹ gelingt, müssen professionelle Sinnspender für die zweite (zwischen 30 und 60 Jahren) und für die dritte (ab 60 aufwärts) Lebensgeneration marketinggerecht besorgen: das tägliche Medien-, Sport- und Politspektakel als jene Institutionen, die den Massen ›Orientierung‹ bieten und somit deren Mängelzustand vergessen läßt. Bleibt noch der dritte Anker in Gehlens Anthropologie, die bewußtseinsmäßige Selbstkontrolle über den freigesetzten Antriebsüberschuß. Wie weit die Menschen darin gekommen sind, belegt der Verlust an Muttersprachlichkeit und an kultureller Identität. Man ist globalisierend überall zuhause, beim Konsum, beim elektronischen Kommunizieren, beim Spaß-Sport an australischen Steilküsten und bei ökologischen Ausgleichsprotesten. Gehlens Hoffnung auf »Hemmbarkeit der Antriebe«: eine postmoderne Fortsetzung von Grimm’s Märchen. Zwischen Verlangen und erfüllendem Ereignis wird kein Spalt geduldet. Der Erfüllungsbetrieb läuft so geschmiert wie die Systemmaschine, solange der Vorrat an An-Trieben und Betäubungsgenera reicht.
(1) In der Regierungserklärung vom 10. Nov. 1998 heißt es z.B. im Stile gesinnungsethischer Treuherzigkeit: »Diese Bundesregierung will keinen Bevormundungsstaat...«.
Copyright by Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer, aus:www.walthari.com
 


 28. Dezember 2003

Börsenschrott: Analysten, Gurus und Betrüger 

Wer glaubt, daß nach den gigantischen Vermögensverlusten, welche analysehörige Anleger in den letzten zehn Jahren durch Fehlprognosen, Falschberatungen und Betrügereien haben hinnehmen müssen, die Schrottriege für immer von der Bildschirmfläche und vom Parkett verschwunden sei, irrt gewaltig. Wie in der Politik setzt man auf Vergeßlichkeit und Ratlosigkeit des Publikums, das bei Finanzanlagen dem undurchsichtigsten aller Märkte gegenübersteht. Es grenzt schon ans Psychopathologische, wie sich derzeit wieder eine Legion von Irregleiteten und Betrogenen aufs Minenfeld der Börse locken läßt. Keineswegs sind es nur schwarze Schafe, die sich wie in keinem anderen Berufsstand blamiert haben, es sind dubiose Instrumente, die Berechenbarkeit und Erfolg vortäuschen. »Nehmen Sie Pfeile und werfen Sie diese auf den Kursteil Ihrer Zeitung«, empfahl unlängst ein Professor für Wirtschaftsstatistik allen, die Aktien kaufen wollen. Als gelernter Statistiker weiß er, wovon er redet.
Die Schrottriege arbeitet mit allen Tricks, um dem Publikum das Geld aus der Tasche zu locken. Am raffiniertesten sind sog. Geheimtips spezieller und allgemeiner Art. Empfohlen werden z.B. verkannte Potenzialwerte, mit denen sich die Empfehler zuvor (bei noch niedrigem Kurs) selber eingedeckt haben können. Auch die allgemeine Empfehlung, Aktien seien am besten nach stark gefallenen Kursen zu kaufen, erwies sich meist als Falle. Das mußten die Analysten des DG Capital Management im Jahre 1991 nach verlustreichen Jahren öffentlich eingestehen. Und auch im Jahre 1992 blamierten sich die meisten Analysten gleich mehrfach. ›Renten statt Aktien‹ raunten sie, doch die Börse reagierte gegenläufig: Ab dem Sommer empfahlen sog. Börsenexperten wieder ›Aktien kaufen‹ und lagen wiederum schief. Es folgte ein langer Kursverfall mit schweren Vermögensverlusten. Die Serie falscher Prognosen ist beeindruckend. Aber noch beeindruckender die Naivität vieler Anleger. Die Analysten der Investmentbank Goldmann Sachs z.B. wechselte ab April 1999 mehrfach die Kauf/Verkaufsseiten, wodurch ein Vermögensverlust von 94 % derjenige erlitt, der diesen Empfehlungen gefolgt ist. Reihenweise stürzten Börsengurus über ihre Wünschelruten, so die Internet-Analystin Mary Meeker, die selbst dann noch High-Tech-Werte empfahl, als deren katastrophaler Absturz kurz bevorstand. Wissenschaftliche Untersuchungen entlarven immer wieder das unseriöse Geschäftsgebaren.  So bestätigte Prof. W. Gerke von der Universität Nürnberg, daß die Finanzprofis im Jahr 2000 häufiger falsch lagen als richtig. Am 23. Oktober 1997, kurz vor einem gewaltigen Einbruch, der in den Folgejahren den Dax auf rd. 2.300 Punkte fallen ließ und dem vor allem der Nemax später zum Opfer fiel (mit Verlusten bis 98 % bei manchen ›Hoffnungswerten‹), sprach die Finanzwelt noch von einem Haltetest bei 4.200 Punkten. Am 29 Oktober 1997, als die Talfahrt schon begonnen hatte, gaben die Analysten das Motto aus: »Nur keine Panik« (vgl. HB Nr. 208/97, S. 25). Die Experten von Sal. Oppenheim sahen eine Bodenlandung bei 3.300 Punkten und verkündeten: »Das Schlimmste ist vorbei«, was ja wohl als Kaufempfehlung zu verstehen war. Das Bankhaus Schröder Münchmeyer Hengst (SMH) glaubte, daß der Crash in ein bis zwei Monaten verdaut sei (HB, dito). Ob im guten Glauben oder nicht: Die Einschätzungen von Analysten und Gurus unterscheiden sich in ihrer Treffsicherheit wenig von morgenländischer Kaffeesatzleserei. »Ganze Heerscharen von Analysten« (HB Nr. 123/99, S. 27) stochern im Börsennebel und preisen ihre ›Funde‹ als Gewinnbringer. Prof. Dr. H.-P. Müller von RWTH Aachen hat 3.000 Gewinnprognosen professioneller  Finanzanalysten für den Zeitraum von 1988 bis 1993 untersucht. Im Vergleich zu den tatsächlich eingetretenen Werten lagen die Schätzungen der Analysten um 28 DM je Aktie zu hoch. Es sei nicht von der Hand zu weisen, so sein weiteres Ergebnis, daß Analysten von ihren Auftraggebern (Banken, Brokerfirmen) abhängig seien. Längst ist nach Angaben der NZZ (Nr. 176/2000, S. 10) nachgewiesen, daß »Analytiker Aktien systematisch (!) verzerrt beurteilen«. 

Vom unseriösen Geschäft von Finanzanalysten bis zu kriminellen Handlungsweisen ist es gelegentlich nur ein kleiner Schritt. Im November 2003 ließ der New Yorker Generalstaatsanwalt nicht weniger als 48 Devisenhändler wegen Betrügerein verhaften. Immer wieder wird die Börsenwelt von Betrugsskandalen (Insidergeschäfte, Market-Timing usw.) erschüttert, ohne daß das verunsicherte Anlegerpublikum daraus Konsequenzen zöge. Mit Genuß listet man nach schweren Reinfällen sog. typische Anleger-Fehler auf, etwa den, bei anhaltender Talfahrt zu spät verkauft zu haben, wobei auch dieser Analyse die unsägliche Täuschung zugrund liegt, vorher gewußt zu haben, daß die Talfahrt weitergehen würde.
Gibt es für Anleger keinerlei verläßliche Strategien?Doch, sagen seriöse Berater, deren Qualitätsmerkmal ausgeprägte Vorsicht ist. Über Jahrzehnte hat sich z.B. die Erfahrung herausgeschält, daß eine Orientierung am Substanzwert (value stocks) höhere Rendite abwirft als ein Vertrauen in Wachstumswerte (grow stocks). Weiterhin machen sich sechs Anlagekriterien buchstäblich ›bezahlt‹: ...
Copyright by Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer, aus: www.walthari.com


13. November 2004

Blutspuren der Multikulti-Verblendung 
Ein Nekrolog auf künftige Opfer 
lebensverachtender Toleranzutopien 

›Theo van Gogh, holländischer Regisseur mit durchgeschnittener Kehle und mit einem Spottzettel am Messerschaft‹: Schreibt Euch diese Mahnworte in Euer Notizbuch, Ihr Verkünder multikultureller Utopien. Nein, Ihr seid nicht einfach blind gegenüber dem Haß, wie er aus unangepaßten und unanpaßbaren Parallelgesellschaften quillt. Ihr seid auch nicht böswillig oder naiv-aufklärungsmanisch. Das alles seid Ihr nicht, weil Ihr es besser wissen könntet und müßtet. Lebens- und Rechtsverachtung bescheren dem friedlich gewordenen Europa eine haßerfüllte Gegenwart und werden es höchstwahrscheinlich in eine blutige Zukunft führen.
Um dies vorherzusehen, muß man keine Prophetengabe besitzen, man muß nur durch Europas Städte gehen und Polizeireviere aufsuchen. Dramatisch wächst die Zahl der rechtsfreien Räume und der Arbeitslosen in Vierteln, in denen kaum noch die Landessprache gesprochen wird, wo einheimische Lehrer daher ihre Schüler nicht mehr verstehen und Polizisten sich nur noch schwerbewaffnet in ghettohafte Quartiere wagen, weil etwa jeder zehnte Quartierbewohner gewaltbereit ist oder Gewaltakte deckt. Ob in England, Holland, Frankreich, Belgien, Spanien, Italien oder Deutschland, in all diesen und in anderen Ländern spitzen sich multikulturelle Konflikte bedrohlich zu. Doch nur wenige Politiker nennen die wahren Ursachen der »epochalen Bedrohung« und fordern einen »Schutz unserer Bevölkerung«. Jörg Schönbohm weiter: »Effektiver« als staatliche Abwehrmaßnahmen »wäre es, wenn Rot-Grün endlich dem ersehnten Aufbau einer multikulturellen Gesellschaft eine klare Absage erteilte« (FASZ, Nr. 13/04). Nur die Schweiz wähnt sich auf einer Insel mit durchweg friedlichen Immigranten und fragte mit der lehrmeisterlichen NZZ-Stimme am 26. August 2003: »Werden die Niederlande ausländerfeindlich?« Das war vor der Ermordung Theo van Goghs.
Neun von zehn Konflikte in der Welt haben multikulturelle Ursachen. Ob in Thailand, Rußland, auf dem Balkan, im Nahen Osten, in ganz Afrika – wo immer gebrandschatzt und gemordet wird, kann man sicher sein, daß religiöse und rassische Gegensätze fast ausnahmslos dahinterstecken. Was man aus der Geschichte zudem wissen kann: Kaum einer dieser Gegensätze ist bisher dauerhaft befriedet worden. Wer daran zweifelt, reise durch den Balkan oder nach Nordirland, durch Nordspanien oder Burma und in zweihundert weitere Weltgegenden, wo es seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten brodelt. Man sollte daher endlich anerkennen, was die Geschichte unabweisbar lehrt: 

  1. Multikulturelle Gesellschaften bleiben, wenn überhaupt, nur solange friedlich, wie allseitiger Wohlstand herrscht; mit der Not kommen die Konflikte (Sündenbocksyndrom). 
  2. Multikulturelle Gesellschaften, in denen monomythische Gesinnungen sich gegenüberstehen (z.B. im Islam: wie grausam man mit Ungläubige verfährt, lehrt der Koran), sind jederzeit gewaltbereit. 
  3. Selbst in aufgeklärtesten Gesellschaften gibt es eine Verträglichkeitsgrenze, bei deren Überschreitung das Konfliktpotenzial nicht mehr beherrschbar ist. 
  4. Es ist ein katastrophaler Denkfehler, das Funktionieren in multikulturellen Elitegruppen (Forscher, Sportmannschaften, Konzertmitglieder u.a.) zum Vorbild für Alltagslagen zu erklären; Eliten finden unter der Regie eines strengen Regelwerks (Forschungsmethode, Sportregeln, Partitur usw.) zum beglückenden Gleichklang und ordnen ihre Gegensätze (religiöse u.a.) ihrem Oberziel bedingungslos unter.  In einer Fußballmannschaft vertragen sich Christen, Muslime und Atheisten unter dem gegebenen Leistungsdruck. Normalbürger mit gleichen Unterschieden geraten in bedrängten Lagen dagegen leicht aneinander.
Das alles kann man seit langem wissen, spätestens seit der Veröffentlichung des Bandes II der ›Kultur- und Kunstökonomie‹ (1993; vgl. Fenster Sachbücher in diesem WALTHARI-Portal). Theo von Gogh könnte nach allem Ermessen noch leben und die weltweite Konfliktwelle wäre vermutlich geringer, hätten die politischen Klassen nicht den Kontakt zu ihren Völkern weitgehend verloren. Um Politikern die wachsende Gefahr zu verdeutlichen, gäbe es ein einfaches Mittel: Sie sollten ihren Personenschutz selber bezahlen. Allein diese Opportunitätskosten würden...
© WALTHARIUS,  Aus: www.walthari.com


5. Oktober 2005

Tagebuchnotizen
Geübte Deutschland-Beschämer bejubeln plötzlich das Vaterland

Wieder einmal reiben sich nüchterne Beobachter der Politszene die Augen: Hurtig reiht sich auch derjenige Teil der politischen und Medienklasse, der über Jahrzehnte die Deutschen zum dauergebückten Gang angehalten hat, in die derzeitige Jubelkampagne ein (›Du bist Deutschland‹ samt Kommentarschweif). Jammern müsse endlich aufhören, tönt es aus allen Medienrohren und Politikermündern, auch aus solchen, die sich bisher zur fortwährenden Vaterlandsbeschämung berufen fühlten. »Ich schäme mich, ein Deutscher zu sein«, galt lange Zeit als schicker Partyspruch, der zuweilen auch ins Mikrofon gesprochen wurde. Ein grüner Minister z.B. war sichtlich stolz auf sein Bekenntnis, niemals in die deutsche Nationalhymne (bei offiziellen Anlässen) miteingestimmt zu haben. Wendebeflissen gibt einer seiner Farbkollegen, der ›Auschwitz‹ zum Gründungsmythos der Bundesrepublik erklärt hat, gab zu Protokoll, er liebe sein Land. Wendegeister auch andernorts, und man fragt sich: Was steckt dahinter?
Einen aufrechten Gesinnungswechsel darf man nicht vermuten, das wäre zuviel verlangt im meist denk- und moralschwachen politischen Machtgeschäft. Aufgeschreckt hat vermutlich ein schwerwiegender pathologischer Befund: die tiefsitzende Deutschlanddepression, welche gravierende Auswirkungen zeitigt. Wie verhalten sich Menschen, denen man über ein halbes Jahrhundert permanent eingeredet hat, daß sie vornehmlich und auf ewig schuldbeladen ihr Dasein zu fristen hätten, weil zwölf schwarze Jahre (NS-Verbrecherzeit) schwerer wögen als all die großen Leistungen in der eineinhalbtausendjährigen Vorvätergeschichte? Unter der niederdrückenden Wucht einer überdrehten Schuld- und Gedenkpraxis sind die bewundernswerten Taten der Reformatoren, Aufklärer, Romantiker, Musiker und anderen Künstlern, der Wissenschaftler und Philosophen usw. am Horizont des Erinnerns und des Stolzes verschwunden. Der mentale Druck hatte zeitweise eine Atmosphäre erzeugt, in der auch leiseste Anflüge von Patriotismus mit der NS-Keule niedermacht wurden. Die Wächter des depressiven Geistes züchtigen immer noch jeden, der den pathologischen Kanon verletzt - unerbittlich, bis zur öffentlichen Hinrichtung in der Presse und in Fernsehmagazinen.Indexierungen reichen bis in den täglichen Wortgebrauch und beschäftigten immer wieder die Justiz, die sich an Vorschriften des Strafgesetzbuches zu halten hat (vgl. die Kritiken dazu in diesem WALTHARI-Portal). Über dieses einseitig gesinnungsimprägnierte und vergangenheitsgefesselte Land hat sich die schwere Krankheit der Selbstpreisgabe und Identitätsverfransung ausgebreitet, wie an der gescheiterten Debatte über die Leitkultur beispielhaft zu erleben war. Abertausende Eliten (Wissenschaftler, Künstler, Unternehmer u.a.) kehren jährlich einem für verloren gehaltenen Deutschland den Rücken. Unter den Gebliebenen herrscht nicht allein Ratlosigkeit und Angst, welche letztere im Ausland schon das Made in Germany zu ersetzen droht (vgl. die zynische Anspielung in einer Rede des englischen Premierministers). Die depressive Befindlichkeit in Deutschland schlägt sich, wen wundert’s, in harten Fakten nieder: viele Paare, ob verheiratet oder nicht, bleiben ohne Kinder (»Wozu Kinder in einem Land ohne Zukunft?«); die Staatsschulden nähern sich dem Bankrott (nach uns die Sintflut); durchweg herrscht demokratiegefährdende Politikverdrossenheit (u.a. erkennbar an der sinkenden Wahlbeteiligungen); skandalös hoch bleibt der Stand der Arbeitslosigkeit infolge anhaltender  Wachstumsschwäche und entfaltungshinderlicher Bürokratisierung u.v.a.m.
Dieser desolate Zustand des Landes, der zu einem Dauerzustand zu werden droht, hat die politische Klasse aufgeschreckt und bei den Medien zu dem erwähnten Kommentar- und Kampagneneifer geführt. Wer angesichts dieser nationalen Animationsveranstaltung auf das schlimme Krankheitsbild hierzulande dennoch hinzuweisen wagt, gilt plötzlich als Nörgler und Landesfeind – eine geradezu atemberaubende Wendehalsigkeit und Dreistigkeit, die beide von eigener Landesbeschämung in der Vergangenheit ablenken sollen und sich machbarkeitsfröhlich herausnehmen, das Land je nach Lust und Laune mal schlecht-, mal schönzureden. Doch der Teufel, den man jahrzehntelang mea-culpa-versessen an die Wand gemalt hat, steht herbeigeredet leibhaftig unter der Tür und läßt sich nicht mehr so schnell verscheuchen; denn das GAMM’sche Gesetz der trägen sozialen Wirklichkeit...
Waltharia
© WALTHARI®   Aus: www.walthari.com
 



3. August  2005
Sendschreiben 
an die Bürger eines zunehmend 
(ver-)fassungslosen Landes

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

kennen Sie das Verfassungsspiel, das unsere politischen Eliten zusammen mit den Hütern der Verfassung betreiben? In einem aktuellen Fall geht das so: Der Chef eines Verfassungsorgans verkehrt den eindeutigen Sinn eines Grundgesetzartikels (hier Artikel 68 GG) in sein Gegenteil, läßt die Verkehrung von einem zweiten Verfassungsorgan absegnen und veranlaßt ein drittes Verfassungsorgan, die unzweifelhafte Sinnverdrehung quasi-notariell zu beglaubigen. Dieses Spiel hat jüngst der Bundeskanzler zusammen mit dem Bundestag und dem Bundespräsidenten einer erstaunten Öffentlichkeit vorgeführt, woran die Medien, skandalsüchtig wie sie nun mal sind, ihren besonderen Gefallen fanden. Das Spiel ist noch nicht zuende, denn ein viertes Verfassungsorgan wurde von zwei Spielverderbern um die Einhaltung des Originalsinns des Art. 68 GG gebeten, doch der oberste Hüter der Verfassung, das Bundesverfassungsgericht, hat bereits in einem ähnlichen Fall eine Verfassungsreparatur mit dem Argument verweigert, »es ist der Beginn einer Staatspraxis, die einem neuen besonderen politischen Sachverhalt gerecht zu werden versuchte und auf diesem Wege die Krise löste«. Bleiben die Karlsruher Richter bei dieser Entscheidungslinie, werden sie die Spielverderber abweisen und ihnen sowie dem Verfassungssouverän (dem Volk) den Glauben an die strikte Geltung des Grundgesetzes ein weiteres Mal rauben.

Wissen Sie, was hier gespielt wird? Um es zugespitzt zu sagen: Mit einer getürkten, von den Parteien gewünschten Staatspraxis wird ein weiteres Stück des Grundgesetzes ausgehebelt. Es kommt nicht mehr auf den eindeutigen Verfassungssinn an, sondern allein auf »das Gewicht dieser Überzeugung auf höchster Ebene«, d.h. auf die bloße Ansicht des Bundeskanzlers, des Bundestages und des Bundespräsidenten, die man »nicht unbeachtet lassen« kann, wie die Karlsruher Richter in ihrem 83er Urteil ausführten (BVerfG E 62, 1,49). Staatspraxis, die von den Parteien ausgeht und die den machtpolitischen Ansichten (Kalkülen) der Parteien unterliegt, geht also der Verfassung vor. Diese Staatspraxis wird selbst vom Bundespräsidenten und dem Bundesverfassungsgericht über das Grundgesetzt gestellt.

Das ist zweifellos ein Vorgang, der die Grundfesten unseres Gemeinwesens erschüttert. Man stelle sich vor: Das Bundesverfassungsgericht, das über die nicht immer willkürfreie Staatspraxis der Parteien zu wachen hat, stellt eine hier eindeutige verfassungswidrige Staatspraxis über das Grundgesetz. Es bedarf also nur einer »einhelligen Überzeugung auf höchster Ebene« (gemeint sind die von den Parteien beherrschten Verfassungsorgane), und schon winken die Karlsruher Verfassungshüter eine grundgesetzwidrige Staatspraxis durch. Ein Schelm, wer bei dieser Entscheidungspraxis daran denkt, daß auch Richterernennungen von Parteieneinflüssen  (über Richterwahlausschüsse) nicht frei sind. Der Parteienstaat leistet also nicht allein in Sachen bankrottnaher Staatsverschuldung, Abwehr von mehr direktdemokratischen Elementen u.v.a. eine bemerkenswerte Arbeit. Ist den Richtern bewußt, daß nicht einmal sie sich über das Grundgesetz stellen dürfen?

In ihrer Fassungslosigkeit verfallen manche Bürger in autistische und zynische Schnipselspiele. Sie schneiden mit der Schere jene Grundgesetzartikel aus und hängen sie an die Wand, die von staatspraktischen Zugriffen und Uminterpretationen bisher nicht verschont wurden. Das ist insofern reiner Autismus, als es ein bloßes Papierspiel ist, also nach außen nichts bewirkt, lediglich die Ohnmacht des Verfassungssouveräns (der Bürger) vor Augen führt. Zynische Spieler betrachten neben der wachsenden Zahl von Grundgesetzänderungen vor allem die Artikeluminterpretationen und  -mißachtungen. Wer das Grundgesetz einmal gründlich daraufhin überprüft, wird mehr als nur erschrecken; er wird sich alle Mühe geben müssen, seinen Glauben an das Grund-Gesetz zu bewahren und sich fragen: Stimmt noch die hehre Souveränitätsverkündung in Art. 20, Abs. 2 GG: »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus«?

Mehrere dutzende Male wurde das GG geändert, und zwar ohne den Verfassungssouverän (das Volk) direkt zu befragen. Erstaunlicher noch als die erkennbaren Änderungen sind Uminterpretationen und glatte Mißachtungen. Nehmen wir z.B. die Vorschrift, daß die Abgeordneten des Deutschen Bundestages in »unmittelbarer... Wahl gewählt« werden müssen. Unmittelbar, d.h. nicht über Listen, auf die der Wähler noch weniger Einfluß hat als bei der Aufstellung von Direktkandidaten (auch sie geschieht parteienintern). Ausgerechnet der Listenwahl aber fällt ein größeres Gewicht zu als der Direktwahl, bei der die Stimmen der Minderheit bekanntlich unter den Tisch fallen. Diese volksferne Staatspraxis wird noch dadurch gesteigert, daß die Parteien nicht, wie es Art. 21 Abs. 1 GG vorschreibt, »bei der politischen Willensbildung« nur mitwirken sollen, sie haben die gesamte Legislative und weitgehend auch die Exekutive im Griff und wirken sogar bei Richterernennungen beträchtlichen Einfluß aus. Was, so fragt sich der Bürger, bleibt von der Gewaltenteilung übrig?

Den Vogel schießt freilich die Umdeutung des Art. 146 GG ab. Wer sein Staunen über den herrschenden Parteienstaat zu einem Erschrecken steigern will, lese diesen Abschlußartikel des Grundgesetzes und die juristischen Kommentare dazu. Die hermeneutischen Meisterspiele schaffen es, den Ersatz des nur vorläufig geltenden Grundgesetzes durch eine endgültige Verfassung für überflüssig zu erklären, obschon Art. 146 unmißverständlich vorschreibt, »nach Vollendung der Einheit und Freiheit für das gesamte deutsche Volk« (geschehen 1990) eine »Verfassung in Kraft« treten zu lassen, »die von dem deutschen Volk in freier Entscheidung beschlossen worden ist«. Wohlgemerkt: »von dem deutschen Volk« selber, nicht von seinen Repräsentanten im abgehobenen Parteienstaat.
Wie lebt sich’s in einem zunehmend (ver-)fassungslosen Land? Wer nicht zum Autisten und Zyniker werden will...

In mitbürgerlicher Nachdenklichkeit
Ihre 
Waltharia

©WALTHARI® – Aus: www.walthari.com


6. Juli 2005

Gestalten des Bösen
Aus: WALTHARI-Heft 44/2005 
Das Böse als literarische Vorlage, S. 30 ff.

»Das Böse nimmt vielerlei Gestalten an, es kann im Verborgenen wirken und in leibhaftigen Formen  auftreten, wobei das leibhaftig gewordene Böse sowohl als gedachte und gespielte als auch in realer Personalität auftreten kann. Am personellen Ende der Erscheinungsskala des Malum agieren die Figuren der theologischen Teufelslehren (vgl. Vorgrimmler, H.: ›Die Geschichte der Hölle‹, München 1994), Goethes Mephisto (vgl. den folgenden Beitrag über literarische Bösewichte) und die sattsam bekannten, abgrundtief verrohten Menschenschlächter und -schinder (darunter die Vertreiber von Menschen aus ihrer Heimat). Das Satanische als personifizierte Gestalt ist also nicht auf die Teufelsfigur und auf Großtyrannen beschränkt, es tritt als vielköpfige Hydra in Erscheinung und trägt zuweilen auch Priesterkragen (wie in Polen nach 1945) und geweihte Bärte (wenn Imame zum Mord aufrufen).

Am anderen Ende der Erscheinungsskala lauert das Böse als Prinzip und Potenz. Prinzipiell Böses, das keine personelle Gestalt annimmt, ergießt sich aus Systemen, deren Neigung es ist, im ›maschinenhaft‹-kalten Ablauf den Menschen zum bloßen Objekt zu machen und ihn damit in seiner Würde und Freiheit einzuschränken. Diese verwerfliche Gestaltform ist keineswegs nur in politischen, religiösen u. a. Diktaturen anzutreffen, man begegnet ihr in jeder Form menschlicher Gemeinschaft, in denen Normierungen mehr gelten als Spiel-Räume für freie Entscheidungen. Unterstellt man, daß Freiheitsbeschränkungen wider Willen der Betroffenen stets ›böse Züge‹ tragen, so kann das Böse als Prinzip immanenter Bestandteil aller sozialen Formationen sein, von der Familie über Institutionen bis zu demokratisch sich wähnender Staaten. Dieses Systemböse (und nicht das personifizierte Böse) ist die ›satanische‹ Hauptgestalt der Postmoderne. Wenn Parteiendemokratien mit einer Gesetzesflut den Bürger zu entmündigen versuchen; wenn an Universitäten die Freiheit von Forschung und Lehre hochschulpolitisch bedroht wird; wenn die Staatsschulden sozialpolitisch kriminelle Ausmaße annehmen (kriminell: weil ungefragte Dritte, nämlich künftige Generationen, die Schulden begleichen müssen, die aus jeweils maßlosem Gegenwartsverbrauch entstanden sind); wenn bewährte gewachsene Traditionen ideologisch zerstört werden, so hat man es mit Bösem zu tun, das systembedingt am Werk ist. Kennzeichen dieses Systembösen sind seine personale Anonymität, seine schleichende Wirkung und seine Unausweichlichkeit im Gewande geschützter Rechtfertigungen. Der überzogene Sozialstaat mit seinen verwerflichen Auswirkungen ist dafür ein klassisches Beispiel: Die Sozialkassen werden anonym ausgebeutet, und es dauert Jahre und Jahrzehnte, bis das Verwerfliche allgemein erkannt wird; all dies geschieht unter dem Legitimitätsdach einer verfassungsrechtlich geschützten Sozialgesetzgebung; am Ende hinterläßt die Parteiendemokratie (als Hauptverantwortliche: Sozialdotierungen garantieren Wählbarkeit) nicht allein einen fiskalischen Bankrott, schlimmer noch sind die mentalen und gesellschaftlichen Verwerfungen, wofür Deutschland gegenwärtig ein trauriges Beispiel abgibt. 

Um das Böse als Potenz auszumachen, muß man nicht erst Theologie und Geschichte bemühen, es ist immanenter Bestandteil der menschlichen Natur (Kant). Schon Kinder können, trotz mühevoller Erziehung, untereinander grausam sein; die Versuchung zur bösen Tat im Erwachsenenalter sind Legion. Dabei ist die Disposition zum verwerflichen Denken und Handeln keineswegs auf pathologische Naturen beschränkt und auch kein Privileg von Herrschenden. Von Macht allerdings gehen so starke böse Versuchungen aus, daß ihnen nur wenige Menschen widerstehen können. Es scheint, daß im Machtgebrauch die größte Potenz des Bösen (als Prinzip) liegt (vgl. dazu WALTHARI-Heft 43 mit dem Schwerpunktthema: ›Machtmasken und literarische Komik‹). 

Zwischen den beiden aufgezeigten Polen der Formen des Bösen (als Personifizierung und Prinzip bzw. Potenz) breitet sich ein weites Feld weiterer Erscheinungsweisen aus. Ins Auge fallen verwerfliche Verhaltensweisen zwischen Lüge und Folter, Verleumdung und Mobbing und was an Varianten der Niedertracht noch alles auf der Bühne des Lebens vorgeführt werden kann. Wie schon bei den Gehalten wird der Blick auch bei den Gestalten allzu leicht auf die Extreme (Folter usw.) verengt und damit von den alltäglichen Verkleidungen menschlicher Schäbigkeiten abgelenkt. Von Mobbing und Verleumdung können psychische Leiden und soziale Schäden ausgehen, die an Brutalität einer Folterdrohung in nichts nachstehen. Den Schritt von erträglichen Bosheiten zu Bösartigkeiten, Kränkungen und Abscheulichkeiten mag man als ethischen Hiatus betrachten, als Schritt von verzeihlicher Schwäche zu unverzeihlicher Niedertracht. Doch unter der Maske der Harmlosigkeit erschleicht sich Böses nur zu leicht ein Verstehenwollen und mildernde Umstände. Sowenig es eine kleine Schwangerschaft gibt, so wenig sind Minorgestalten des Bösen ethisch zu verharmlosen. Sie gehören zwar zum Alltagsgepäck menschlichen Daseins, öffnen aber handkehrum die Büchse der Pandora.« 
© WALTHARI® – Aus: www.walthari.com


8. Dezember 2004

Kunst als Widerlager zum System

In einem neuerlichen Interview sagte der Regisseur Hans Neuenfels den denkwürdigen Satz: »Es besteht immer die Gefahr, daß man sich mit dem System verbindet...« Dabei berief er sich auf Sergej Eisensteins berühmten Ausspruch: »Es gibt keine Kunst ohne Konflikt.« In gut heideggerscher Manier arbeitet Neuenfels gegen die Tendenz, »den Menschen in seinem Sein zu verdrängen«. Dieser Dauerkonflikt könne »mit einer Diktatur« ebenso ausgetragen werden wie »mit einer liberalen Gesellschaft«, die in einen Pseudoliberalismus abgerutscht sei. Der Theatermann findet es daher »grauenhaft«, wenn jemand das Theater mit seinem Wohnzimmer verwechselt. Neuenfels geht es um den »Moment, an dem wir wieder zu uns kommen«. Damit wird der Kunst die Dauerrolle eines Widerlagers zum ›System‹ zugedacht, zu den großen und kleinen Maschinerien der Gesellschaft und des Staates. Damit wird aber auch ein Mißverständnis aktualisiert, dem nur derjenige nicht unterliegt, der mit der ›Antimaterie‹ philosophischer und poetischer Negativitäten vertraut ist (vgl. dazu die WALTHARI-Hefte Nr. 36-43). Neuenfels mokiert sich über die »Kanapee-Oper«, die er »an der Wiener Staatsoper und an drei Vierteln der deutschen Theater« installiert sieht. Statt Haltung zu zeigen, biete man Unterhaltung (WamS 46/04, S. 72).
Das trifft mitten ins Herz der sog. Eventkultur, die nicht nur in den Medien und Vereinen, im Sport und in der Politik das Zepter übernommen hat. Diese Krankheit zum Primitiven hat auch die Kirchen und selbst die Universitäten erfaßt, die sog. Eventtage veranstalten (›Kinderuniversität‹ usw.) und dabei ihre Arbeit am verschütteten Humanum vernachlässigen. Recht verstandenes Theater kann daher wie überhaupt alle Kunst nur als Widerlager funktionieren, das den Konflikt nicht erst suchen muß, weil das eingefahrene System selber das Problem darstellt. Die ›Arbeit am Widerstand‹ im Sinne der philosophisch-poetischen Negativität (sie ist übrigens nichts ›Negatives‹) kann in heitere Zonen eintreten, wenn die Kunst sich mit der Philosophie und den Wissenschaften verbündet. Wie drei Musketiere florettieren sie sich dann durch...
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com


11. April 2005

Belgien erinnert sich mal wieder nur 
halbherzig seiner Kongo-Greuel

Im Schloß Tervuren vor den Toren Brüssels ist bis zum 9. Oktober 2005 eine Ausstellung zu sehen, die dem 175. Bestehen des Belgischen Staates gewidmet ist und die sich dabei gezwungenermaßen der schrecklichen Kolonialvergangenheit des Landes stellen muß. Doch die Ausstellungsmacher in dem Art-déco-Schloß, das z. T. mit dem Blutgeld der Kongo-Ausbeutung errichtet wurde, konnten sich nicht entschließen, sich der Geschichte voll zu stellen. Nicht Leopold II., der Großvater des heutigen Königs, wird zur Verantwortung gezogen, so der Eindruck, es sollen vornehmlich kapitalistische Kautschukunternehmen gewesen sein, die eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte auf dem Gewissen haben. Die Ausstellung wagt es sogar, von edlen Motiven für das belgische Kolonialwirken zu sprechen. Schon 1876 hatte Leopold II. auf einer Geographenkonferenz in Brüssel den Kongo als »einzigen Teil unseres Globus« bezeichnet, »der bisher noch nicht berührt worden ist«, um ihn »für die Zivilisation zu öffnen, die Finsternis zu heben«. Der Kongo sei eines »Kreuzzuges... würdig«. Joseph Conrad hat die Finsternis-Metapher ein Vierteljahrhundert danach aufgegriffen (in seinem Roman ›Herz der Finsternis‹).
In Heft 35/2001 hatte die Literaturzeitschrift WALTHARI aus gegebenem Anlaß die verdrängten Kongo-Greuel aufgegriffen. Zur Erinnerung und wiederum aus gegebenem Anlaß hier der gekürzte Text.

Belgische Kongo-Greuel 
Fünf bis acht Millionen Menschen starben
- Eines der größten Menschheitsverbrechen 
bleibt ohne literarischen und politischen Nachhall -

Greueldaten

Hauptquartier der Verbrechensplanung: Brüssel
Ort der Handlung: der Kongo
Zeit der Kongo-Greuel: zwischen 1885 - 1910
Hauptverantwortlicher: Leopold II, König der Belgier, Großvater des heutigen Königs Baudouin.
Haupttäter im Kongo: Henry Morton Stanley, ›berühmter‹ Afrikaforscher
Mitverantwortliche: Staaten wie Frankreich, Niederlande, England, Portugal und die USA
Opferzahl: mindestens fünf, wahrscheinlicher sind acht Millionen Schwarze.

Anklage

Erste Ankläger: der Afroamerikaner George W. Williams, den Leopold II. öffentlich verleumden ließ; der Engländer Edmund D. Morel, der in seiner Zeitung auf die „Geheimgesellschaft von Mördern mit einem König als Oberhalunken“ hinwies und dafür ins Gefängnis geworfen wurde.
Heutiger Ankläger: der amerikanische Essayist Adam Hochschild in: „Schatten über dem Kongo. Die Geschichte eines der größten, fast vergessenen Menschheitsverbrechen“, Klett-Cotta-Verlag, 2. Auflage, Stuttgart 2000, 494 Seiten.

Prunkvolle ‚Mahnmale‘ des Völkermordes in Brüssel

Die königlichen Schlösser in Brüssel samt Gewächshäuser, Japanischem Turm, Triumphbogen im Parc du Ciquantenaise und der Museumspalast für Zentralafrika sind teils erbaut, teils umgebaut und teils eingerichtet worden mit Raubgeldern aus den Kongo-Massakern. In den Gebäulichkeiten findet sich kein einziger Hinweis auf die großkriminelle Finanzierungsquelle und auf den königlichen Holocaustus.

Staatlicher Zynismus

Im Frühjahr eines jeden Jahres wird die Büste Leopolds II. in der königlichen Residenz Schloß Laeken mit Kamelien und Azaleen aus den Gewächshäusern geschmückt und das Schloß für das Publikum geöffnet. Tausende von Besuchern strömen an dem staatlich in Ehren gehaltenen Massenmörder vorbei.

Ablenkende Hetzjagd aus Brüssel

Bekanntlich war die Regierung des multikulturellen und identitätsunsicheren Belgien eine Hauptbetreiberin der Isolierung Österreichs innerhalb der EU in den Jahren 1999/2000. Belgische Politiker wollten ihr Land „auf der internationalen Bühne als ‘Modellstaat’ präsentieren“. Und selbst belgische Intellektuelle, die öffentlich die Österreichpolitik ihrer Regierung kritisierten, zogen Vergleiche zwischen Haider und Hitler und erwähnten Leopold II. mit keinem Wort; nicht einmal beim Vorwurf der Heuchelei, den sie darin sahen, daß der belgische Außenminister Louis Michel zwar dem kongolesischen Diktator Kabila die Hand schüttelte, „zur gleichen Zeit aber gegen Österreich fulminierte, ein Land, in dem nicht ein einziges Verbrechen gegen die Menschheit begangen worden“ ist, nicht einmal diese regierungskritischen belgischen Kritiker brachten den naheliegenden Namen Leopold II., immerhin einer der größten Verbrecher der Neuzeit, ins eigene Gedankenspiel (Zitate aus: Rochtus, D.: Belgische Hysterie wegen Österreich, in: Politische Studien, Heft 370, März /April 2000, S. 109 ff.).

Zur Vorgeschichte

  ...

1665 ff.: Die Portugiesen besiegen den letzten Mani-Herrscher und enthaupten ihn. Danach setzt ein Sklavenhandel gigantischen Ausmaßes ein, an dem Franzosen, Holländer, Briten und Belgier kräftig mitwirkten. Ungezählte Millionen von Afrikanern werden nach Mittel- und Südamerika verschleppt, vor allem nach der portugiesischen Kolonie Brasilien.
1838 ff.: Der Sklavenhandel wird verboten, doch die Ausplünderung Schwarzafrikas geht weiter.

Zur Hauptgeschichte 

1884: Henry M. Stanley, der in den Jahren zuvor den Kontinent mordend und brandschatzend durchstreift und dabei den verschollenen Missionar und Arzt David Livingstone aufgespürt hat, überbringt Leopold II. Verträge, in denen afrikanische Häuptlinge angeblich ihr Land an den belgischen König übereignen - der kriminelle Anfangsakt der Kongo-Greuel, die von Afrikakennern (Missionare, Händler) sofort durchschaut werden; denn so wenig wie Indianer kannten Neger ein Landeigentum, es war daher auch nicht übertragbar. Dennoch läßt sich Leopold II. in europäischen und amerikanischen Zeitungen als humanitärer Zivilisationsbringer feiern, wofür Journalisten Bestechungsgelder entgegennehmen.
1885 ff.: Auf der Berliner Konferenz erreicht Leopold II. durch Taktieren und Intrigen, daß ihm der Kongo als Privateigentum (!) zugesprochen wird. Die Kongo-Greuel der Moderne beginnen: Fünf bis acht Millionen Afrikaner verlieren als Arbeitssklaven, bei militärischen Jagdzügen und durch grausame Strafaktionen ihr Leben.
1890/91: George W. Williams umschifft den afrikanischen Kontinent und bereist sechs Monate lang den Kongo. Danach verfaßt er einen „Offenen Brief an den König“ (Leopold II.), in dem er den Genozid und das dahinter stehende Ausbeutungssystem detailliert beschreibt (auf zwölf Druckseiten). Als er den König in Zeitungsartikeln der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ anklagt, läßt ihn der königliche Massenschlächter in bezahlten Artikeln öffentlich als „geistesgestörten Neger“ diffamieren.

Aus dem „Offenen Brief an den König“ Leopold II.

Am 14. April 1891 veröffentlicht der New York Herold, der G. W. Williams nach Afrika entsandt hat, den Offenen Brief von Williams unter der Überschrift: „Amerikanischer Staatsbürger erklärt Regierung des Freistaates (Kongo) für barbarisch.“
„Diese räuberischen und freibeuterischen Garnisonstruppen nötigen die Eingeborenen mit vorgehaltener Muskete, sie mit Fisch, Ziegen, Geflügel und Gemüse zu versorgen, und wenn die Eingeborenen sich weigern..., kommen weiße Offiziere mit einem Expeditionskorps und brennen die Hütten der Eingeborenen ab... Euer Majestät Verwaltungsapparat ist übertrieben grausam zu Häftlingen, die bereits für die geringsten Vergehen in Ketten gelegt werden... Häufig fressen sich diese Ochsenketten in den Nacken der Häftlinge ein und reißen Wunden, über denen sich Fliegen sammeln, was die eitrige Wundstelle noch verschlimmert.“

Massenmörder Leopold II. gibt sich als Philanthrop

Der belgische König war ein Meister der Verstellung und Bestechung, der Intrige und Verleumdung. Gegen Bezahlung ließ er über Williams öffentlich verbreiten: Er sei überhaupt kein Oberst in der Armee der Vereinigten Staaten und offensichtlich geistesgestört u.v.a.m. Während sich Leopold II. persönlich mit Milliarden bereicherte, gab er sich als Philanthrop: „Was ich dort (im Kongo) tue, tue ich in christlicher Pflichterfüllung für die armen Afrikaner.“ Er setzte den britischen Gesandten unter Druck und ließ sich vom belgischen Ministerpräsident im Parlament verteidigen. Er veranlaßte einen Bericht vom „Unabhängigen Kongostaat“, der die Anschuldigungen Williams zurückwies.

Hochschilds Urteil

„Hier handelt es sich um die erste große internationale Greueltat und Skandalgeschichte im Zeitalter des Telegrafen und des Fotoapparats. In der Art, wie sich industriell betriebenes Blutvergießen, Königshaus, Sex und Persönlichkeitskult mit konkurrierenden lobbyistischen Aktivitäten und mit Medienkampagnen mischten, die in einem halben Dutzend Ländern auf beiden Seiten des Atlantik tobten, wirkt das Ereignis überraschend modern. Hinzu kommt, daß König Leopold II. im Unterschied zu anderen historischen Räubern wie Dschingis Khan oder den spanischen Konquistadoren keinen einzigen Tropfen mutwillig vergossenes Blut fließen sah. Er setzte nie einen Fuß in den Kongo. Auch das mutet höchst modern an, so modern wie der Bomberpilot in der Stratosphäre über den Wolken, der keine Schreie hört und nie die zertrümmerten Häuser und zerfetzten Leiber zu sehen bekommt“ (Hochschild, A.: a.a.O., S. 11).

„Geheimgesellschaft von Mördern“

Doch Williams war nicht der Einzige, der frühen Mut bewies. Edmund D. Morel, der für das Ent- und Beladen von Schiffen der Kongo-Route verantwortlich war, fiel auf, daß für die eintreffenden Waren (Elfenbein und Kautschuk) Waffen und Munition eingeschifft wurden, die unmöglich für die Eingeborenen bestimmt sein konnten, eher für das Söldnerheer des Königs. Er recherchierte und stieß „auf eine Geheimgesellschaft von Mördern mit dem König als Oberhalunken“. Er entlarvte auch die Bestechungspraktiken des Königs, mit denen Journalisten und Verleger im In- und Ausland als Fürsprecher eingespannt wurden. Morel schrieb: „Die... im Kongo-Handel eingesetzten Dampfschiffe hatten in den letzten Jahren regelmäßig Unmengen von Vollpatronen und Tausende von Gewehren sowie Zündhütchenbüchsen geladen, die entweder für den Staat selbst oder für diverse belgische ‘Adelsgesellschaften’ bestimmt waren... Welche Verwendung haben diese Waffen gefunden?“ - „Nur mit Zwangsarbeit in einer ganz schrecklichen und kontinuierlich betriebenen Form ließen sich diese ungeheuren Profite erklären... Zwangsarbeit, die von den engsten Mitarbeitern des Königs angeordnet wurde... Mir wurde schwindelig, und ich war entsetzt über die horrende Bedeutung meiner Entdeckungen. Es muß schon schlimm sein, wenn man zufällig auf einen Mord stößt. Ich war auf eine Geheimgesellschaft von Mördern mit einem König als Oberhalunken gestoßen“ (zitiert nach Hochschild, A.: a.a.O., S. 257 und 258 f.).

Belgiens Vergangenheitsbewußtsein

Als 1908 der Kongo, als Folge des öffentlichen Drucks, vom Privateigentum Leopolds II. auf den belgischen Staat überging, war die Bevölkerung des Kongo um zehn Millionen Menschen geschrumpft. Auch danach änderte sich die Lage nur unwesentlich. Im Jahre 1960 wurde der Kongo, nach blutig niedergeschlagenen Aufständen, von der belgischen Kolonialherrschaft befreit. Zur Unabhängigkeitsfeier reiste König Baudouin in das ausgebeutete Land und sagte herablassend: „Jetzt liegt es bei Ihnen, meine Herren, sich unseres Vertrauens (!) würdig zu erweisen.“ Der in Brüssel zu Stein und Prunk gewordene Zynismus hält bis heute an. Keinerlei Bußfertigkeit oder Wiedergutmachung ist zu erkennen. Leopold II. war um das Jahr 1900 einer der reichsten Männer der Welt. Um das Jahr 2000 zehrt die belgische Monarchie und das Land Belgien reuelos von einem Reichtum, der mittels millionenfacher Menschenopfer zustande kam.

Belgische Heuchelei bis in die Gegenwart

Ganz in der Tradition Leopolds II. beschränkt sich das offizielle belgische Kolonialbewußtsein auf die humanitären Leistungen des Landes (Bau von Krankenhäusern, Schulen u.a.). Doch bis in die Gegenwart sind Politik und Militär Belgiens in schwerste Verbrechen verstrickt. Erst kürzlich hat sich das Parlament des Landes gezwungen gesehen, einen Untersuchungsausschuß einzusetzen, um die Liquidierung des ersten und bis heute einzigen frei gewählten Ministerpräsidenten Kongos, Lumumba, aufzuklären. Ein Buch des Soziologen Ludo de Witte hat die Beteiligung von belgischen Militärs nachgewiesen und damit die offizielle Version (die eine eigene Schuld am Flugzeugabsturz bestreitet) widerlegt. Ein belgischer Soldat gab dem schwer verletzten Lumumba den ‘Gnadenschuß’, und selbst die Leiche des Ministerpräsidenten wurde auf Bitten Belgiens in Säure aufgelöst, um eine Grabverehrung zu vermeiden. Das geschah im Jahre 1961. Lumumba hatte gegen belgische und amerikanische Interessen verstoßen, weil er Russen ins Land holte, um vom Westen unabhängiger zu werden. Auch 1994 war Belgien (zusammen mit Frankreich) in einen afrikanischen Genozid verwickelt, der in Ruanda mehr als achthunderttausend Afrikanern das Leben kostete. Wiederum ging es um Machteinfluß und Rohstoffe. Die Mitschuld auch Belgiens wurde von zwei internationalen Untersuchungskommissionen (der UNO und OAU) eindeutig nachgewiesen...
© WALTHARI® – Aus: www.walthari.com



23. November 2004

Genußvolle Kinderlosigkeit
Rede vor dem Akademikerinnen-Bund
›Lebensglück durch  freiwillige Kinderlosigkeit‹

Liebe Schwestern im Glück, 

meine Vorrednerin hat richtig gerechnet: Sechzig Prozent aller studierten Frauen bleiben kinderlos, dreißig Prozent entscheiden sich für ein Kind, die restlichen zehn Prozent haben mehrere Kinder. Uns interessieren unter den sechzig Prozent aber nur diejenigen Juristinnen, Professorinnen, Medizinerinnen usw., die freiwillig auf Nachwuchs verzichten, weil Kinder nun mal karrierehinderlich sind und auch sonst einer Selbstverwirklichung von uns Frauen im Wege stehen. Akademikerinnen nämlich, die gerne Kinder hätten, aber keine kriegen können (Gründe dafür gibt es genug), dürfen wir schon rein satzungsbedingt nicht aufnehmen. Diese Frauengruppe paßt aber auch mental nicht zu uns, denn verhinderte Mütter sehnen sich insgeheim ein Lebenlang nach Kindern, wir hingegen ausdrücklich nicht.

Das ist unser gutes Recht, ist doch der Wunsch nach Kindern eine höchstpersönliche Entscheidung, eine solche vor allem von Frauen, die ja die Belastungen und Behinderungen von den ersten Schwangerschaftswochen bis zum vollendeten 27. Lebensjahr des Abkömmlings fast alleine zu tragen haben. Ja, ich habe mich nicht versprochen: Kinder können einem bis zum vollendeten 27. Lebensjahr auf der Tasche liegen, wenn sie ihre Ausbildung vorher nicht beendet haben. So entschieden es  die Gerichte. Welche gebildete Frau mit starkem Emanzipationsdrang will denn unter diesem Oboluszwang noch Kinder in die Welt setzen? Das überlassen wir anderen, die ohnehin auf Kinder stehen. Mit unseren Steuern machen wir deren Los überdies erträglicher. 
Laßt euch von niemandem davon abbringen: Unsere Bäuche gehören uns ganz allein. Unsere Karriere lassen wir uns durch nichts einschränken, weder von Kindern noch übrigens von unseren Eltern, die beim betreuten Wohnen ganz gut versorgt sind. Unser Lebenskonzept lautet nun mal: Wir wollen ohne Anhang einkaufen, reisen, die Abende unter Freunden verbringen und unserem Beruf nachgehen. Das ist unser gutes Recht! Was daran soll verwerflich sein? Wozu haben wir studiert? Um das Wissen aus den langen Studienjahren zu verpampern? Als Frau, die im Beruf voll ihren Mann stehen muß, hat man genug mit sich selber zu tun, und ist mit den betrieblichen Aufgaben voll ausgelastet. Mir war es immer unbegreiflich, woher beispielsweise eine Dolmetscherin die Zeit für Kinder nimmt.

Lassen wir uns also nicht mit dummen Sprüchen in die Defensive drängen. Genetische Verschwendung hat man uns vorgehalten. Aber wenn schon, durch Zuwanderung kann man genug frisches genetisches Erbgut ins Land holen. Wir lebten in einer antigenerativen Ausbeuterwelt, liest man. Ich Frage: Was hat die Selbstverwirklichung von Frauen mit Ausbeutung zu tun? Antigenerativ ist unsere Kinderlosigkeit schon deshalb nicht, weil wir uns im Alter problemlos von Inderinnen und anderen Pflegerinnen aus der Dritten Welt betreuen lassen können.

Punkt für Punkt lassen sich so alle Anwürfe abwehren. Ich vermute, man neidet uns einfach unsere Freiheit. Es macht ja auch einen Unterschied, ob man mit Sack und Pack mal gerade in den Bayerischen Wald fahren oder aber in einer Luxuskabine in der Karibik umherschippern kann. Um nichts in der Welt möchte ich die Rollen tauschen, zumal kinderlose Erfolgsmenschen sowohl in den Medien als auch in der Gesellschaft angesehener sind als Mütterchen zwischen Herd, Beruf und Kinderkrippe. Über uns dagegen berichtet man voller Bewunderung, weil wir es meist bis ziemlich nach oben schaffen – dank unserer Kinderlosigkeit. Wir können uns stets nach der neuesten Mode kleiden, ohne befürchten zu müssen, daß wir versabbert werden. Der ganze Wellness- und Schönheitsbetrieb steht uns ungehindert offen, von Ayurveda bis zum Lifting. Das alles können sich Mütter einfach nicht leisten. Ich denke mal, sie vermissen es auch nicht, gehen sie doch in der ersehnten Mutterschaft völlig auf. 

Wenn’s ganz heiß wird mit Vorwürfen, greife ich gerne zum Frauenschild. Dabei muß ich mich gar nicht erst verstellen, mir tut nämlich, wie vermutlich den meisten Frauen, immer etwas weh. Mal ist es das Golfteufelchen im Rücken, mal ein Tennisärmchen, immer aber die Füße. Diese ewigen Fußschmerzen! Darauf kann man sich in Notfällen wunderbar berufen. Frausein verschafft in unserer Gesellschaft gewisse Privilegien - im Gegensatz zum frauenfeindlichen Islam. Laut Koran können noch so viele Frauenbeteuerungen keine einzige Männerstimme aufwiegen. Das ist hierzulande gottseidank anders, bei uns fördert man Frauen stärker als Männer. 
Was den Genuß unserer freiwilligen Kinderlosigkeit leider stört, ist erstens das mangelnde Interesse vieler gleichgesinnter Frauen an unserer Vereinigung. Schwierig ist zweitens der in unserer Satzung vorgeschriebene Nachweis, daß die bestehende Kinderlosigkeit freiwilliger Natur sein muß. Eine verschwiegene Mutterschaft geht uns zwar nicht durch, denn vor unserem Frauennetz läßt sich so was nicht lange verheimlichen, aber dürfen wir eidesstattlich versichern lassen, daß...?  Drittens macht uns das neue Antidiskriminierungsgesetz zu schaffen. Eine ganz neue Gefahr: Wie wehren wir kinderlose Männer ab? Udo von Lindenberg (ich bewundere ihn so sehr, daß ich ihn privat adelige) hat sich unlängst wie folgt geoutet: »Kinder muß ich nicht haben, jedenfalls keine eigenen. Ein betriebseigenes Bordkind würde mich in meiner mobilen Lebensart wohl auch zu sehr einschränken.« In der Sache stimmen wir ihm ja voll zu, aber wie verhalten wir uns, wenn Herr von Lindenberg bei uns einen Aufnahmeantrag stellt und sich auf das AntiDikriG beruft? Als Transvestit hätte er vielleicht... Jeder dritte Mann in Deutschland will ohne Kinder leben. Da könnte was auf uns zukommen, wenn diese Ausläufer der Evolution...
... wäre letztlich kein guter Gedanke.

Waltharia
© WALTHARI® – Aus: www.walthari.com



10. Januar 2005

Mastermeile im Bachelor-Revier
Tragikomödie aus dem universitären Reformstadl
2. Akt, 3. Szene 
Vor dem Untersuchungsausschuß zur Klärung unakademischer Umtriebe

  • Einstieg in die laufende Befragung:
    • Großinquisitor  Und das wollen Sie wirklich nicht bemerkt haben?
    • Forpa Bräsig  Das Gespräch war sehr empathisch, überaus angenehm, ausgesprochen nett. Da kann einem manche Einzelheit schon entgehen.
    • Großinquisitor  Man hat mir berichtet, daß man Sie zur Qualifikationsbreite dieser ganz speziellen Stelle kaum gefragt hat. War es so?
    • Forpa Bräsig  Wie gesagt, es war ein nettes Gespräch, ausgesprochen nett.
    • Großinquisitor  ungehalten: Sie weichen mir schon wieder aus! Mit Nettigkeit allein kommt man im harten Wettbewerb der Wissenschaften nicht weit. 
    • Forpa Bräsig  Mit meinen Sympathieaktionen mache ich ganz andere Erfahrungen. Diesen Softfaktor darf man nicht unterschätzen. 
    • Großinquisitor  Jaja, von einer fachfremden Sympathiewelle an Land gespült zu werden, meinen Sie das? 
    • Forpa Bräsig Und wenn schon, so was kann sehr angenehm sein.
    • Großinquisitor  kühl: Ich muß schon sagen, entweder Sie verstehen mich wirklich nicht oder... naja, lassen wir das vorerst. Vielleicht kann uns Herr Trabusta weiterhelfen.
    • Trabusta  Wenn Sie Ihre Frage bitte wiederholen - gerne.
    • Großinquisitor  Ist es richtig, was man im Hause kolportiert und worüber wir gerade geredet haben?
    • Trabusta  Es wird so vieles kolportiert, Herr Großinquisitor.
    • Großinquisitor  Dann frage ich Sie direkt: War Ihnen nicht klar, was für die Studierenden auf dem Spiel stand? Von den Folgen für das Fach gar nicht zu reden!
    • Trabusta  Es paßte halt alles so schön in unser Konzept.
    • Großinquisitor  Sie wollen im Ernst nicht erkannt haben, an welchem Fachwunder Sie mitgewirkt haben?!
    • Trabusta  Wir denken immer sehr interdisziplinär, Herr Großinquisitor. Mit dem Luhmann’schen Emergenztheorem hofften wir auf einen Qualitätssprung, nicht unbedingt auf ein Wunder im theologischen Sinne.
    • Großinquisitor  Aha, buntes Exzellenzgehabe im Gemeinschaftsboot - ein werbeträchtiger Faktor, ich verstehe. Aber aus den Emergenzblüten werden zuweilen bittere Früchte, nicht wahr? Und um eine solche neue Frucht geht es zur Zeit wieder. Sie wollen Ihr interdisziplinäres Netz ein zweites Mal erweitern, ja? 
    • Forpa Bräsig  Dringend erforderlich, wenn ich mir diese Zwischenbemerkung erlauben darf. Unsere Kundschaft hat sich verdoppelt.
    • Großinquisitor  Das Kundschaften aber auch, wie ich höre.
    • Schieblich  Wie meinen Sie das, Herr Großinquisitor?
    • Großinquisitor  Haben Sie sich bei Ihrer neuerlichen Netzerweiterung mal die Frage gestellt, die sehr wichtige Frage, die jeder Consultant stellen muß, wenn er was taugt: Wie viele in der engeren Wahl sind persönlich bekannt? Daraus kann man bekanntlich die  Alpha-Korrelation aus interner und externer Menge ableiten.
    • Schieblich  Verstehe ich nicht, Herr Großinquisitor, ich bin nicht vom statistischen Fach. Aber vielleicht treiben Sie nur ein Späßchen mit uns. Wenn ja, dann will ich gerne was dazu beisteuern.
    • Großinquisitor  Ach so ist das! Sie meinen, es sei spaßig, danach zu fragen, wie objektiv Sie auswählen?
    • Schieblich  So gesehen natürlich nicht. Aber von einer Alpha-Korrelation hab’ ich noch nie was gehört. 
    • Großinquisitor  Dann will ich es Ihnen kurz erklären. Nehmen wir an, der Bekanntenanteil im kleinen ausgewählten Kreis lag im aktuellen Fall bei über achtzig Prozent, derjenige bei der ausgeschiedenen Restmenge, immerhin eine stattliche Zahl, bei zehn Prozent. Hätte Sie das stutzig gemacht? 
    • Schieblich  Wenn es so gewesen wäre – auf alle Fälle!
    • Großinquisitor  Und woher wollen Sie wissen, daß es nicht so gewesen ist?
    • Trabusta  Verzeihen Sie, Herr Großinquisitor, diese Frage verwirrt mich einigermaßen. Sie wollen uns doch nicht eine Seilschaft unterstellen! 
    • Großinquisitor  Ich unterstelle hier gar nichts, sondern frage nach Fakten, zu denen Sie leider wenig beitragen, außer der Tatsache, daß Sie bestimmte Fragen nicht gestellt haben. Zum Beispiel auch diese nicht: Wer stand und steht mit wem in einem Du-auf-Du? Personalberater fragen das als erstes, wenn sie in Unternehmen gerufen werden.
    • Schieblich  Daran haben wir überhaupt nicht gedacht! Für meinen Teil kann ich aber versichern: mir waren alle fremd.
    • Trabusta  Mir auch. 
    • Großinquisitor  Und Sie sind sicher, daß für sonst niemanden diese Frage peinlich gewesen wäre?
    • Schieblich  Wie gesagt, diese Prüffrage ist uns gar nicht eingefallen.
    • Großinquisitor  Und Sie wollen keinerlei Anzeichen dafür bemerkt haben? 
    • Schieblich  Woran hätten wir denn das bemerken sollen?
    • Großinquisitor  Das fragen Sie mich? Sie waren doch dabei, nicht ich! 
    • Trabusta  Herr Großinquisitor, wir haben den Eindruck, Sie wissen von Amts wegen mehr, als es hier den Anschein hat. Ihre Fragen laufen offenbar darauf hinaus... zögert.
    • Großinquisitor  Na, worauf?
    • Schieblich  Als wollten Sie uns klarmachen,  irgend jemand hätte uns hinters Licht geführt.
    • Großinquisitor  Soso, irgend jemand.
    • Trabusta  Unvorstellbar, sowas.
    • Großinquisitor  zu Forpa Bräsig: Ihnen hat es offenbar die Sprache verschlagen. Sie sind doch sonst so kommunikativ – was sagen Sie dazu?
    • Forpa Bräsig  Kein nettes Gespräch heute. Da schweige ich lieber.
    • Großinquisitor  Ein Untersuchungsausschuß zur Klärung unakademischer Umtriebe ist nun mal kein Kaffeekränzchen. Schließlich steht das Berufsschicksal vieler junger Menschen auf dem Spiel.
    • Trabusta  faßt Mut: Herr Großinquisitor, in aller Form möchte ich protestieren gegen die Art, wie wir hier behandelt werden!
    • Großinquisitor Auch das noch! Sie fühlen sich womöglich noch als Opfer.
    • Schieblich  Mit  unakademischen Umtrieben haben wir auf jeden Fall nichts zu tun.
    • Forpa Bräsig  Alles nur Vermutungen und Unterstellungen! 
    • Großinquisitor  Soso, alles aus der Luft gegriffen? Sie werden sich vielleicht noch wundern.
    © Erich Dauenhauer. Aus: www.walthari.com, Fenster Literaturzeitschrift



    15. Januar 2005 

    Drei Vorschläge, wie man »unnütze Kinder und Alte« 
    gemeinwohlsteigernd verwerten kann 

    Das Feuilleton der FAZ vom 13. Januar 2005 widmete seine volle Eröffnungsseite der Entdeckung eines literarischen Skandaltextes. Der schwedische Literat Carl-Henning Wijkmark hatte im Jahre 1978 ein Büchlein unter dem Titel ›Der moderne Tod‹ veröffentlicht (dt. 2001), in welchem eine Expertenrunde darüber berät, wie man unproduktive Alte und »monströse und total lebensuntaugliche Kinder« zur Anhebung des Gemeinwohls umbringt. Weil die Bevölkerungspyramide bald wie ein Pilz aussehen werde und die Sozialkosten für den wachsenden nichtproduktiven Bevölkerungsteil nicht mehr ausreichten, »brauchen (wir) eine neue Haltung zum Tode und zum Altern... Es muß wieder natürlich werden zu sterben, wenn die aktive Zeit vorbei ist«, sagt der Moderator der Expertenrunde. Und ein Professor für medizinische Ethik fügt hinzu: »Alle (Menschen) müßten im Prinzip die gleiche Lebensdauer haben, wir sollten auch hier die Natur korrigieren, um zu einer gerechteren Gesellschaft zu kommen.«
    In seinem Vorspann hält es der Textentdecker Hans Magnus Enzensberger zwar für »sonderbar«, aber nicht für »unerklärlich«, daß die »skandalöse Prognose über die Zukunft der sogenannten Sterbehilfe« seinerzeit kaum auf ein Echo stieß. Wijkmark rührte an ein Tabu, das inzwischen mit der Realität konfrontiert wird und die hergebrachte Ethik infrage stellt. Um den Mord an Alten und Kindern zu rechtfertigen, müsse man an »das gesellschaftliche Interesse« appellieren, heißt es in der Expertenrunde. »Die große Aufgabe für das nächste Dezenium wird sein – davon bin ich überzeugt -, diese neue Lebens- und Todesethik einzuführen, die, richtig verstanden, den Respekt für den Menschenwert nicht verringert, sondern vergrößert, den Menschenwert anderer.«
    Die große Aufmachung im FAZ-Feuilleton verschweigt, daß die grimmige Attacke Wijkmarks eine berühmte Vorläuferin in der Weltliteratur hat. Im Jahre 1729 unterbreitete nämlich kein geringerer als Jonathan Swift (1667-1745) seinen Vorschlag »Wie man Kinder der Armen hindern kann, ihren Eltern oder dem Lande zur Last zu fallen, und wie sie vielmehr eine Wohltat für die Öffentlichkeit werden können.« Swift will Kleinkinder so mästen lassen, »daß ein junges, gesundes, gutgenährtes einjähriges Kind eine sehr wohlschmeckende, nahrhafte und bekömmliche Speise ist, einerlei, ob man es dämpft, brät, bäckt oder kocht, und ich zweifle nicht, daß es auch in einem Frikassee oder einem Ragout in gleicher Weise seinen Dienst tun wird«. Damit könnte man die Hungersnot lindern. 
    Trüge die deutsche Literaturszene nicht Züge eines Kartells, wäre sie eher eine offene Kommunität, hätte der umtriebige Enzensberger und das Frankfurter Großfeuilleton auch wissen können, daß in Heft 32/1999 der Literaturzeitschrift WALTHARI ein Vorschlag mit dem Titel unterbreitet wurde: »Wie man verarmte Alte hindern kann, ihren Kindern oder unserem Lande zur Last zu fallen, wie sie vielmehr eine Wohltat für die Öffentlichkeit werden können.« Darin werden Swifts Vorschlag über den Kinderverzehr und der Vorschlag zur Ressourcenverwertung wohlhabender Alter (für die sog. Dritte und Vierte Welt) spiegelbildlich gegenübergestellt. »Ich präzisiere zur wohlmeinenden öffentlichen Erwägung meinen Vorschlag dahingehend, von den gegenwärtig etwa siebzig Millionen Alt- und Uralteuropäern die letzte Gruppe, sagen wir die Neunzigjährigen und älteren, die ohnehin der Allgemeinheit und den betroffenen Familien eine schwere Last sind, alsbald auf ein humanes Ableben vorzubereiten, währenddessen die erforderlichen Recyclingeinrichtungen und Organbanken aufgebaut werden können, die zweifellos gewaltig sein müssen, um die genannte große Zahl sachgerecht auswerten zu können. Dabei mag man den Betreuern raten, die Uralten reichlich, wenn notwendig künstlich zu ernähren, damit ihre Körper materialergiebig bleiben oder es alsbald wieder werden... Ich versichere aufrichtig, daß ich nicht das geringste persönliche Interesse verfolge, wenn ich das notwendig gewordene Werk mit dem Titel ›Wohlstandsalte helfen Armutskindern‹ einer reformfreudigen Weltöffentlichkeit unterbreite. Ich habe nichts weiter im Auge als das Wohl der Menschheit. Den Alten müßte mein Vorschlag besonders gut gefallen, ersparte er ihnen doch die würdeloseste, weil unaufhaltsam gebrechlichste Strecke des Lebens, und dies meist noch verstoßen aus ihren Familien. Indem sie ihr Leben hingeben, reichen sie es an die Ärmsten und Wehrlosesten dieser Welt glieder- und materialspendabel weiter« (WALTHARI 32/1999, S. 63 und 65 sowie im Internetportal www.walthari.com ab April 1999).

    So ist es nun mal im deutschen Literaturbetrieb: Der Suchblick der Szenenkönige geht rund um den Globus und ist häufig blind für Vorhandenes im eigenen Lande. Es ist wie in der Gastronomie, wie mit der Mode, ja wie mit unserer Sprache selber: das Eigene wird weniger goutiert als das Fremde. Was Enzensberger großformatig als Entdeckung feiert, ist auf der Insel schon vor Jahrhunderten und hierzulande immerhin auch vor Jahren heimisch geworden. Den ethisch-satirischen Tabubrüchen folgt in der Szene kein Kartellbruch, man muß ihm öffentlich ein wenig nachhelfen.
    © Erich Dauenhauer. Aus: www.walthari.com 



    28. Mai 2005

    Literaturbrief
    an ein aufgeschreckt politisierendes Feuilleton

    Verehrte Herrschaften,

    nun hat auch Sie, die Sie so lustvoll im Stil unhintergehbarer Letzturteile Ihre Kollegen von der politischen und wirtschaftlichen Redaktion aushebeln können, jetzt also hat auch Sie die fiebrige Wendestimmung erfaßt, die nach der NRW-Wahl wie Kairos über die Republik huscht und welche die Sendemedien zum aufgeregten Dauerpalavern animiert. Die Talkshows kochen regelrecht über, und auch die schreibende Bruderschaft weiß vor Kommentarlust kaum an sich zu halten. Qualitätsfeuilletons belassen es in solchen aufgewühlten politischen Zeiten gewöhnlich bei ironischen Glossen, mit gebührendem zeitlichem Abstand und im Geiste eines besseren Wissens aus den Räumen des Kunst- und Literaturverstandes. 

    Daran hat sich nun der für das ›Blättchen‹ in Ihrem Blatt zuständige Herausgeber nicht gehalten: Mit schneller Geste will er den Lesern klarmachen, welche letzte Chance ihnen angesichts des angelaufenen politischen und wirtschaftlichen Konkursverfahrens noch verbleibt. Für die heute Dreißig- bis Fünfzigjährigen »ist es nach allem Ermessen die letzte Wahl, in der sie von Reformen noch profitieren können. Was jetzt nicht geschieht, kommt für sie lebensgeschichtlich zu spät.« Für die Generation der Babyboomer sei es »die letzte Chance, den Lauf der Dinge nachhaltig zu verändern«.

    Steht es wirklich so schlimm? Es steht noch viel schlimmer, und es ist mehr als nur erstaunlich, daß er seine und Ihre mentale Gefangenschaft und partielle Faktenblindheit nicht durchschaut. Ihre Redaktion befindet sich damit freilich in guter Gesellschaft, etwa in derjenigen Enzensbergers, dessen Verblüffung über das liberale deutsche Bürgertum zitiert wird: Es (das Bürgertum) habe »seit Jahrzehnten gegen seine eigenen Interessen gedacht oder gewählt... Das Ergebnis dieser Haltung haben wir vor Augen«: ein »Desaster des Projekts« der Rot-Grünen, denen »Generationen-Irrtümer« zur Last gelegt werden. Was die Reformzeit »des ganzen Landes« betreffe, so ähnele »die heutige Republik ein wenig der späten DDR«. Zehn Legislaturperioden, »also vierzig Jahre«, seien erforderlich, um die herbeigeführten »demographisch induzierten sozialen und medizinischen Probleme« Deutschlands zu lösen. Verantwortlich gemacht wird dafür die »Stimmungsdemokratie«, zu der sich »ein historisch verwundetes Bürgertum« habe verleiten lassen, indem es »ästhetisch wählen« gegangen sei und die »Sozialstaatsrhetorik« dabei nicht durchschaut habe. 

    Hätte er es doch bei Andeutungen nicht belassen und konsequent weitergedacht: Mit »ästhetisch« meint er wohl den Frauenwahlfänger der Spitzengenossen; mit »historisch verwundet« spielt er auf die öffentlich eingeübte Schuldpathologie der Deutschen an, denen jeder Nationalstolz und nüchterne Blicke auf Fakten abhanden gekommen sind, womit die angeprangerte Stimmungsdemokratie gut erklärbar wird: idolatrische Gefühlsduseleien statt politischer Sachverstand, moralisierendes Gutmenschentum anstelle kritischer Selbstbezüglichkeit usw. Den Vergleich mit »der späten DDR« kann sich nur ein Großfeuilleton leisten: Obschon dieses parallele Sehen keineswegs abwegig ist, macht das moralische Milieu in Deutschland jedwedes Vergleichen zu einem riskanten Denkgeschäft, das zur sozialen Vernichtung führen und sogar juristische Schritte zur Folge haben kann.

    Stimmungsdemokratie, Schuldpathologie und Moralisierung sind freilich nur Begleitphänomene der desaströsen Lage, nicht deren eigentliche Ursachen. In metaphorischer Selbsttröstung hält es ihr Feuilleton für »eine Befreiung... über die Parteipolitik hinaus«, den schrägen Blicken abgewirtschafteter Politiker endlich entkommen zu sein. Warum richten Sie Ihre Blicke nicht auf den inneren Mechanismus der Parteiendemokratie, der für den bevorstehenden Staatsbankrott, die wachsende Politikverdrossenheit (Wahlenthaltungen), die himmelschreiende Arbeitslosigkeit und all das andere, was Deutschland an den Abgrund geführt hat, im wesentlichen verantwortlich zu machen ist? ›Die vierzig Hauptsünden des Parteienkartells‹ in diesem WALTHARI-Portal rollt seit Jahren das Ursachenregister auf. Warum fragen Sie sich nicht, wie es kommen kann, daß zweifelhafte Figuren so leicht politische Karriere machen können – in einem System, das schon bei der Kandidatenauswahl den mündigen Bürger faktisch ausschließt und über staatliche Parteienfinanzierung die Machtkartelle quasi immunisiert? Stört es Sie wirklich nicht, daß die Parteiendemokratie den Artikel 21 GG, der eine bloße Mitwirkung der Parteien an der politischen Willensbildung vorschreibt, fast total unterlaufen hat? Daß auch andere Verfassungsvorschriften halb zur Makulatur geworden sind, so die Vorschrift einer unmittelbaren Wahl nach Artikel 38 GG (also keine Listenwahl), so die zwingende Haushaltsvorschrift in Artikel 115 GG, so die Verstöße gegen das freie Mandat (nach Artikel 38) durch den praktizierten Fraktionszwang? Diese Mechanismen der Parteiendemokratie machen erklärlich, warum die politische Klasse gegen den eindeutigen Mehrheitswillen des Verfassungssouveräns (des Volkes) unsere Landeswährung abschaffen und EU-Erweiterungen vornehmen konnte, die unsere Arbeitslosenzahl um jährlich etwa 100.000 erhöhen. Unfaßbar und wütend stehen die meisten Deutschen vor dem Husarenstreich eines Kanzlers, der der Türkei die Aufnahme in die EU in Aussicht gestellt hat.

    Ihr Feuilleton animiert die Leser mittleren Alters, »mit Papier und Bleistift auszurechnen, welche Regierung sie sich leisten können.« Genau damit signalisieren Sie ihre Gefangenschaft in einer Parteiendemokratie, die doch für das verantwortlich zu machen ist, was Sie beklagen. Glauben Sie wirklich, daß der beschriebene Mechanismus, der gesellschaftlich, verfassungsrechtlich und politisch auf höchst bedenkliche Weise deroutiert, systemimmanent heilbar ist? Sind es nur Defekte oder nicht doch Systemfehler, die ohne direktdemokratische Kontrolle nicht ins Gleichgewicht zu bringen sind? Wer solche Fragen stellt, gerät in Zeiten der Parteienherrschaft und der mitspielenden Medien leicht in schlimmen Verdacht. Nein, Anhänger einer Bürgergesellschaft, welche nicht mit Utopia gleichzusetzen ist, wollen die Parteien nicht abschaffen, wohl aber ihre Allmacht begrenzen, die sich als »repräsentativer Absolutismus« (Peter Gauweiler) eingerichtet hat.  Sie lehnen ein Europa der verzahnten Kulturen nicht ab, wohl aber den bürgerfernen Zentralismus nach Brüsseler Art. Sie sind Verteidiger repräsentativer Organe, die aber nach dem Muster alter Demokratien in zentralen Fragen dem direkten Volkswillen unterworfen werden müssen. Ohne plebiszitäre Korrektive kann die demokratische Repräsentation nicht überleben. Darauf verwies jüngst auch der französische Philosoph Jean Baudrillard, der in westlichen Demokratien eine Tendenz kollektiven Souveränitätsverlustes konstatiert hat, ein Verlust, der das Volk zu bloßen Zuschauern degradiere. Die nur parlamentarische und bundesrätliche Zustimmung zur EU-Verfassung in Deutschland liefert ein historisches Beispiel für die Wirkungsdifferenz: 90 Prozent der Franzosen beteiligten sich an der Diskussion über die EU-Verfassung, weil sie direkt darüber zu befinden hatten, während 90 Prozent der Deutschen nicht einmal wissen (es wurde ja öffentlich kaum darüber debattiert), daß der Bundestag und Bundesrat das Papier verabschiedet hat! Baudrillard: Der Staatsbürger wird »zur Geisel des Machtspiels« gemacht, und da »Geiselnahme nun einmal zum Inbegriff des Terrorismus« geworden ist, zu einem Objekt einer – demokratischen – Form von Staatsterrorismus«. Gibt es einen aktuelleren Beweis für die Volksferne der Parteiendemokratie als deren hurtige Verabschiedung der EU-Verfassung?

    Unter dieser Perspektive reicht es nicht aus, zu behaupten, Deutschland sei in eine rot-grüne Falle geraten, die stimmungsdemokratisch die Fakten vernebelt habe. Wir haben uns im Revier einer Parteiendemokratie verlaufen, deren Gelände nicht frei von Parteispendesümpfen ist. Und was die Stimmungsdemokratie betrifft: Wer macht leichter und leichtfertiger Stimmungen als der allgegenwärtige Medienbetrieb? Der politische ›Gespensterbetrieb‹, der nun hoffentlich bald ein Ende finden wird, stand zuweilen in der höchsten Gunst der Presse, die ja Meinungsbildung als einen ihrer Aufträge versteht – zurecht. Aber die Effekte zu geißeln, die sie selber mit herbeigeführt hat, gleicht einer medialen Schelmerei.
    Hoffentlich wird es nicht vierzig Jahre dauern, bis Meinungsmacher und Machtinhaber begreifen, was bürgergesellschaftlich zu justieren ist. Nicht Neuwahlen, wie Sie schreiben, sind die letzte Chance, um »endlich zu einer Selbstverständigung zu gelangen«. Es wäre weit mehr zu wagen: dem Bürger öfter aufs Maul schauen und ihm die Folgen seiner direkten Entscheidungen in öffentlicher Willensbildung unmittelbar vor Augen führen. Dann...
    Erich Dauenhauer
    Herausgeber der Literaturzeitschrift WALTHARI
    ©WALTHARI® – Aus: www.walthari.com



    29. Mai 2005

    Ein antiker Satiriker in Zeiten des Sittenverfalls

    »Si natura negat, facit indignatio versum« - wenn die Natur (will sagen: die Verhältnisse) es verwehrt, schafft die Entrüstung sich Verse. Nach diesem Motto schrieb sich ein jugendlich wirkender, hochgebildete Römer seine Abscheu von der Seele. Um nicht sein Leben aufs Spiel zu setzen, gab er vor, nur aus Schlaflosigkeit und wegen seiner »unverschämten Milz« Verse geschmiedet zu haben; er vermied auch zeitgenössische Bezüge, um nicht in eine Anklagefalle zu geraten. Doch die zitierten Belege und Verweise wurden von den Zeitgenossen unschwer auf die aktuellen Verhältnisse bezogen. Mit kühner Offenheit und in einem ungewöhnlichen ironisch-aggressiven Ton spießte der Satiriker Laster um Laster auf und entwarf ein gigantisches Sittengemälde, in welchem sich auch die Postmoderne durchaus erkennen kann. »Heute dagegen bereitet das Speisen den Reichen keinerlei Lust, weder der Steinbutt noch das Reh schmecken, zu stinken scheinen Parfüm und Rosen, falls nicht die breiten Tischplatten mächtiges Elfenbein trägt, ein mit offenem Rachen sich hochreckender Panther aus den Stoßzähnen...« Und zum Kontrast: »Die Schlichtheit des Lebens hat einst die Latinerinnen keusch bewahrt, eine Befleckung durch Laster ließen die kleinen Hütten nicht zu, die Arbeit, der kurze Schlaf und die von etruskischer Wolle geplagten und harten Hände, dazu die Nähe Hannibals vor der Stadt und die auf dem Collinischen Turm stehenden Ehemänner. Jetzt leiden wir unter den Übeln des langen Friedens, grausamer als die Waffen hat uns der Luxus überkommen und rächt die besiegte Welt. Kein Verbrechen fehlt und keine Untat aus Begierde, seit die Armut Roms vergangen ist.« Mit beißendem Spott empfiehlt er Müttern, ihre Töchter »zur Unmoral zu erziehen«, um den Herren in »purpurnem Athletenmantel« zu gefallen. Zwar gebe es vieles, »was Menschen mit löchrigem Mantel nicht zu sagen wagen«, aber das rechtfertige Feigheit nicht: »falls du alles zu ertragen vermagst, verdienst du es auch.« Die Lasterkette scheint endlos: Unzucht, Ehebruch, ungezügelter Luxus, bürgerliche Feigheit, Betrug, Bestechung, Geld- und Ruhmgier, Heuchelei, Perversionen u.v.a. »Wäre ich doch nur ein Lügner!«, ruft er verzweifelt aus, da er erkennen muß: »Delicias hominis!« Welch einen Spleen hat der Mensch! Da wünscht sich eine Frau, »durch den Tod ihres Mannes das Leben ihres Hündchens zu retten«. »Die ganze Nation besteht aus Komödianten«, stellt er resigniert fest und verweist auf die Lügenpraxis und Redesucht der Mächtigen. Ein verarmter Ritter namens Naevolus dient seinem Patron als Homosexueller und zeugt in dessen Auftrag mit der Ehefrau seines Herrn zwei Kinder, wird aber dennoch verstoßen und zum Schweigen gezwungen. Naevolus hat die unmoralischen Verhältnisse derart verinnerlicht, daß er ein Fall von Unbelehrbarkeit wird, worauf die entarteten Mores allgemein hinauslaufen. In einem anderen Fall fristet ein gewisser Trebius ein Parasitendasein am Tisch des reichen Vorro, der ihn ständig demütigt. Für selbstverschuldete Entwürdigungen läßt der Satiriker freilich keine Ausrede gelten, er schlägt sich keineswegs auf die Seite williger Opfer, vielmehr verspottet er mangelnden Mut und fehlende Besinnung auf das Eigene und tugendhaft Einfache. Im grellen Kultgetue zu Ehren der Bona Dea werden Ehen unter Homosexuellen (und Lesben) geschlossen und ins Gegenlicht der vergilischen Heroenwelt gestellt. Luxuria erscheint wichtiger als Abwehr von Landesfeinden. Was unser Satiriker über die korrupte Staatsführung schreibt, ist einzeitloses Lehrstück: Dem skrupellosen Parvenü Crispinus ist die geschmacksgerechte Zubereitung eines Riesenfisches im kaiserlichen Palast wichtiger als die Sicherung der Reichsgrenze. Alle eilen sie zum Festmahl des Crispinus, »der schon am Morgen soviel Parfüm verströmte, wie kaum zwei Leichen an Duft verbreiten«. Schlachten werden in der Marmorvilla geplant, nicht in kargen Heereszelten wie einst bei Caesar. Verschwendungssucht und Machtdünkel zeichnen die Führungsschicht Roms aus. Sie verachten das Recht und gefährden damit die gesellschaftliche und staatliche Ordnung – eine höchst moderne Anmahnung der Mächtigen lange vor dem demokratischen Element der Rechtsstaatlichkeit. Wer nicht als »Anhänger der Gerechtigkeiten zu gelten« gewillt sei, tauge nicht für Staatsgeschäfte. Wesentlich sei »ein redlicher Richter« (»arbiter idem integer«). Der Größenwahn des Imperiums ist dem Satiriker ein Greuel. »Wenn dich blindlings Ehrgeiz und Willkür dahinreißen...« (»quod si praecipitem repit ambitio atque libido...«). Kritisiert werden religiöser Fanatismus und – ein besonderes Wagnis im Militärstaat Rom – das Verhalten von Soldaten gegenüber Besiegten und römischen Bürgern.
    © Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com


    16. April 2001

    Anakreon verlacht Pindar

    Nein, die Geschichte wiederholt sich nicht, wohl aber einzelne Entwicklungstendenzen, so etwa – als Indizien für kulturelle Krisen – Systemerstarrungen und Entsolidarisierungen gegenüber Traditionen, Randgruppen u.a. Ursachen für solche historischen Universalien sind anthropologische Konstanten, darunter Luxus- und Herrschsucht, Zukunfts- und Seinsvergessenheit. Der jeweilige Niedergang selbst glänzender Hochkulturen und mächtiger Weltreiche ist relativ gut erforscht, man lese dazu etwa Das Ende der Weltreiche. Von den Persern bis zur Sowjetunion von A. Demandt (1997). Die Untergangsmuster unterscheiden sich zeitlich und auch in der Faktorendominanz; manches stolze Herrschaftssystem (wie das Frankenreich) konnte nur wenige Jahrhunderte seine Identität aufrechterhalten, andere bewahren sie über Jahrtausende (wie Indien und China). Doch in allen Niedergangsphasen sind u.a. folgende Faktoren weit stärker als in der Aufstiegs- und Hochphase ausgeprägt: nachlassender Wehrwille (im späten Rom war gängige Praxis: »Römer zahlten lieber Wehrsteuer [aurum tironicum] als zu kämpfen«, A. Demandt, S. 43); das Entstehen eines Söldnertums (»Die Römer zahlten und die Germanen kämpften«, M. Waas: Germanen im römischen Dienst im 4. Jh. n. Chr., 1971); übersteigerter Luxusbetrieb der Oberschicht (Byzantinismus); extremer Spielbetrieb der Massen; schwindendes Vertrauen in Regierung und Religion.

    Frühe Warnsignale sind i.d.R. aus dem Geistesleben zu vernehmen. Cato der Ältere (234-149 v.Chr.) und Cicero (106-43 v.Chr.) ahnten lange vor den römischen Reichskrisen (im 4. Jh. n.Chr.) die Gefahren, die von der anschwellenden Panem-et-circenses-Bewegung ausgingen. Zu Zeiten des Satirikers Juvenal (60-140 n.Chr.) war der Sittenverfall Roms bereits in vollem Gange; in seinen berühmten Satiren spießte er den Tafelluxus, den Sexismus, die Militärarroganz, den Zirkusbetrieb, kurz: die römische Spaßgesellschaft schonungslos auf. 
    Eine paradigmatische Konstellation entdeckt man auch in Altgriechenland. Der Lyriker Anakreon (*550 v. Chr. – 465?) besang in Liedern, Oden und Elegien die Freuden des Lebens, das er an Fürstenhöfen kennengelernt hatte, ehe er sich im Stadtstaat Athen niederließ. Die nach ihm benannte Anakreontik bezeichnet eine Lyrik, die sich im Motivkreis von Liebe, Geselligkeit und heiterem Lebensgenuß bewegt und als Poesie der Empfindsamkeit bis ins 19. Jh. weiterwirkt (bei Liliencron u.a.). Der anakreontisch leichte Ton ist der reine Gegentyp zum pindarischen Grollen: Anmut und Lebensgenuß einerseits gegen Erhabenheit und Daseinserschrecken andererseits. »War (seit dem 17. Jh.) die pindarische Ode groß, leidenschaftlich bewegt, erhaben, enthusiastisch, naturhaft-unregelmäßig, so war die anakreontische Ode klein, anmutig, glatt und regelmäßig. Bevorzugt die pindarische Ode Götter, Helden, große Natureindrücke wie Stürme, Ströme, Meer und Gebirge, so hält sich die anakreontische Ode (deren Typus Hölderlin im Brief an Wilmans meint, indem er vom müden Flug der ›Liebeslieder‹ spricht) an die Liebe und den Wein, an kleine ländliche Vergnügungen und den leichten Genuß. Nicht zuletzt gehört zur pindarischen Ode das Dunkle und Schwierige, zur anakreontischen Ode das leicht Faßliche« (Schmidt, J.: Kommentar zu Hölderlins Gedichte, in: derselbe, Hrsg.: Friedrich Hölderlin, Sämtliche Werke und Briefe, Bd. I, Frankfurt/M. 1992, S. 511). Pindar lebte zwischen 518 und 476 v.Chr. und wirkte als Chormeister in Athen. Seine Oden, die nach den Orten der vier Nationalspielen olympisch, pythisch, nemeisch und isthmisch genannt werden, dienten insbesondere Hölderlin als Vorlagen.
    Wozu diese gegenüberstellenden Erinnerungen? Unter dem Vielen, was sich daraus ableiten ließe, sei lediglich die Beobachtung erwähnt: Nichts wird in der Dichtung der Moderne mehr verabscheut als der hohe pindarische Ton. Wer es dennoch wagt, wie Stefan George vor hundert Jahren oder Peter Handtke in unseren Tagen, wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Das Anakreontische, postmodern Spaßverpackte beherrscht die literarische Szene. Schon beim leisesten pindarisierenden Pathos bekreuzigen sich die Szenenwächter aus der Literaturkritik. Doch Pindars Zeitgrollen hat stille Konjunktur (vgl. WALTHARI, Heft 36/2001).
     © Erich Dauenhauer, aus: www.walthari.com 


    17. Januar 2009

    Das Recht im ästhetischen Code 
    Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer 

    1. Das Recht als Wägestation an der Grenze

    In Heft 15/1968 des ›Kursbuches‹ rief Hans Magnus Enzensberger den Tod der Literatur aus: »Die Literaten feiern das Ende der Literatur.« Zehn Jahre später zelebrierte er seine Rückkehr zur Belletristik. Seither gilt Enzensberger als ein Großschriftsteller. Der Vorgang ist epochensymptomatisch weit über die Literatur hinaus: Alles scheint konstruktivistisch verfaßt und damit beliebig veränderbar – ohne Wahrheits- und Gesichtsverlust. Mit Cleverneß glaubt man die Realitäten nach eigenem Geschmack richten zu können. Ich beschreibe dieses Epochenmerkmal ausführlich im WALTHARI-Heft 52. 
    Am 15. April 1978, im Jahr der Enzensbergerwende, wurde Roland Barthes, seinerzeit einer der einflußreichsten Denker in Frankreich, von einer Erleuchtung heimgesucht, als er in Marokko weilte. Das visionäre Erlebnis bezeichnete er später als »eine Art Satori, ein Aufblitzen«. Zen-Kundige wissen, welcher Seltenheitswert Satori besitzt. Barthes ist noch weiter gegangen: Er verkündete den »Tod des Autors« und fügte gleich eine weitere These hinzu: Nach Marcel Proust seien keine Romane mehr möglich.
    Ein Blick auf die Romanlandschaft der Gegenwart straft seine These Lügen. Untergegangen sind Ideologie- und Schreibmoden, nicht die Motive und Stoffe, die stets einer doppelten Aufarbeitung harren: einer werk-›technischen‹ und einer ästhetischen. Auf ›technischer‹ Ebene ist das Recht die letzte Bastion für Konflikt- und Kontingenzbewältigung. Danach beginnt das grenzenlose Reich der ästhetischen Transformation. Gibt es Zusammenhänge zwischen dem Recht als Wägestation an der Grenze und der Literatur? 

    2. Dominanz des Kulturell-Historischen vor dem Allgemein-Anthropologischen?

    Im Feuilleton der FAZ und in ihrem internetalen Lese-Raum (Reading Room) fand im Frühjahr 2008 eine aufschlußreiche Debatte statt. Der für das Feuilleton zuständige Mitherausgeber zettelte in einer Vorankündigung einen »Streit« an, wie er schrieb, um das dunkelste Stück deutscher Vergangenheit im literarischen Licht neu zu beleuchten. Abgedruckt wurden in Folge die ersten 120 Seiten des Romans ›Die Wohlgesinnten‹ von Jonathan Littell, der für sein Riesenwerk (1381 Seiten) zuvor den Prix Goucourt erhalten hatte. Nicht so sehr der Inhalt des Romans führte zu heftigen Kontroversen, sondern die fiktive Personifizierung des Bösen in der Gestalt des SS-Sturmbandführers, Dr. Max Aue, der gebildet ist und zugleich brutal seinem mörderischen Geschäft nachgeht. In dieser paradoxen Mischung verbirgt sich, so die verbreitete Auffassung, das Rätsel um den Völkermord, der von einem hochzivilisierten Land ausging. Ein Teil der Kritiker in Frankreich und Deutschland pries den Roman als Jahrhundertwerk, andere hielten die Literarisierung des Verbrechens für gescheitert. Klaus Happrecht z.B. sprach von »aufgemotztem Schmock« und wies historische Fehler nach. So verlange »das französische Klischee..., daß Dr. Max Aue ein profunder Bach-Kenner ist«. Happrecht empfand bei der »langweiligen Expedition ins Reich der Täter« den »Kunstwillen« Littells für so sehr überzogen, daß »in diesem monströsen Werk... der gute Geschmack notwendig auf der Strecke bleiben« muß (FAS Nr. 61/2008, S. L 6 f.). In der gleichen Ausgabe (auf der gleichen Doppelseite) wird dagegen das psychoanalytische Gerüst des Romans gelobt und die These vertreten, die Täterneigung zum Verbrechen sei »ein Kulturprodukt, erlernt und trainiert«. Julia Voss kritisiert lediglich, daß Littell »seiner Hauptfigur immer wieder die Aura eines tragischen Helden« verliehen hat.
    Auch die NZZ nahm sich den Roman gleich zweimal vor. Christoph Jahr sah in den ›Wohlgesinnten‹ einen »vergangenheitspolitischen Rückschritt«, weil er »den Holocaust zur antiken Tragödie« verkläre (NZZ Nr. 45/08, S. 31). Der Kritiker unterstellt, daß die »große Medienbegleitung« in Deutschland eine Art Entlastungskampagne darstellte, weil im Roman die fiktive anthropologisch-allgemeine Versuchsanordnung stärker hervorgehoben wird als die spezifisch deutsch-kulturelle Geschichtsrealität. Damit kann er freilich das noch größere Echo in Frankreich nicht erklären. Der Protagonist Aue entspreche nicht, so der Kritiker, dem Stand der Täterforschung – ein poetologisches Fehlurteil, das Literatur lediglich als ästhetisch verpackte Realitätswiedergabe verstanden wissen will. In der gleichen NZZ-Ausgabe rechnet Jürgen Rütte ganzseitig (S. 30) mit dem »Feuilleton-Roman« (ein Seitenhieb auf die FAZ) ab und rechnet ihn indirekt zum »Holocaust-Business«. Rütte kann damit allerdings nicht erklären, warum Jorge Semprun, Jury-Mitglied bei der Verleihung des Goucourt-Preises, aus der Sicht seiner Erfahrung als ehemaliger KZ-Häftling dem Roman zugebilligt hat, über Generationen hinaus (»die nächsten zweihundert Jahre«) ein Bild über das Grauen vermitteln zu können.
    Die Literatur bemüht sich unentwegt, das Unfaßbare der Nazi-Greuel ästhetisch zu bannen, so jüngst auch Marcel Beyer mit seinem Roman ›Kaltenburg‹. Neben der poetologisch-technischen Zugriffsweise muß sich jeder Romancier entscheiden, ob er die Figuren mehr unter der Perspektive der allgemein-menschlichen Anfälligkeit oder mehr unter der Sicht eines spezifischen kulturellen (deutschen) Milieus agieren läßt. Im eingespielten kollektiven Gedächtnis weit über Deutschland hinaus ist die Entscheidung darüber längst gefallen. Wer dagegen anschreibt, muß mehr Verrisse in seiner Rezensionssammlung abheften als Lobtexte. Ist es aber nicht Aufgabe der Kunst, Eingefahrenes infrage zu stellen? Im Auslegungskampf schwenken die meisten Rezensenten auf die Subjektivitätsspur ein. Schwere, träge Substanzen zählen wenig und gelten als manipulierbar, ganz so, als ob es die Freiburger Ritter-Schule nie gegeben hätte.
    © WALTHARI® – ausgenommen die Originalzitate – Aus: www.walthari.com

    Wird fortgesetzt